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Sehr interessant sind nun zwei in dies em Bauwe rk gemachte Fundgegenstände,
die sehr geeignet sind, es zu einem öffentlichen und dem
geschäftlichen Verkehre dienen den zu stempeln.1)
Das erste ist ein etwa anderthalb Meter hoher, roh zugehaue ner Sandst
einb lock, der eine mus chelförmig e Aushöhlung zeigt, die von conve rgente n
Li nien durchzogen ist. Genauere Untersuchung hat geze igt, dass dieser Block
als Sonnenuhr diente.2)
Das zweite ist ebenfalls ein Sandsteinkörper, etwa 60 cm hoch, nur an
der Vorderseite mit eini gen Leisten verziert, der oben zwei verschieden
gr oße, konische Vertie funge n zeigt. Dr. Jenny erklärt ihn nach Analogie
ähnlicher Funde in Pompeji als ein ö ffentlich a ufgest elltes Normalmaß.3)
4. Der Tempel.
Er hatte 26 m in der Fro nt, die der heutige n Römerstraße, also dem
See zugewendet war, und umfasste außer der Vorhalle, dem Tempelh ofe
und der Cella auch noch Räume, die höchst wahrscheinlich als Priesterwohnungen
dienten.
Charakteristisch ist die auf einer der Altarplatten erhaltene Widmungsinschrift:
DJS. DEABVSQ. = diis dea busque .4)
Sie kennzeichnet die k osmopoli tis che, pandämonische Art, in der man
insbesonders in den Provinzen die römische Götterlehrc aufzufassen liebte.
5. Die Thermen.
Fönes der am schnellsten wirke nden M ittel, durch die es den Römern
gelang, fremden Gebieten wenig stens äußerlich den Stempel röm ischer Art aufzudrücken,
war die unentwegte Zähigkeit, mit der sie selbst an ihren L ebensgewohnh
eiten festhielten, selbst in Gegenden, deren physische Beschaffenheit
diesen nicht sonderli ch entgegenkam, ein antikes Seitenstiick zu den modernen
En gländer n. — Zu den wichtigsten Lebensbedürfnissen gehörte den Rö mern
das Bad; und so fi nden wir denn auch selbst in den kleinsten Provinzstädten,
also auch in Brigantium eine öffentliche Badeanstalt, öff e ntliche Thermen.
Sie gehöre n zu den culturhistorisch interessantesten Bauanlagen; denn
wie der w o hlhabende Römer schon längst nicht mehr die öffentlichen
Thermen des Bades wegen allein besuchte, sondern sich daran ge wöhnt hatte ,
einen guten Theil des Tages dort zuzubringen, so hatten sich die einfachen
Bade anstalten in umfangreiche Vergnügungsanlagen umgewa ndelt, in denen
man alle erde nkl iche Arten von Zerstreuungen, aber auch behagliche Ruhe
oder zwanglosen Verkehr mit Freu nden und Bekann ten find en ko nnte. Auch
die T hermen Brigant ium s zeigen dies en Charakter, wenn auch in bes cheidenem
Maßstabe. Auch sie besaßen neben der in eine Mä nner- und Frauenabtheilung
getheilten eigentlichen Badeanlage beque me Wandelgänge, Hallen
und vor allem einen nach Nordweste n offenen Porticus, der eine herrliche
1) Beide befinden sich im Vorarlberger Landesmuseum.
2) Genaue Winkelmessung, ausgeführt durch Mitglieder des damaligen Lehrkörpers der
einstigen Bregenzer Lehrerbildungsanstalt, ergab, dass die vorliegende Sonnenuhr thatsächlich der
Breite von Bregenz entspricht (4 7° 30').
3) Auch hier erwies die Berechnung des Rauminhaltes der bei den Verti efu ngen eine
zie mlich gena ue Übereinstimmung der kleineren von beiden mit dem semodius , einem römisch en
Trockenhohlmaß = 4'34 Liter.
4) Allen Göt tern und Göttinnen. — Später war er einer, jetzt nicht mehr nachweisbaren
Gotthe it gewidmet .