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Der Tatbestand ist folgender: Pf alzgraf Hugo b. Tübingen war vermählt
mit Elisabe th, der Erbtochter des 1160 verstorbenen Rudolf, des letzten
der alten Grafen v. Bregenz, und wurde der Erbe der ausgedeh nt en
Eigengüter der Breg enzer Grafen in- und außerhalb des heutigen Vorarlberg.
Elisabeths Mutt er War Wulfhilde aus dem mächtigen Hause der
Welsen, die Schwester Herzogs Wels VI. v. Ravensburg-Altdorf. Trotz
der nahen Verwandtschaft stand der Psalzgras in keinem freundsch af tlich
en Verhältnis mit den We lsen, da er, wie es heißt, bezüglich der
Mitgift fein er Gemahlin durch die Pa rtei der Mutter verkürzt word en
sei und den Welsen ihrerseits die neue Nachbarschaft im Süden nicht
behagen mocht e und sie sich gerad ezu .um die Hoffnung auf das Bregenzer
Erbe betrogen sa hen. Ein geringfügiger Anlaß brächte den Streit zum
Aus bruch. Es geschah nämli ch, daß der Pfalzgras drei Straßenränder
fing, von denen zwei seine eig enen Leut e, der dritte aber welsisch war.
Die ersten ließ er laufen, diesen knüpfte er auf. Geforderte Genugtuung
verweig ert e er, und zwar, wie es scheint, aufgemuntert von Herzog Frie drich
IV. v. Schwaben, dem Sohn des früheren deutschen Königs Konrad
III., Welche r beständig mit den Welse n im Streit gelegen war. Der
alte Wels VI., ein gutmütiger Herr, ließ den Handel ruhen, nicht so fern
Sohn Wels VII. Als sein Vater in Italien weilte, rü ckte er mit Bundesgenossen
vor die Burg Tübingen und belagerte sie. Aber Psalzgras Hugo,
vom Schwa^enherzog unterstützt, brächte durch einen unerwarteten Ausfall
am 5. September 1164 dem jung en Wels eine solche Niederlage bei,
daß er nur mit Not auf feine Burg Ac halm entkam. Im weiteren Verlauf
der Fehde wurden die Besitzungen des Tübingers durch den aus
Italien herbeigeeilten alten Wels verheert. Der Schwabenherzog kam dem
Pfal zgr afen abermals zuh ilfe, die smal unglück l icherw eise sogar mit den
berüchtigten Böhmen. Die Welsen wurd en verjagt und unweit ihrer
Residenz Ravensburg gründlich aufs Haupt ge schlag en. Nun suhr der
regierende Kais er Fried rich Barbaross a dazwischen; er entbot die Parteien
im März 1166 nach Ulm. Da er die Macht der Welsen, von denen
der Neffe Welfs VI., Heinrich der Löwe, die Herzogtümer Bayern und
Sachsen besaß, zur Durchführung seine r italienis chen Pläne brauchte, gebot
er dem Pfazgrafen bei Androhung der Reichsacht, sich sein en besiegten
Feinden zu unterwerfen. Und da tat Hugo wirklich einen Fuß fall vor
dem jungen Wels. Trotzdem ver schm ähte die ser unfair e G egner es nicht,
ihn gefangen zu nehmen und aus das Schloß Neuburg in Currätien
fü hren zu lass en. Hier blieb Hugo anderthalb Jahre bis zum plötzlich
erfol gten Tode des jungen Wels im Herbst 1167 in Haft °)
Es frügt sich nun, was für ein Schloß Neuburg in Currätien
in die ser Angabe gemeint ist. Denn es gab damals zwei Burgen
die ses Namens und beide im Rheintal gele gen, nämlich die in Vorarlberg
bei Götzis und die bei Untervaz nördlich von Chur. Neuer e Autor
en, wie Stüli n und Schmid mit Zösmair, entscheiden sich im Gegensatz
zu den älteren , wie For tunat Sprecher und Bu celin, denen sich Bergmann
anschließt, für erstere. Die Ansic ht, die für die Vorarlberg i sc he Neuburg
eintritt, dürfte wohl die allein richti ge sein. Denn einmal spricht
Hiesür die weit be deu tsamere Rolle, die un sere Burg spielte, und ihre viel
c) Dr. L. Schmi d: Gesch. d. Pfalzgrafen v. Tüb., 1853, S. 77—94.