H 4
feierlichen Stille hier oben, die kein Laut stört, nur hie und
da das Roll en des Bahnzuges und das gedämpfte Surren der
Gisin ger Fabrik, das der Windhauch ze itweilig vorn Tale
heraufträgt. Gegen Nordosten steht noch der Rumpf eines
tur mähnlichen Bauwerkes, das der Umfassung smau e r eingefaßt
ist und Verteidigungszwecken gedie nt haben mag.
Übrigens war der Umfang der einstmaligen Burg sicher
nicht groß; auch besaß sie keinen Graben. Geburt wurde
sie nach dem Chronisten B ucelin um das Jahr 1022. Nach
den Forsc hunge n des Schulrstes Prof. Dr. Jos. Zös mair,
von dem wir in Bälde eine große e Arbeit über Tosters zu
erwarten haben, fällt jedoch die Erbauu ng erst in das Jahr
12.50 unter Hugo II. von Montfort. Jedenfalls treffen wir
sie im 13. Jahrhundert im Be sitz der Grafen von Montfort,
und zwar war es Rudo lf II., der als der erste sich „Herr
von Feldkirch und Toster s“ nannte. In diese Zeit fällt auch
die erste, wenn auch nur indirekte Beziehung der Burg zum
Hause Habsb urg. Im Jahre 1270 zog näml ich Rudo lf von
Hab sburg, der nac hmalige deutsche König, nebst dem Grafe n
Hugo von Werdenberg und dem streitbaren Berthold, Abt
von St. Gallen, mit He eresm acht über den Rhein und belagerte
Feld kirch. In dieser Not brachte Rudolf seine juge ndliche
Gemahlin, die Gräf in Agnes von Württemberg-Grüningen,
nach dem feste n Schloßturm vom Tosters in Sicherheit. Unter
Ru dolf IV., dem letzten dieses Dynas tenges chle chtes ,„ging
sie mit den anderen Bes itztümern im Jahre 1377 an Österreich
über.
Dann kamen trübe Zeite n über die Burg. Im Jahre 1405
wurde sie von den Bauern und von den Bür gern Feldkirchs,
welches das Haupt des „Bundes ob dem See“ die seits des
Rhein es war, von Grund aus zerstört. Nur der gigantisc he
Turm widerstand dem Brande und der Wut der Sieger, wie
er dem Sturme der weiteren Jahrhunderte bis heute widersta
nd, ein steine rn Symbo l des markige n Geschlechtes, das
einst hier hauste . Die weit eren Schicksale der Burg sind
bed eutu ngslos, man müßte denn der Etab lierun g einer frinkhalle
neben dem Turme auf dem ebe nen freien Platze,
welch e der Feste rer Wirt „zum grüne n Baum“ im Jahre 1887
unternahm. Wichtigkeit beilegen. Die Wirtschaft fr istete
nur ein kurz es D isein. Bedeutungsvoll für die Burg wurde
sie nur dadurch, daß der Unternehmer beh ufs Anlegu ng
eines Kellers mit Pulv er das oben genannte Tor in den Turm
sprengte. Zu" Straf e für dies es barb arische Vorgehen kam
er bald darauf auf die „Rutsch“. Fr üher hatte der Koloß
unten keinen Eingan g, sonde rn nur in der Höhe, wohin man,
wie es bei vielen Burg en der Fall, mittels Aufzug es, Leiter
oder ausziehbar er Treppe gelange n konnte. Noch einmal
warf ich einen langen, wehmütigen Blick auf den alten
Kumpan, dann stieg ich, aber nunmehr den richtigen Weg,
abwärts, der mich bald zur zweit en Me rk würdigkeit dieser
Gegend, zum St. Corueliuskirchlein. vom Volke „Sant a Nilg a“
genannt, geleitete .
Es liegt, wie oben bemerkt, äußerst lieblich am Ausgange
eines gr ünen Wiesentalcheus, das sich zwischen dem
Bergrücken, auf dem die Ruine Tosters steht, und dem
Kamme des Schellenberges hinzieht. Man nannte es hier
vor Zeiten „uf der Rü ti“. Das Gottes haus ist den Heiligen
Cornelius und Cyprianus geweiht und viel älter als die
Burg. Jedenfalls existierte es schon im Jahre 1178, wo es
von Papst Alexander III. ausdrücklich ang eführt wird. Da
es nur zum Gebrauche der wenigen umliegen den Höfe und
späte r der Schloßbewohner diente, war es ursprünglich klein
und fristete ohne Priester bei geringe n Einkünf ten ein recht
kümmerliches Das ein. Die ser Übelstand machte sich beson
ders fühlbar, als die Bevölkerung des Tosterer Gebietes
allmählich zunahm und das Bedürf nis nach geistlicher Hilfe
immer dr ingender wurde. Da sprangen endlich die edlen
Montforter hel fend bei, indem sie gegen Ende des 14. Jahrhun
derts einen sogenannten Beneficiatus dominorum stifte ten,
der zwar in Feld kirch wohnen durfte, aber die Verpflichtung
übernehmen mußte, Tosters in pfarrherrlicher Beziehung zu
versorgen. So trat denn um das Jahr 1370 herum ein gewisser
„Hainrieh von Aemptz“ (Ems) als der erste „Ki lchherr
zu Sant Cornelyen by Tosters“ sein Amt an. Aus der
langen Reihe der „Kirchherren“ machte sich nur der Pfarre r
Müller bekannt, der im Jahre 1618 zur „Abwendung der
schrecklichen Landplagen und Drangsale“ — es ist das Er-