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Full text: Ueber den zweiten Teil des Vorarlberger Lesebuches : eine kritische Betrachtung an der Hand von Ferdinand Büngers Entwicklungsgeschichte des Volksschul-Lesebuches

heranzubringen. Also, dann ist ja alles in Ordnung, 
'das Lesestück mag als Zusammenfassung der behandelten 
Teile dienen, wozu haben wir Lehrer ? Das Luch ist 
nicht für Selbstunterricht geschrieben. Nun, mit dem 
glei chen Gru nde kö nnte man schließlich jedes Lehrbuc h in 
der Zchule als überflüssig erklären. Oer Einwand ist 
nicht ernst zu nehmen, es handelt sich Hier um ganz 
andere Dinge. Zu sam menfassu ng des Ge lernten ist am 
rechten Platze zwar gut, ja notwendig, aber nicht der 
erste, oberste Zweck eines Lesestückes. Zeder Einzelteil 
will gelernt sein. Die erste Haupttätigkeit der Seele 
beim Lernen ist das Aufnehm en, das Erfassen des 
Stoffes. Dies hat mit allen möglichen Sinnen M er­ 
folgen. Der bewußt arbeitende Lehrer trägt Sorg e, daß 
bei der Aufnahme nicht nur das Ohr tätig fei, fondern 
gleich z eitig die Hand durch Taften oder Schreiben und 
nicht zuletzt auch das Auge. Za bei der Mehrza hl der 
Mensch en führt der vornehmste weg zur Seele durchs 
Auge, will sona ch ein Luch Le rnstoff bieten, Hat es da 
für Sorge zu tragen, daß dies er dem Lernenden als Lese­ 
stoff vorgeführt wer de, nicht in gedrängter Zusamm en­ 
fas sung öder leitfadenartiger D ürre, sondern mit allen 
jenen Einzelheiten, wie sie die ers te, mü ndliche Dor- 
führung bot, in dem Umfange, wie man es für diese 
Stufe als angezeigt erachtet. Dasselb e wird der Lehre r 
noch aus einem ander en Gr unde verlangen, der Sc huler 
muß die Möglichkeit hab en, das Ge lernte zuha use wiede r­ 
holen zu können, und zw-ar wiederum mit all den Einzel­ 
heiten, wie es die Schu le geboten hat, so verlangt es die 
Psychologie. 
Zn diesen zwei Umstände n — Aufnahme des Stoffes 
iurch das Auge und Wiederholungsmöglichkeit zuhause 
— li egen auch die Gründe verankert, warum wir fill 
riese Stoffe eine leichtfahliche Da rst ellung in Ausdruck 
ind Gliederung verlangen müssen, hierin lassen die 
zeschichtlichen Stück e wohl viel zu wünschen übrig. Bc- 
onders der Leh rer kann da nur verwun dert den Kopf 
chütteln, wie hier so wenig auf die Fassungskraft der 
li nder Rücksicht genommen ist. 
Auch dem gebildeten Nichtfachmann, der ungeschulte 
Dirö manchen Absatz Überhaupt ver gebens les en, muß 
ร auffallen, wenn er etwa den 2. Absatz Seite 238 lieft.
	        
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