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„Feldkircher Woc henblatt"
130. Jahrg ang.
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Verantwor tl icher Schriftleiter, Drucker, Eigen tümer unc Herausgeber: Karl Kal ler (Grätsche Buchdruckerei) in Feldkirch.
Wockensiakender: Samstag 21, Arbogast, Daniel, Sonntag 22 Mar. Maad . Mant ag 23. Av off in ar, Drenstaq' 24 Christina,
- Mittwoch 25. Jakob , Christof, DonnerStaa 26 Anna, Fre itag 27. Berthold, Aur el., Samsta g 28. Viktor n. ^nnozenz.
Mitteilungen.
Das Sängerfesi in Wien. Die drei großen
Sängerkonzerte am Freitag und Samsta g neben
den unzähligen Einzeweranstastungen der zahlreichen
Gesan gsve r eine, diese Manifestationen des
deutschen Liedes im Mittelpunkt und an der
Wiege un zähliger deutscher Liederfürsten, die drei
Begrüßungsabende am Mitt woch, Donnerstag
und am Samstag , die der Festausschuß in der
Sängerhalle gab, sie waren nur die glanzvolle
Einleit ung zur gr oßartigen Feier, dem Festzuge
der un überseh baren Scharen der Gänger aus der
ganzen Welt zur Niesensängerhalle. Diese grandiose
K undgebung des deutschen Einhe itsg e-Hankens,
mit der eine Huldigung für den Rege
nten des Jah res, Franz Schube rt, verbunden
war, wird jedem unvergeßlich bleiben , der an ihr
teilnehmen dur fte. Schon in frühester Morgenstund
e pilgerten aus den Bezirken die Menschen
zur fes tlich geschmückten Ningstraße und
bald säumten unübersehbare Scharen die viele
Kilometer lange Feststraße ein, die Vom Natha usPlatz
über die Ningstraß e zur Sänger h alle im
'1“"»“«' «UM ^iygvirgr t lyc: ne u verpasst, oenn'
der Zug der Hun derttau send wird sicherlich acht
Stunden dauern . And als die Kirchenglocken
läuteten und Fanfaren Sie Luft Surchschwirrten,
da wußte man auf der langen Strecke, nun beginnt
die Heerschau des deutschen Liedes. Der
Aufmarsch der großen Säng erarmee von rund
200. 000 Personen für den Festzug voll zog sich,
dem Pub likum fast unbemerkt, hinter dem Weite n
Platz zwischen Nath aus und Votivkirche. S ieben
Grupp en, von denen die stärkste allein 45.0 00
Sänger zählte, standen dort marschbereit.
Tausende von Ordnern und Führern des Wien er
Turn gaues Waren aufgeboten, um das gewal tige
Sänger heer in der vorgeschriebenen Zeit zu sammeln,
zu ordne n und in Mar sch zu bringen. Eingeleitet
Wurde die Heerschau der Gänger mit der
Huldigun g für den „M usiker Gotte s" Franz
Schube rt vor dem Von Tribünen umsäumten j
Bu rgtor. Wo sich die geladenen Festgäste eingefu
nden hatten. Feierli che Stille herrscht e, als der
Vorsitzende des öfterr. Ausschusses, Ehrenvorstand
Schulrat Jak sch, nachdem tausend ausgewählte
Sän ger des Wiener Sängergaues unter
Leitung des Ehrenchormeisters Professor Kehldorfer
Lhöre vorge tragen hatten, umgeben von
einem Wald von Fahnen, Bannern und Standarten
die Tribün e bestieg und die Gedenkrede
für den Schutzhe rrn des deutschen Lhorgesanges,
Franz Schub ert hielt. Seine Ans prache machte
auf alle Anwes enden einen tiefe n Eindruck. Nun
setzte sich der Festzug unter den Klänge n des
Deutschlandliedes und unter dem Geläute aller
Glocken und Ertön en der Festfanfaren Vom NatHausturm
her lang sam in Bewegung . Eine mächtige
Bewegung ging durch die in gespannter Erwartung
harrende Menge. Berittene Fa nsarenbläs
er, Nsi terscharen, Festwa gen und Fahnenschwinger
bildeten die Spi tze des Zu ges. Vor
dem Festzelt wurde zu Ehren des Bundespräsidenten
und der übrigen Ehrengäst e kurzes Halt
gemacht. Das Banner des Deutschen Gänger-7^.7^
" FirrtrTTTgtTT; VVN oen wuua unuui ii i u.uiy. Endl ich kamen sie, von tosendem Jubel
unter Führun g der Frau des Bunde spräs iden ten i begrüßt, und bestiegen die Niesen podiu m des un-Ennke
Harmsch gesp endet en Fchnenband, wurde geheuren Na umes. 35.000 Sän ger tru gen nun
üb err eicht. Und nun zogen die Ta nger in Gleich- unter Beg leitung von vierhundert Musik ern ihre
schritt kolonnenweise stundenlang an den unzäh- Lieder Vor, die von dem vier Meter hohen Turm
ligen Tribünen über Burgriug, Kärntnerrin g ,
Aspernbrücke , Praterstraße und Hauptallee zu der
Sängerhalle auf der mit Lüdenbäumen geschm
ückten Jesuitenwiese. Dort wurden die Neiter,
Festwagen, Bannerwagen , Fahne n und geschmückten
Grupp en, na chdem Sie Ver einsfahn en
Vorher mit der den Kopf Shuberts und die
Silhuette des St ephansiurm es zeigenden Gedenk -
münze geschmückt Worden Ware n, zur Notunde
dirigiert. Drei Sän ger begabenstch indeß in die ' Sie seit Tagen auf den Beinen waren und se
Sängerhalle. Auf dem ganzen Wege wurden den der Früh ununterbrochen auf den Strak°n mar
pto eimern am F-sMg- umÄ^ »ut- ' toterten, den »Mich Ä
‘ B'sunge» 6er s-bARg au«e«n6=n Zuschauer I «stounaen Sötten, te R«mmsch "«zog sich
bereitet. Immer wie der wurden einzelne Gruppen
besonders herzlich begrüß t und mit Blumen
beworfen. Besonders herzlich war die Begrüßung
der Bände aus den besetzten und abgetrennten
Gebieten, der fudetendeutschen Sänger, der alpe nländischen
Sängerbünde in ihren schönen Volkstrachten
, der starken Gruppe der Akademi k er, der
Schar der Frauen in Kostüm, der großen Gruppe
der Gewerbe- und GLnossenschastsverbände in
alten historischen Trachten. Die Deutschen aus
Amerika und Südafrika, die den Weiten Weg
nach Wien eil ten, um mitzuwirken an dieser
Kundgebu ng für das deutsche Lied, Wurden stürmisch
bejubelt. Einzelgrup pen erweckten beso ndere
Freude. Herzlich be grüßt wurde namentlich auch
Baumbachs Lindenwirtin Käthe Schuhmacher
aus Godersberg am Nhei n, die mit ju ngen rheinischen
Mädchen auf einem eigenen Festwagen
ersc hien. Nach achtstünd iger Dauer War der Festzug
um halb 7 Ahr abends bee ndet. Die ganzs
Veranstaltung verlief bei herrlichem Wetter und
trotz des unge heuren Zustromes von Hunderttausenden
ohne nennenswerte Zwi sche nfälle. —
In der Gänger eri varte»- n vierzrgt-un'm^--------—
UMtellneh mer in froher —
' liomi
aus dirigiert Wurden. Die mächtige Klangwirkung
des Hallenbaues fesselte gleic h nach den ersten
Rasten die Zuhörer, deren Begei ster ung grenze nlos
war. Immer und immer Wieder mußte für
ben Beif all gedankt wer den. Man konnte sich des
I mächtigen Eindruckes dieser seltenen Deranstal-'
tung nicht entziehen und wo llte noch stunden lang
: Zuhoren, wenn nicht die spä ten Abends tund en und
! Sie natürliche Ermüdu ng der Festzugsteilnehmer,
Der Gschwenötverhof.
Erzählung aus den Tiroler Bergen von
Marie Amelie Fre iin v. Godin.
Urheb errechti. geschützt dem Lit. Bur. M. Linke, Dresde n21
Der Gschwend t ner War ke ines von beiden,
und so fand der Herr den Weg in sein Hserz
offen. Als er nach beendigtem Gottesdienste aufstan
d, als er zum erstenmale, seit ihn der Neubauer
verhöhnt, die Hände von den Augen
nahm, da hatte das Gute Wie der die Oberhand
in ihm bekommen. Er sah es nicht, daß
ihn alle kaum grüßten, er bemerkte es nicht, Wie
Verstohlen und Verlegen der Bauer vom Gr aserHof,
der sein Vetter War, an ihn her ant rat, um
ihn Willkommen zu heißen, — aber daß sein
Weib ihre Hand auf seinen Arm legte , als die
Neubäuerin höhnisch an ihnen vorüberschri tt, bas
fühl te er, doch streifte er die Hand ab. „Ich spiel'
sei Kome di," sagte er.
Daheim ging er zur Mut ter hinauf. Sie saß
in ihrem Lehnstuhl und War über ihrem frommen
Buche mit ben riesengr oßen Buchstaben eingenickt.
Aus ihrem verwitterten Gesicht lag ein abgeklärt
er Fri ede. Der Bauer set zte sich ihr geg enüber,
dann sah er sie lange unverwandt an.
Jeden ihrer Züge schien er sich einprägen zu
Wollm. — Sp äter ging er ganz still hinaus ,
und auch auf sein Antlitz war der Frie de gekommen.
Dann spra ch der Bauer mit den Knechten,-bis
spät abe nds ließ er sich vom. Oberknecht erzählen
und im Hof herumfühm. Den Heuvorrat
sah er an und das Vieh im Stall. Das war
des Baue rn Son ntag, ein guter Son ntag, an dem
er den ersten großen Schritt auf seinem neuen,
schweren Wege gemacht hatte.
Im Hofe wußte bald al les, laß setzt der Herr
da War. Straff und fest hielt her Bauer die ;
Tage versuchte der Gschwend t ner nie wiede r, sich
mit seiner Frau auszu söhn en,- es schien, als habe
er sich in ihr kaltes, schroffes Wesen hineingefunden.
Jedenfalls sprach er nur das mit ihr
gerade nötig war. Aber er trug seine n Kopf
r c5' 9era^e "ls fei er der Beleidigt e und habe
sie sich vor ihm zu demütigen.
Nur mit dem Kinde War es anders.
. Vielleicht wußte er es nicht einmal, aber er
warb um die Liebe des Knab en, er, der stolze
, Mann, nnt jedem Wort, mit jedem Blick
Zügel in den Händen. Fast feiner sah ihn lächeln das Kind das Unglaublichste von ihm verlanat
— aber immer backte er mit an. immer he fnbf er I — er hätte es zu Vollbringen gesucht^ 81
Aber Hannes verlangte nichts,- er wich dem
Vater aus, wo er konnte, und wo er es nicht
sonnte, benahm er sich scheu und ged rückt. Kaum
daß er au fsah und notdürftig antwortete.
. Unter des sen war draußen immer noch alles
oerjchneit ; mit Mühe mußten tägli ch die Wege
gebahnt werden und dann kam der Wind und
erwehte sie Wieder. Eine Stun de späte r mußte
man tchon im neugefallenen Sch nee Waten. Er
War trocken wie Sand, blieb an den Schu hen
und Strümpfen hän gen und sc hmolz erst im Hause
Wieo-er.
aber immer packte er it an, immer befahl er
klar und bestimmt. Unb die Knecht e gehorchten
ihm, sie Wagten seinen Widerspruch, denn wozu
der Bauer im Zorn fähig War, das hatte er gezeigt.
Die Alten , die den Gschweubmer von se iner
Jug end her kannten, die sagt en manchmal: „Ihr
werbt schon noch sehen, daß er M is."
Die Bäuerin schwieg und ging b leich und
starr ihrer Ar beit nach. Der Hof g hörte ja ihrem
Mann, ' mochte er es den Leuten >>jg en! And er
zeigte sich auch als Herr, als f tger und bestimmtet.
erfältete
sich gar manch es. Eines der
Bauer und Bäuerin gaben H.kein böses [ entzündung^bekommen^ 0ie^ ^^ 61118 £un9en“
Wort, aber auch kein gutes. Olav dem ersten > (Fort setzung folgt.) 4.