10 Die Geschichte des Rheins zwischen dem Bodensee und Ragaz:
berei t Fortsetzung die unterseeische Thalbilduug bezeichnen genau den Lauf des Stromes,
bett er genommen, ehe er aus ähn lichen Ursach en wie sie früher besprochen worden sind,
etwa 2^2 km unter Rhein eck ausgebro c hen und in der Folge ein neues SchwemInland:
den heutigen „Rheinspitz" gebildet hat.
Nebrigeus find et sich südl ich der Altenrheiner Stromrinne noch ein zweites kurzes Rinnsal,
das von einem vorgeschichtlichen (?) Rheinausbruche herrühren dür fte.
In welche n Zeitläuft en sich diese Vorgänge abgespielt haben, kann wohl niemand
angeben. Eö ist behaupt et worden, daß sich seit einem Jahrtausend das
heutige Rheindelta wenig vorgeschobe n oder geändert habe, und daß in dem
angeblich tause ndjähri g en Bestände der Orts chaft Altenrhein der Beweis hie für zu erblicken
sei. Indessen be ruht die Annahme einer so langen Exi stenz von Altenr hein
auf einer Vermutung, für die keinerlei Be weise vorhanden sind.
Nach einer gütigen Mitteilung des bekannten Geschichtsforschers Herrn Dr. Wart mann in
St. Gallen kommt der Name Altenrhein in älteren Urkunden gar nicht vor imb füllt der „locus
ubi Rhenus infinit lacum Podam icum “ (Ur kunde von 890) und „Ri nisgemünde“ (Urkunde
von 1156) sehr wahrscheinlich mit der Landgerichtsstütte „Vifchershaufen" (Urkunde von 1291)
zusammen. Auch die Oertlichkeit „von dem Rine" ( Urkunde von 1400) könne nicht weit davon
geleg en haben. Nach Nüfs Chronik der Stadt und Landschaft St. Gall en (S. 615) wäre aber
Rhe ineck ursprünglich Bischerhusen genannt worden, „welche Benennung später noch der alten Malstatt
oder dem Platze, wo das Landgericht der Herrschaft Rinegg an offener Reichsstraße gegen Altenrhein
gehalten wurde, geblieben ist und auch in einer zum letztern Ort gehörig en Häusergruppe
sich bis in die neuere Zeit fort erhalten hat."
Aber selbst wenn der tausendjährige Bestand Alteurheius sich erweisen ließe, bildet
dies doch noch keine Begründung für die Annahme, daß se ither alles im Alten geblieben
sei; befindet sich ja doch Altenrhein 1 km von dem „Rheinspitz" entfernt. Und zu dessen
Bildu ng hat es bei den großen Seetiefen ungeheurer Materialmengen bedurft.
Auch aus der sogenannten Einser-Chronik (1616H kann man auf nicht unbedeutende
Veränderungen, die sich s either in jener Gegend vollzogen, schließen, wenn man liest,
daß Gaißau zwischen dem Rhein und Bodensee g elegen sei, wonach also die dortige
bis zum Dorf heraufreichende Niederung noch völl ig vom See bed eckt war.
Alte Rinnsalbegrenzung bei Lus tenau und Widnau. Ebenso wie unterhalb
Höchst finden sich auch bei Lustenau und Widnau deutliche Spuren, aus denen eine
ehemalige Begrenzung des Stro mlan fes zu erkennen ist. Diese alten Ufer ränd er, die,
wie aus Römers K arten hervorgeht, im obern Teile noch im vorigen Jahrhundert das
Rheinbett umsäumten, ü bergreifen mit Ausnahme des Bodens, w orauf der größ ere Teil
von Wiesenrhein steht, 3 die K iesabla gerung en, die hier landeinwärts nicht bis zum
Torf grunde reiche n.
1 Hy stor. Relation oder eyg entliche Beschreibung der Landschaft unterhalb St. Lueis Stayg und
dem Schallberg bey de rseits Rh eins biß an den Bodensee u. s. w. von Joh. Georg Schlehen von
Rottweyl (1616) .
2 Siehe Absch nitt IV.
b Dahin verlegt man, wie schon auf S. 8 angedeutet worden ist, die ers ten Ansiedlung en von
Lustenau, also auch das Jagdhaus Kaise r Karls des Dicken, und wird in d ieser Annahme dadurc h be stärkt,
daß ein altes, vor 25 J ahren abgebranntes Haus dort stand, das die Jahreszahl 1226 trug. Wir
pflichten „diese r Ans chauung ebenfalls bei und zwar aus dem Grunde, weil auf jenem bis an die Str ombiegung
hinaufreichenden Torfboden die gesicherts te Stelle in jener Gegend zu su chen war. Solcher