I. Die Bil dung des Rheinlaufes . 5
Deltabild ung en. Zwei s olche vorgeschobene Sch w e mmlandbildungen liegen heute noch vor
un sern Augen; es sind das: der „Rohrspitz" als älteres Delta und der „Rheinspitz"
als jüngeres Delta, das eigentlich wie derum aus zwei en besteht und sich deshalb auf
einen viel br eitern Fuß stü tzt als der „Rohrspitz."
Der vorerst nur aus Schlammmassen geb ildete Thalgrund hob sich mit sanftem
Abfälle aus dem Rhe intha lsee empor; denn die mit ausschließlich feinen Sinkstof fen
erfüllten Wellen bedürfen zu ihrer Bewegung nur eines geringen G efälles; es wächst,
wenn dem Gewässer auch noch die Aufgabe der Geschiebeförderung erwachsen ist.
Geschiebeanlandungen. Aus jenem basalen sanft abfal lenden Thalgrunde
sind viel später die Geschiebe allmählig nachgerückt; erstli ch nur fe inere Stoffe
und in geringerer M enge, spät er immer schwerere und größere Massen, deren Fortsc
haffung zune hmend größere Gefälle be anspr uchte und auf diese Weise zur steten Hebung
der Thal sohle Veranlassung gab.'
Wie s olche Auflandnngsprozesse vor sich ge hen, kann man, s oweit nicht Menschenwerke
dem wild en Spie le der Natur Schranken gesetzt haben, auch heutzutage bei vielen
Wildbächen, deren Geschiebe keinen ungehinderten Abzug finden, an ihren Schuttkegeln
beobachten. Bei kleinen Wasserständen serpentiniert der Bach; dann folgen Anschwellungen,
bei denen sich das Gewässer wi eder in gerad er Richtun g, als der Linie des größten
G efälles, seine n Weg b ahnt, llnd wenn sich da auf dem vorgelagerten flac hen Thalgrunde
Kiesmassen angestaut haben und der Stau sich zurückpflanzt, so gibt das neue rlich
zu seitlichen Ausbrüchen den Anlaß. Aus diese Weise bildete sich also auch beim Rhein
eine breite Basis für den Gesch iebe- Rücken, auf dem er hin und hin sein Bett fand.
Es hat lange gedauert, ehe der Geschiebestrom den Schlammdeltas nachgerückt ist,
sind es doch erst 70 Jahre her, daß sich an der Rheinmündung die Sandbänke
zum erste n Male mit Mengen feinen K ieses durchsetzt zeigten. Und auch
dieses ist nur den Korrektionswerken zu danken, da der Rhe in, sich sel bst überlasse n , erst
bei einer viel größern Neigu ng der Thalsohle zu dieser Leistung befähigt gewesen wäre.
Der Zeitpunkt, von dem an die ersten Geschiebe bis in die Gegen d von
Höchste gelangt sind, darf wohl nur um meh rere Jahrhunderte zurückverlegt werde n,
und es ist sogar wahrscheinlich, daß auch der „Hof Luftenau" in der mehr als tausendjährigen
Zeit seines Bestandes die Phase der Verschotterung des Rheinbettes vielleicht
von Beginn an durchgemacht hat.
Die Grenze der Geschiebeablagerungen reicht annähernd bis zu den heutigen
Tors feldern oder, was dasselbe ist, bis zu den Ufern der ehemaligen See n,^ die in der
beiliegenden Karte eingezeichnet sind.
1 Aehnlich war auch der Vorgang bei der Dornbirner Aach, nur daß sich hier dreierlei Auflan dung en
über einander schieben. Der u nterste Flußl auf vom Landgrab en abwärts be wegt sich auf den sanft abfa
llenden Anschwemmungen des Rheins, die heute freilich auch mit Thonablagerungen der Dorbirner
Aach überdeckt sind. Dann begegnet man dem schon etwas steil er geb öschten Schuttkegel der schweren
Thonmasfen, die diese r Fluß aus dem Flischgebirge absührt und sich südlich bis zu den Hohenemser
Seemähdern, westlich bis zum ehema ligen Lustenauer See ausbreit en. Auf ihnen en dlich la gern die
eigentlichen Geschie be, die in der Gegen d von Dornbirn größtenteils zur Ruhe komme n müssen, da der Fluß
durch keinerlei Vorkehrungen befähigt werden kann, Schotter von gröb erm Korn bis zum See zu befördern.
2 Vrgl. Anmerkung auf S. 3.
3 Vrgl. Abschnitt VII, A.
4 Vrgl. S. 10.