heranzubringen. Also, dann ist ja alles in Ordnung,
'das Lesestück mag als Zusammenfassung der behandelten
Teile dienen, wozu haben wir Lehrer ? Das Luch ist
nicht für Selbstunterricht geschrieben. Nun, mit dem
glei chen Gru nde kö nnte man schließlich jedes Lehrbuc h in
der Zchule als überflüssig erklären. Oer Einwand ist
nicht ernst zu nehmen, es handelt sich Hier um ganz
andere Dinge. Zu sam menfassu ng des Ge lernten ist am
rechten Platze zwar gut, ja notwendig, aber nicht der
erste, oberste Zweck eines Lesestückes. Zeder Einzelteil
will gelernt sein. Die erste Haupttätigkeit der Seele
beim Lernen ist das Aufnehm en, das Erfassen des
Stoffes. Dies hat mit allen möglichen Sinnen M er
folgen. Der bewußt arbeitende Lehrer trägt Sorg e, daß
bei der Aufnahme nicht nur das Ohr tätig fei, fondern
gleich z eitig die Hand durch Taften oder Schreiben und
nicht zuletzt auch das Auge. Za bei der Mehrza hl der
Mensch en führt der vornehmste weg zur Seele durchs
Auge, will sona ch ein Luch Le rnstoff bieten, Hat es da
für Sorge zu tragen, daß dies er dem Lernenden als Lese
stoff vorgeführt wer de, nicht in gedrängter Zusamm en
fas sung öder leitfadenartiger D ürre, sondern mit allen
jenen Einzelheiten, wie sie die ers te, mü ndliche Dor-
führung bot, in dem Umfange, wie man es für diese
Stufe als angezeigt erachtet. Dasselb e wird der Lehre r
noch aus einem ander en Gr unde verlangen, der Sc huler
muß die Möglichkeit hab en, das Ge lernte zuha use wiede r
holen zu können, und zw-ar wiederum mit all den Einzel
heiten, wie es die Schu le geboten hat, so verlangt es die
Psychologie.
Zn diesen zwei Umstände n — Aufnahme des Stoffes
iurch das Auge und Wiederholungsmöglichkeit zuhause
— li egen auch die Gründe verankert, warum wir fill
riese Stoffe eine leichtfahliche Da rst ellung in Ausdruck
ind Gliederung verlangen müssen, hierin lassen die
zeschichtlichen Stück e wohl viel zu wünschen übrig. Bc-
onders der Leh rer kann da nur verwun dert den Kopf
chütteln, wie hier so wenig auf die Fassungskraft der
li nder Rücksicht genommen ist.
Auch dem gebildeten Nichtfachmann, der ungeschulte
Dirö manchen Absatz Überhaupt ver gebens les en, muß
ร auffallen, wenn er etwa den 2. Absatz Seite 238 lieft.