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Rings um die Kirche breitet sich der kleine Friedhof
aus. Da er erst seit Erbauu ng der neuen Pfarr ki rche aufge
lassen wurd e, sind neben alten verwitterten Grabs teine n
und Kreuzen noch viele neue zu sehen. In einer Ni sche der
südlichen Kirchenwand befindet sich das unvergitterte Beinhaus
mit sei nen gebleichten Totensc häde ln und Knochen.
Das Interess an teste , ja geradezu eine naturhistorische
Merkwürdigkeit ist die uralte heilige Eibe, die sich in der
nordwestlichen Ecke des Friedhofes befind et. Der mächtige
Baum, der 5 w im Umfange mißt, hat hinsic htlic h se ines
Alt ers, wie ich hörte, nur zwei Rivale n dieser Art, den einen
in Heimswil im Ka nton Bern mit 1500 Jahren und den and ern
im Medikamentengarten in Wien, dess en Alter sogar auf
2000 Jahre geschätzt wird. Gleich der Rückseite des Ki rchleins
ist auch er von Efeu ganz übersponnen. Oben trägt
der Stamm ein kleines Madonnenbild, das einer frommen
Legen de nach folgen den Ursprung hat. Die Gottesmutter
Maria soll nämlich auf ihrer Wanderung zur neu gebauten
Klosterkirche Maria Einsie deln unter dieser Eibe geraste t
haben. Zum Anden ken wurde ihr B ildnis angeb racht. Da
die Einweihung der berühmten Wallfahrtskirche im Jahre 918
von Eng eln besorgt wu rde, gäbe dies einen Anhaltspunkt
für die Bestimmung des Alters dies es Baumes.
Sein In neres haben Alter und vor allem die „Klammera“
(Ame isen) ganz ausgefressen. Trotzdem treibt der meeralte
Schutzbaum des Kirchl eins noch alljäh r lich fri sch und kräftig
seine lieblich duftenden, mattgrünen Nadeln. Um diese kostbare
Reliq uie vor diesen geschäftig e n Holzdieben zu reinigen,
kroch auf Anregung des Verschönerungsvereins ein Mann
in den ho hlen Stamm und vertilgte sie. Als dies nich ts
fruchtete, goß man den ho hlen Leib mit Beton aus. Zugleich
wurde der Baum unten herum ganz in Bret ter eingeschlagen,
letzteres deshalb , um ihn vor den Messern der
Wal lfahrer zu schützen, wel che von der Rinde Stücke herausschnitten,
teils als Andenken, teils als „Mittel gegen
Zahnschmerz“. Von seinem Standpunkt aus hat man eine
herrliche Ausscha u ins Unterland und gegen Feldkirc h.
Um den vollen Rundblick zu geni eßen, beschloß ich
trotz der vorgerückten Zeit, wel che zur Eile mahn te, noch
zur „Egg“ hinaufzus teigen. Als ich an dem alten Meß nerhause
vorbeiging, das gerade gegenübe r dem Kirchl ein liZg t,
wurde mir ganz eigen zu Mute. Erinnerungsbilder aus
fr oher Kindheit tauchten auf, da ich in der Bittwo che „mit
den Kreuzen“ heraufzog. Hier standen die Bänke und Verkaufsbu
den, wo man um einen „Kappen“ einen „Eierzopf“
bekam und marschhungrig vers chlang, während unwe it davon
im Wirtshaus e , jetzt „zur Eibe“ gena nnt, die älteren
Leute ihre durstigen Kehlen labte n
An dieser Herberge vorbe i führt ein steiler, aber zum
Glü cke schattiger Weg in zehn Minuten „zum Erholungsheim
Auf der Egg“ So heißt nun die neuer richtete Wirtsc
haft und Pen sion auf dieser einladen den Höhe. Ich muß
gestehen, daß mir diese s „Erholungsheim “ nach jeder Richtung
einen sehr guten Eindruck machte. Der Besitzer ist
ein Wie ner und tut all es, um die Reiz e, wel che die Natur
hier gespendet, durch Anlage bequemer Wege und aussichtsrei
cher Ruhebänke möglichst zugänglich zu machen . An erquickender
Höhenluft, wel che durch den ner venst är kenden
Duft der herumliegenden Tannenwäld e r gewürzt wird, sowie
an frischem Wasser ist kein M angel.
Was aber einzig in seine r Art genan nt we rden muß, ist
die herrliche Run dschau, die man von die sem Belvedere genießt.
Von der Balf rieser grup pe mit dem Faulfirst und
Kammeck die Kette der Sc hweizer Berge entlang bis zum
Bodensee schweift der Blick über die östli che Alpenkette,
während ostwärts die Bergflanke des Bregenzerwaldes das
Bild begrenz t. Vor uns aber liegt das breite Rhei ntal mit
seinen zahlreichen zer streuten Or ts chaften; zählt man ja von
dieser Warte aus 36 Kirchtürme in der Runde. Am sch önsten
aber ist die Sicht gegen Südosten über das fr iedlich unten
liegende St. Corneli kirch lei n und über den Tosterer Turm
hina us auf das freundl ich e Feld kirch mit der ma l erischen
Schat tenb urg und we iter in den oberen Walgau bis zu den
Montavoner Bergen.
Ich sah auf die Uhr. Herr des Hi mmels, bald halb zwei
Uhr! Doch der Gastwirt zeigte mir einen äußerst bequemen
und schö nen Abkürzungsweg, der mich über den Weiler
„Fresch“ in zehn Minuten im Wal ds chatten zur St. Wolfgang
kapelle f ührte, von wo ich vor ein par Stunden meinen
Aufsti eg zur Burgruine genommen hatte.