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Full text : Bregenz. Eine siedlungsgeschichtliche Untersuchung

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In direkte m Zusammenhang mit dem sicht baren Ausbau der Kir chgasse
 steht die Bildung des Marktes am Leutbühl. Der Leutbühl liegt
zentr al vor dem Toreingang in die befestigte Vorstadt und Stadt; an
der Stell e, wo Oberga sse und untere Straße, die beide n Lan ds traßen,
vereinigt in die Kirchgasse mün den. Der Platz war günstiger für einen
Markt wie die abgel egene Oberstadt, aber erst bei entsprechender Stärke
des Verkehrss tromes . Wann diese einsetzte, zeigt die Kirchgasse. So
ist der Markt auf keinen Fall erst in der Mitte des 16. Jahr hunde rts 42,
auch nicht im Anschluß an den Brückenbau über die Ach (151 7) entstanden.
 Er lebte schon geraume Zeit vor 1517, jedenfall s bereit s einige
Jahrzehnte früher.

Der Aufschwung des Marktverkehrs am Leutbühl fällt in die Zeit
der Bedeutungslosigkeit des alten Marktes in der „Statt “. Er hängt
mit dem zunehmenden Schm alz-, Käse- und Kornha ndel zusa mmen 43,
also mit den großen Fortschritten der Viehzucht und Alpwirtschaft.
Dies galt vor allem für das wichtigs te, mögl iche Einzugsgebiet des
Marktes, den Bregenzerwald. Es kann daher von einer förml ichen Verlegung
 aus der Oberstadt nicht gesprochen werden; es handelt sich vielmehr
 um eine neue Entwicklung, die dann das Wenige, das dem oberen
Markte geblieben war, zu gutem Teile ebenfalls an sich zog.

Förderlich war dabei das glei chze itige Fußfassen Ös terreic hs in
der Herrschaft Bregenz seit 1451; sie brachte für Bregenz die politi
 sche Ve reinig ung mit seinem Hinterland.

1539 hatte sich der Markt längst eingelebt. Damals stand am
unteren Ende, ebens o wie noch im 19. Jahrhundert ein Haus mit Laubengängen
 für den Marktbetrieb. An seiner „Saul “ wurde Schmalz

42 Helbok, Bevölkerung, S. 99: „Der Niedergang der Stadt oben und der
Aufsc hwung der unt eren um die Mitte des sech zehnte n Jahrhunderts dü rfte ein
Hinweis für die Verlegungszeit (des Marktes) ..sein..“ Ebenso S. 95: „Hier
möge wiede r betont we rden, daß sein (— des Leutbühels) Name 1545/46 im
Steuerbuch noch nicht gefüh rt ist, er also erst in der Folgezeit zu Bedeutung
kam.“ 43

1548, bei Wiederaufrichtung des Wochenmarktes, sollte „der wuchenmarckt
 mit kes, schmaltz, dergleichen kernen, hab ern und wein auff dem Lüpbü
 hel..“ statt find en. — Das älteste Kornh aus wurde ganz nahe beim Leutbühel,
oberhalb des heutigen Gasthauses zum Löwen, wahrsc heinlich gegen Ende des
15. Jahrhunderts errichtet; 1501 (Urk. 10. November) erschein t es zum ersten
Mal in einer Urkunde.
            
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