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Full text : Die Herolde des Friedens. Rede bei der feierlichen Weihe der Glocken der Klosterkirche zu Mehrerau gehalten am 14. November 1872

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dem Landarbeiter auf dem Felde , der Hausfrau bei ihren Hausgeschäften,
die Kun de: jetzt ist der heilige Augenblick, wo der Friedensfürst, das ewige
Wort, auf den Altar hinabste igt, wie einst in den reinsten Scho oß Mariens;
 jetzt der gnad enr eiche Momen t, wo das Got teslamm sich für dich
aufopfert mit all dem Blute, das es zu d einer Erlösung ver gossen hat.
Kniee wenigstens im Geiste nieder , bete an, bereu e, v ertraue, liebe! Flehe
mit dem Priester: Jona nobis pacem — verleihe uns den Frieden, Du
Lamm Gottes, das du h illwegnimmst die Sünden der Welt.

Wer, meine Christen! ist diesem Rufe der Wandlungsglocke gefolgt ,
wer von uns hat in der Kirche oder im Kämmerlein bei der Arbeit oder
auf dem Krankenbette, mit lebendigem Glauben auf das Gotteslamm hingeschaut,
 ohne den Ver lornen Frieden wieder erlangt zu haben, ohne den
erschütterten Frieden wieder befestigt, ohlle den gefundenen Frieden vermehrt
 zu haben, ohne zn erfahren: Christus ist unser Friede!

Und wenn jenes unausweichliche Stündl ein kommt, wo uns die Sinne »
vergehen, wo unser Auge und Ohr sich auf immer für diese Welt verschließt:
 die Glo cke hört nicht auf, unser Friede nshero ld zu sein. Sie
ruft uns den Friedenswunsch noch in's Grab und verkü ndet u nsern Brüdern
 und Schwestern mit wehmüthigen Kl ängen: eine Seele ist von dieser
Welt geschieden; betet für sie, damit sie im Fr ieden ruhe! Und wem haben
 es die leidenden Seelen im Reinigungsorte haup ts ächlich zu verdanken,
daß sie so reichlich mit dem himmlischen Thau des Gebetes erquickt werden?
 Der Glocke, welche den Mahnruf zur Fürbitte für die Ab ge storbenen
 unablä ßig erscha llen läßt. Mögen auch leider Tausende auf diesen
Ruf nicht acht en: es fehlt niemals und nirgends an frommgesinnten Christen,
 welche durch die Glocken gemahnt, für den Frieden der Hin gesc hiedenen
 beten.

Fried e den Lebenden, Fr iede ben Verstorbenen, Frie de allen, die
eines guten Wil lens sind: das ist der Heroldsruf der Glocken.

Die fromme Acht s amkeit auf diesen Ruf: ist sie nicht nach dem Zeugnisse
 der Geschichte schon oft auch mit zeitlichem Segen belohnt worden?
Statt v ieler Beispiele nur eines. — Als der Begründer des habsburgischen
Kaiserhauses, Graf Rudolf, eiues Tages auf den waldreichen Höhen des
Heitersberges der Jagd pflegte, hörte er von fern ein Glöc klein erklingen.
Er geht dem Schalle nach und trifft einen Priester, welcher eben im Begriffe
 war, den hoch angeschwollenen Bach zu durchschreiten, um einem
armen Kranken ben Leib des Herrn als let zte Wegzehrnng zu brin gen.
Graf Rudolf, nachdem er ben gegenwärtigen Gott demüthig st angebetet,
bi etet dem Priester sein Pferd an und führt da sselbe am Zaume, bis man
zur Hütte des Kranken kam. Als der Pries ter nach verrichtetem heiligen
Dienste dem edlen Grafen das Pferd dankbar zurückstellen will, erwidert
Rudolf: „das sei ferne von mir, daß ich zum Streite und Jagen f ürber f ürber
            
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