98Die Geschichte des Rheins zwischen dem Bodensee und R agaz:
die um so mächt iger sich emporheben, je mehr das Rinnsal an Brei te zunimmt. Diese
Kiesbänke sind in gleichmäßigem W echsel bald rechts , bald links den Ufern vorgelagert
und schieben sich bei sehr groß en Strombreiten manchmal mehr gegen die Mitte des
Flußbettes vor, so daß eine Zweiteilung des Stromes eintritt. Sie zeigen sich im obern
Laufe zwischen der fürstl ich liecht enste inische n G renze und der St. Margarethner Eisenbahnbrücke
ungefähr alle 700 m, während sie in der untersten, nunmehr auf gelassen en
Rheinstrecke über 900 m auseinander r ü ckten.
Die Kiesbänke sind zusammen verbund en durch schief sich hinziehende Bar ren oder
Schwellen, auch Furten g enannt, an denen das Wasser sehr seicht ist und mit großer
Geschwindigkeit abstürzt. Längs der Ufer aber verlangsamt sich der Lauf zunehme nd
bis zur nächsten Furt. Auf diese Weise entstehen in der Gefällslinie ab und hin
Stufen, die nur bei höhern Wasserständ en , wenn der Fluß die ganze Rinnsalbreite
bea nspruc ht, sich ausgleichen. Diese Stufenbildung prägt sich mehr aus, wenn schwe re
Geschiebsmassen zuthal geführt werden; der Abfall wird dann steiler, und es ist klar,
daß dabei die Schif fahrt zur U nmöglichke it wird.
Schiffahrt bis R heineck. In jüngster Zeit waren die Abstürze derart, daß der
Rhein nur in seiner untersten Strecke bis he rauf nach Rheineck-Gaißan mit Sch iffen
befahren werden konnte, und auch da nur, wenn sich der Rückstau des anschwellenden
Sees geltend machte. Von einem regelmäßigen Verkehr k onnte sohin keine Rede sein.
Gar lange ist es übrige ns nicht her, daß ein reger Sch i ffsverkehr thatsächlich noch
bestanden hat. Zu Beginn des 19. Jahrhundert s war das Rheinbett vom See bis
Rheine ck hera us noch frei von Kies und demgemäß der Flußschlauch regelmäßiger ausgebildet.
Die Duilesch e Rheinkarte vom Jahre 1825 weist zwischen R heineck und dem
See bei niederm Wa s serstande Tiefen von 8 bis 17' (2^ bis 5^2 m) auf, wod urch
das Befahren dieser Streck e selb st mit den größten Seesc hiff en möglich war. Und in
der That b ehielt der Schiffsverkehr Rheinecks zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch eine
solche Bedeutung, daß sich dieses Städtchen in den Zwanziger und Dreißiger Jahr en
mit größtem Nachdrucke der von St. Margarethen gewünschten Ausleitung des Rheins
am „Eselsschwanz" (Niederriet-Durchstich) widersetzte, weil sie dadurch auch den S chifffahr
tsweg zu verlieren glaubte.
Wie der Wasserweg vor hund ert Jahren bis Rheine ck, ebenso war er vor mehrern
Hunderte n bis Höchst beschaffen, infolge de ssen damals die Seeschiffe anstandslos bis zur
„Hochsted i", nämlich bis Höchst, gelangen konnten. Wie lange diese Verhältnisse andauerten,
vermögen wir nicht zu sagen.
Schiffahrt bis H ohenems. In der Strecke bei Lustenau vo rüber bis Hohen ems
war der Charakter des Rheinstromes in frühern Zeiten, wen igstens in den letzten fünf
Jahrhunderten, so geändert, daß sich nur mit kleinen Fahrzeugen die Möglichkeit bot,
einen regelmäßigen Verkehr zu Wasser zu unterha lten. In der sogenannten „Ems er
Ch ronik" (1616)* ist über die Schiffahrt in dieser Strecke gesagt: „Am Gestade des
Rheinflusses, ’/* Stunde von Ems, liegt die Sch isiländ e der Schiffe, so mit Korn und
andern Waren aus dem Boden see mit Rossen den Rhein heraufgeführt werden; denn
bis dahin ist der Rhein sch iffba r." Es ist das der Ländeplatz von Bauern, von dem
in verschiedenen, interessante Ausschlüsse über die Rheinschiff a hr t gebenden Urkunden des
Stadtarchives in Feld kirch Erwähnun g geschieht.
1 Genauen Titel siehe S. 10.