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Full text : Die Römerstadt am schwäbischen Meere

14S. Ieuny.

(Fig. 11.) Mosaikfußboden.

Verbrennungsstätten (ustrinae), die aus Geröllsteinen aufgerichtet,
bald in Form von Qu adraten und Rechtecken angele gt, bald auch ganz unregelmäßig
 geformt find; allen gemeinsam ist die Eigenthüm l ic hkeit halbkre
 isförmig er Nischen in größerer oder geringerer Zahl, in welchen man
mit Vorliebe die Ueberreste der Verstorbenen beisetzte. Während diefe
Ustrinen zum Privatgebrauch woh lhabe nder Familien besti mmt war en,
darf angenommen werden, daß die ärmeren Classen, deren Leichenbegängnisse
 insgemein einfach und schmucklos vor sich gingen, den Sche iterhaufen
 unmit telbar über der Grube er richte ten, welche nach stattgefundener
Verbrennung die Urne aufzunehmen hatte. Die Anordnung der Gräber
zeigt keine Reihenfolge in geraden Linie n, höchstens ein g ewisses Parall ella
 ufeu mit den Ust rinen; an vielen Orten drä ngen sich die Gr abstelle n

gruppenweise zusammen, wie es
sich aus der Gewohnheit der
Römer herleitet zur B estattung
jeder Familie gesonderte Pl ätze
anzukaufen. Die Verbrennung
( crematio) blieb wie in den
ersten drei Jahrhunderten der
Kaiserzeit im ganzen Römerreich,
so auch hier, die allgemein herrs
 chende Sitt e. Sarcophage oder
Aschenkisten zur Bestattung zu
v erwenden, galt in Briga ntium
schon als Lu xus; nur eine Grube
im Erdboden, kre isrund oder oval mit Ge röllsteinen ausgefüttert, umschloß
den Inhalt dieser sehr primitiven G rabkammern. Von ausschließlich für den
Todtencult bestimmten und verwendeten Gefäßen ist hier so wenig wie
anderswo diesseits der Alpen die Rede; es sind dieselben Formen, die auch
im Ha use, in Küche und Keller Verwendung fanden. Meistens v erwahrte
eine bauchige Urne aus gebranntem Thon die Knochen des Bestatteten,
die Oeffnung verschlossen mit einem flachen Kieselstein oder einem wirk lichen
Dec kel, wohl auch mit einer Scha le aus ve rschied enem Material. In
vielen Gräbern waren die Kno chen sogar in die gr oßen fast meterhohen
Amphoren mit spitzen Füßen gefüllt; aber im Gegensatz zu diesen
originellen Ascheng esäßen d ienen auch wieder die kleinsten Terra-sigillata-Geschirre
 zu gleichem Z wecke, natürlich nur für die Ueberreste von Kindern.
            
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