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Full text: Schriftstücke zur Geschichte der konservativen Partei von Vorarlberg im Jahre 1880

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Augenblicken mit ihnen geht und verlieren den E rfolg bei den Landt agswahle n an 
die Kons ervative n nur in Folge Mißbrauchs ihrer He r rschaft, nicht aber in Folge 
der natürlichen Stärke der Konservativen. Wie soll ich mir doch diese Liberalen 
von Vorarlberg vors tellen? Ich kann mir nach den Anga ben der Brochüre kein kla­ 
res Bild von ihnen mach en. Vielleicht geht es mir in Bezug auf die Kon servativen 
bess er; lesen wir also weiter." So der Fremde. 
Das selbständig denkende, intelligente fast ganz schwarze Volk hat eine politische 
Presse. In dem Punkte scheinen sie iijrem Widerspruchsgeiste nicht gefolgt zu sein, 
so wenig wie ihrer Gewohnheit, Einrichtungen oder Ver be sserungen ihres öf fent lichen 
Lebens sel ten oder nie von Außen her zu empfangen, denn die Idee der politischen 
Preffe, wie die Preffe überhaufa, ist ihnen jedenfalls von außen her zugegangen 
Sie haben sogar eine po litische Pres se von dreifachem Charakter: einmal das „ Volks­ 
blatt", für die Konservativen, welches freil ich sehr unchristlich (S. 38) redigirt wird 
dann die „Feldkirche r Zeit ung", für die Liberalen, die sich schon überlebt hat, und 
die theuere „Landeszeitung", die für Viele nicht liberal genug, oder nicht e onservativ 
genug ist uni nur wetzen der A nnoncen gehalten wird. So steht 's S. 25. Dem nach 
scheinen die Vora rlberger nicht so einseitig zu sein, wie mit der Herr sagt, auch 
nicht fast alle schwarz, wenn sich Leser und Abonnenten für so verschiedene Blä tter 
finden — so denkt der Fremd e —und ทนท ist gar noch ein viertes Blatt dazu 
gekommen, die „Dornbirner Zeitung", von w elcher der Autor so Vi eles zu melden 
weiß. Das^stimmt mir sowenig zusammen, als die Angabe, daß das Volk ein Ge­ 
birgsvolk ZS. 26) sei, während ich hier auf me iner Karte die Orts chaften Hörbranz, 
Lochau, Bregenz, Lauterach, Hard, Fußa ch , Gaißau, Höch st, Lustenau, Hohenems, 
Götzis, KoblachZ Mäder, Altach น. s. ท). in der Ebene finde, die doch einen nicht 
unansehnlichen Theil des Landes zu bilden sch einen. 
Einen Klerus haben die V orarlberger als fast ganz schwarzes Volk sicherlich, 
und dieser Kler us wird den Charakter des Volkes theilen, aus dem er hervorgeht, 
bei w elchem er wirkt und mit welchem er bei'm Verfasse r als ein großes Ganze er­ 
sche int Der Klerus wird also ebenfalls intelligent, selbständig denkend, se iner be­ 
rechtigten Eigenthümlichkeiten sich b ewußt sein, aber auch in Gefahr schweben, gegen 
äußere Einwirkungen und Ideen dem Widerspruchsgeiste zu verfallen und dem H aupt­ 
Nationalfehler der Einseitigkeit (S. 27) zu fröhnen. Ein G lück, daß er diese letzteren 
Eigenschaften nicht dem C hristenthume gegenüber bethätiget hat, sonst würde er in 
Folge der Gewohnheit, selten oder nie Einrichtungen oder Ver be sserungen des öffent­ 
lichen Lebens von Außen her zu empfangen, und sich keine fremden Ideen aufdrän­ 
gen zu lassen, am Ende gar noch den alten Alemannen- und Rhätier- und Römer­ 
Göttern opfer n, statt wie fast das ganze Volk schwarz d. h. katholisch zu sein. Dieser 
Klerus s cheint sehr brav zu sein, denn der Ver fasser der Brochüre nennt ihn übera ll 
mit g rösstem R espect und betitelt ihn ü berall hochwnrdig, heißt ihn wiederholt „opfer­ 
willig" und aus der l etzten Seite sogar „ ausgezeichnet", appellirt auch fortwährend 
an seine be ssere Einsicht und will ihm die Oberleitung der p oliti schen Preffe, sowie 
der gan zen Partei übergebe n wis sen. Dieser intelli gente, ausg e zei chnete, selbständi g 
denkende Kl erus thut nun freilich Manches, was mit seinen belobten und nicht be­ 
lobten Eigenschaften nicht stimme n will. So unterhält er Jahre lang mit größten 
Opfern ein höc hst unchris tlich, verwerflich und sündhaft geschriebenes, und e benso re- 
digirtes Blatt (เร่. 4, 37 น. 38), das schon früher genannte „Volksblatt", welches 
ferner ursprünglichen Bestimmung untreu geword en, zahlreichen Konservativen mißfäl lt 
(S. 25 und anderswo); nachdem er sich die Macht über das Blatt von einem ge­ 
wissen Johann Thnrnher hat entwin den lassen (S. 34). Von demsel ben Johann 
Thilrnher hat sich der K lerus schon im Jahre 1870 die Gründung eines zweiten
	        
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