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Full text : Beiträge zur Rechts- und Culturgeschichte des vorarlbergischen Gerichtes Tannberg

von der Ni chtbefolgung der Ve rord nungen an das Kreis- und Oberamt79) zu
ma chen, oder die Angelegenheit behangen zu lassen.

Diese fehlerhafte Gerichtsverfassung war eine der Ha u ptursachen der
Unruhen, welche am Ende der Regierungszeit Josefs II. in Vorarlberg
ausbrachen. Bei der abgeordneten Hofc Ommiss ion beklagten sich besonders
die Gerichte der Herschaft Bregen z und ersuchten dri ngend, in die alte Verfassung
 geset zt zu wer den. Nach diesen Forder u ngen so llten Tannberg und
Mittelberg die ganze Rechtsprechung unter Vorbeh alt der Berufung an das
Oberam t erhalten, die übrigen neun Gerichte jedoch zum Oberamt gezo gen
werd en ; die Gerichtsschreiber, von denen damai s nur noch drei geprüf t waren,
sollten abgeschafft und die erbauten Gerichtshâuser wieder verâus sert werden
dürfen. Als Hauptgrund für ein solch es Verl angen wurden die grossen Koste n
der Unter haltung des Gerichtspersonals, zumal des Gerichtsschreibers, und der
Gerichtshâuser vorgeschützt. Dabei darf man nicht vergessen, dass abgesehen
von den hier berührten Summen, die Taxordnu ng , das Stempelpatent80), die
Schule, die Soldatenaushebung, die im Jahre 1787 vorgenommenen Truppenverlegungen
 und die 1788 und 1789 ausgeschriebenen Kricgssteuern hohe
Ansprüche an die Unterthan e n stellten, wâhr end die Gerichts taxen nur wenig
eintrug en und die Abfahr t sgelder infolge der Freizügigkeit grësstentheils wegfielen,
 die Einkaufs taxen aber beschrânk t waren. Ueberdies war der Wirku ngskreis
 der Gerichte sehr besc h rânkt, indem sich das Oberamt sâmmtliche Urthei
 le in Concurs- und allen Streitsachen, die mehr als 25 11. betrafen,
vo rbeha lten hatte. In solchen FâUen übte das Oberam t seine Befug nis durch
Uebertragung der ganzen Verhandlung an das Ger icht aus, schôpfte jedoc h
se lbst das Urthei l. Wollte also eine Pa rtei sich eines Rechtsfreundes bedi
 enen, so musst e sie einen solc hen an zwei Orten aufstellen, oder die betrâchtlichen
 Re ise kosten bestreiten, wâhre nd die Uebertragun g en die Entscheidung
verzëgerten . Die Gerichtsschreiber, die einzigen, welche die Gesetze kennen
sollten, hât ten keine ent schei dende St imme, entbehrten daher des nôthigen
Einflusses und Ansehens, und die Processe unterlagen ôlters der Nichtigkeit.
Die Vorsteh er behielten meistens die unordcntlich und unverstândlich geführ
 ten Schaff-, Wais en- und Cop eibü cher bei, liessen die Erbtheilungen l iegen,
oder nah men sie auss ergerich tlich vor und rechnete n den Gerichten und Gemeindën
 allerlei un gebürli che Koste n, Taglëh ne und Zehrungen auf. Das
Oberamt, das in politischen Gegenstânden zu erkennen hatte, konnt e die Uebertretung
 der betreffenden Veror dnungen nur selte n, niem als aber sofort ahnd en,

79) Mit Hofdecret vom 16. Mârz 1786 wurde das Oberamt als Kreisamt für das Land Vorarlberg
 bestimmt. J.-G.- S. 1785/86 Nr. 533 S. 38.

80) Das Stempelpatent erschien am 5. Juni 1784 (J.-G.-S. Nr. 301). Die vorar lbergi s chen
Stan de liatten 1766 zur Ablôsung des Siegelgefâlls 9000 fl. gezahl t. Am 6. Mai 1784 (Hofresolutibnen
 1784 fo. 330) bef ahl der Kaiser , wegen der beschlossenen Einf ührüng des Stemp elgefâlls
 den Standen den Betr ag in der Wâhr ung, in der sie ihn entrichtet, zurückzuzahlen.
            
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