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Full text: Schriftstücke zur Geschichte der konservativen Partei von Vorarlberg im Jahre 1880

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V ora rlberg. So oft es in Vorarlberg auf politischem Gebiete für die k a tholische 
Volkspartei Durchgreifendes zu thun gieb t, zieht man ihn Hinzu und übertragt ihin 
zuni eist die Spitze der Ausführung, entsprechend seinem auf s energische Handeln 
angelegten Charakter. D eshalb rich ten sich seit zehn Jahren alle Angriffe der Ge gner 
vorzugsweise auf ihn. Unrichtig ist es, ihn als den allein maß gebe nden Faktor in 
der Partei darzustellen, eine P raxis, welche die G egner consequent einhalten und 
nach fein em etwaige n Sturze gegen alle feilte Nachfolger und Ersatzmänner einhal ten 
würden. Im Innern der Partei geschie ht Vie les ohne Joha nn Thurnher, Manc hes 
gegen seine Meinung und gegen seinen Wunsch, und geschie ht dann oft doch durch 
ihn, weil er mit der Exek ution betraut wird. Er weiß sich unterzuordnen in Neben­ 
sachen, in Hauptsachen ist er unbeugsam, und in Dingen, wo Leben und Tod der Par tei auf 
dem Spiele steht, ist er dann freil ich so etwas wie ein Tyrann. Jeder Mitkämpfer ist hm recht, 
wenn es ein Mitkämpfer ist, keinen drückt er vom Platze , ehe er int Wege steht, nicht ihm 
sondern der Sache. Oft rück sicht slos in seinem äußeren Auftreten, verletzt er Man che, die 
doch wieder vertrauensvoll an ihn sich w enden, JO bald es Ernst gilt. Ange griff en, 
verspottet und verd ächtigt mehr als irgend eilt Mann in Vorarlberg, scheint er im 
Gemüthe unver w undbar zu sein, währ end zugleich Niemand in Vorarlberg ist, der 
über andere ein so Uiildes persönliches Urtheil fäll t, als er. Er ist stets der Erste, 
Andere gel ten zu las sen, und stets der Letzte, der And ere fallen läßt, so daß der, 
wel chen endlich auch Joh ann Thurnher fallen^ läßt, sicherlich zu fallen reif ist, es 
aber wahrscheinlich schon lange zuvor war. Man^stegt dem Johann Thurnher die 
Parteiarbeit haufenweise hinzitschieb en , um danii in Scherz und Ernst ihm vorzuwerfen, 
er wolle Alles allein thun. Fleißig, entschieden, rasch, fehlt ihm das kontemplative 
Element; ohne Sentimentalität, fehlt ihm scheinbar das Gemüth, obwohl im Nothfalle 
Jedem anzurathen wäre, lie ber auf den „gemüthlosen" Thurnher sich zu verlassen, 
als auf zwanzig s entimentale Seelen. Er kommt selten dazu Gründe anzugeb en, 
o bwohl er niemals ohne gute Gründe handelt. Zum Diplomaten ist er äußerlic h 
verdorben, doch löiirbe er selb st einen geriebenen Diplo maten in re chte Verlegenheit 
zu bringen wiffen. Er genießt, so wie er ist, das unbedi ngte Ve rtrauen des Vor­ 
arlberger Volkes und Klerus, obwohl er auch im eigenen Lager stets kritisirt wird, 
wie ed’ in der Ordnung ist, denn Führer will man hier zu Lande, keine Herrscher. 
Was dem Johann Thurnher abgeh t — es ist das manches, wie wir gesehe n 
haben — das ersetz t zu einem großen Theile Johann Kohler, der sich vom Volks­ 
s chulleh rer auf durch rastloses privates Studium wiffenschaftliche Kenntnisse angeeignet 
bat, Kaufmann in Schwar zach, mit zahlreicher Familie, in starkem Geschaftsverkehre, 
lit er Landtagsabgeordneter ebenfalls seit 1870 und wiederholt konservativer Kandidat 
für die Reichsrathswahl der Stadtegrup pe von V ora rlberg. Spekulativer Kopf und 
skrupulös bedächtiger Herr, steht er gewöhnlich neben Johann Thurnher, Ivelchen 
er ergänzt und von dem er ergänzt wird, besonde rs was s chnellen Entschluß und die nach dem 
Hauptgesichtspunkte durchgreifende Thatkraft angeht. Im freundschaftlichen Ver kehre 
stehen die Beid en priv atim miteinander nich t, nur die P artei, d. h. das gemeinsame 
organistrte Intere sse des Lande s, des Volke s, der Kirche führt sie zusammen, so oft 
sie zusamm en kommen, und das ist oft genug , öft er, als sie für ihre Privatverhälüiisse 
wünschenswerth finden. Da von Kohler in der Brochure direkt weniger die Rede 
ist, fassen auch wir uns kurz und bemerken nur noch daß auch Kohler unbedingter 
Vertrauensmann des Vorarlberger Volkes und Kler us ist, sich eben deßhalb mit Thurnher 
in die Ehre theil end, von der Gege nseite bestgehaßt, meista n gegriffen und am stärksten 
kritisirt zu sein, woraus sich weder der Eine noch der Andere auch nur das Geringste 
macht, sei es aus Demuth, sei es aus sicherem B ewuß tsein- 
Daß diese beiden Männer hie und da fehlgreifen; daß sie Manches was sie
	        
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