Der Bevölkerungsstand von Dornb irn
und seine natürlichen Grundlagen.
Von Dr. Hermann Esteu (Innsbruck).
(Vgl. die orogra phische und die Flurkarie Do rnb irns.)
Wer in einer neueren Landeskunde von Vo rarlberg liest, daß nicht die
Landeshauptstadt Bregenz die volkreich ste Sied lung des Land es sei, sondern
Vornbirn, wird mit Recht nach den Gründen di eser Tatsa che fragen. Bei der
vorl iegen den Be antwortu ng mag dem Leser vi eles läng st bekannt erscheinen.
Die zus ammenfa sse nde Darste llun g aber und der Vergleich mit anderen Beispielen
mögen die Dinge interessanter ers cheinen lassen . Eine längere Arbeit
über das „anthropogeographische Bild Vorarl berg s" hat mich eigens auf die
zahlreichen Fr agen ähnl icher Ilatur in Vornbirn hingewiesen.
Die Aufgabe der Anthropogeograpbie ist — wenn ich diesen Satz aus der
„Heim at" (6. Fahrg. 1925, heft 9 und 10, Seite 172) wie derholen will — die
Abhängigkeit des Menschen von der ihn umgebenden Ratur darzustellen. Am
sichtlichsten ist diese Abhängigkeit in der Bevölkerungsziffer, die ein bestim mter
Fleck Erde zu erha lten vermag. Dornbirn zeigt uns diese Abhängigkeit in so
greifba rer Weise, daß es auch in oben genannter Arb eit eine eigen e Behand lung
erfahren hat.
Dornbirn trägt in gleicher Weise die Süge eines gr oßen Dorfes wie die
einer Stadt , einer modernen Fabrikstadt . Wir könne n nacheinander die Entwicklung
eines Bauerndorfes und einer Industriestadt erkennen.
Vornbirn umsch ließt in sei nen Gre nzen ein großes Stück Landwirtschaft.
Oie erste Frequen z des Si e dl ungsraumes (anfan gs wohl auf den Höhe n) sc haarte
sich um die ausgedehnten Gründe im Dornbirner Acht ale. Eine Kleine Siedlung
hatte sich auch an die erste Verkehrsstraße im Rheintale im Gberdorf angeschlossen.
Das Tal der Dornbirner Ache ist das größte Seitental des Vorarlberger
Rheintal es bis Feldkirch. Wer sich um sei nen Einga ng herum festsetzte,
hatte ein großes Gebiet von Weide und Wald gewonnen . Zudem ist dieses Tat
von ei nheitlich em Tharakter, von natürlichen Gre nzen ums chlosse n und Kehrt
sein Ge sicht dem Talau sgange zu. Hier breitet sich ein weite r Schuttfäch e r aus,
der mit seinem fruchtb aren Untergründe weite re Siedler anlockte und zur
Beherrschung des Achtales einlud. Hier verband also die Datur große Ge biete
zu einer natürlichen Einheit, deren Verschied enhei t der Uatur dem Bau ern notwen
dig ist (Wald, Wei de, Wiese und Ackerl a nd). Diese Einheit ließ sich allmählich
leicht zu einem Gan zen verein ig en, heute hat Dornbirn diese Aufgabe
erfüllt. Es übertrifft an Gemeindefläche alle Anrainer. Die anderen Randgemei
nden des Rheintales wei sen meist nur geringes Areal auf, weil ihnen
ein so ausgedehntes Tal wie das der Dornbirner Ache fehlte. Vornbirn erstreckt