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Full text: Schriftstücke zur Geschichte der konservativen Partei von Vorarlberg im Jahre 1880

I L Das jüngste Bild von Vorarlberg. 
Wenn ein Fremder, w elcher Vorarlberg nicht kennt, zufällig die Broschüre: 
„Wer will die Spaltung?" von Rud olf Freiherrn von Manndorff in die Hände 
bekommt und sich daraus ein Bild von Vorarlberg, seinen Bewohnern und ihren 
g egen wärtigen po litische n Verhältnisien entnehmen wollte, der erführe Folgendes: 
Die Vorarlberger sind „entweder s chwarz oder roth", oder „viel mehr fast alle 
schwa rz" (S. 26) mit Ausnahme einer „kleinen A nzahl Schrei halse" , und e iniger 
' Fremde n, die weniger verbissen seien , wie z. B. die Beamten. Woll ten aber diese 
F remden, z. B. die Beamten, eine Mittelpartei anstreben , so würde ihr Bemühen 
an dem Widerspruchsgeiste die ses selbständig denkenden, seiner berechtigten Eigen­ 
thümlichkeiten sich bewußten intelligenten Gebirgsvolkes sche itern. Die Vorarlberger 
seien in der That ein Völkchen eigener Art; sie haben sel ten oder nie die Anregung 
รู่:. zu ihren Einrichtungen und Ver be sserungen des öffe ntliche n Leben s von Außen her 
empfangen. Sie lassen sich keine fremdes Ideen aufdrängen, am wenigsten die Idee 
einer doppelzüngigen, amphibienartigen Mittelpartei, denn die Haupttugend und der 
, ‘ Hauptfehler der Vorarlberger sei dre Einseitigkeit. 
Also die Vora rlberger sind fast alle schw arz, denn die kleine Anzahl rother 
S chre ihälse zählt nicht, wenn sie jenen auch scheinbar das Gegengewicht halt — so 
1 ะ denkt der Fremde. Woher aber, denkt der Fremde w eiter, kommen auf der vorher- 
\ s gehenden Seite 25, die „za hlreic hen Liberalen" im Lande , und wie reimt sich mit 
’ der kleinen Anzahl rother Schreihälse der breite Pinselstrich von S. 32, wo es heißt: 
„Denken Sie doch an die Gemeindeverhältnisse m Dornbirn, Hohenems und 
anderwär ts; fast überall in den andern Ländern haben die Konservatlven mit Erfo lg 
die .li b eralen" Stadtvertretungen ü berw unden, *) nur in Vor arlberg noch nicht"..... 
Woher kommt oft die Unwi derstehlichke it der „Liberalen"? Von der Zinsknechtschaft 
- der meisten W ähler gegenüber dem herrschenden K apital und von der Betheiligung 
der „Liberalen an den gemeinnützigen und anderen Vereine n und Anstalten aller 
Art, — von ihrer Geschicklichkeit, sich im Frieden ohne Geräusch einen Anhang, eine 
Klientel zu versc haff en, die im Augenblick der Wahl oder sonst in einem entscheidenden 
Augenblick mit ihnen geht. Bei den letzten Wahlen in den Landt ag von Vorarlberg 
verdankten die Konservativen ihren E rfolg — — den „Liberalen", nämlich dem 
11 (1 Mi ßbrauch, welchen diese mit ihrer Herrschaft getrieben hatten." 
„Von den Vorarlberger Liberalen", so sagt sich der Fremde, „kann ich mir 
sonach kein rechtes Bild m achen. Einestheils sind es bloße Schreihälse und anderer­ 
seits wirken sie geschickt und ohne Geräusch, und bald sind es nur eine kleine Anzahl 
W Rothe, bald zahlreiche Liberale , und jetzt ist ihr Gegengewicht nur ei l scheinbares, 
und gleichzeitig dominiren sie in allen Städtevertretungen, auch in Hohenems, sind 
gleichbedeutend mit dem herrschenden Kapital, b esitzen einen oft u nwiders tehlich en Ein­ 
fluß, betheiligen sich fast allem an gemeinnützigen/und andern Vereinen, v erschaff en 
sich NN Frieden Anhang und Klientel, die bei Wahlen und anderen entscheidenden 
*) „Das ist ausgeschnitten", denkt hier der Fremde.
	        
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