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Full text : Die Geschichte des Rheins zwischen dem Bodensee und Ragaz

I. Die Bildung des Rheinlaufes . 11

Nheinthalfeen. Wir kom men nun auf eine eigentümliche Ersch ei nung verga ngen er
Ze iten, nämlich auf die verschiedene« kleinen Seen oder viell eicht richtiger

gesagt Sümpfe zu s prechen, die der Auslandungsprozeß erst spät erreicht, und von
denen schon die ältesten Geschichtschreiber beric hten.

In ihrer heuti gen Schichtung machen sich die Oertlichkeiten jener v erschw undenen

Seen durch tiefgründigen, vielfach von Le ttenm assen durchzogenen Moor boden und darunter

liegenden Schlammschichten erkennbar.

Die Bildung der Seen läßt sich leich t dadurch erklären, daß beim Borrücken des
breiten Geschieberückens, vielleicht schon der basalen Schlammdeltas, bei Thaler weiteru ngen

Buch ten verbl i eben.

Von diesen Seen sei zuvö rderst auf jenen von Lie chtens tein zwischen Schaan und T asters
bei Feldkirc h hingewiesen? Spuren hievon müs sen sich noch in jüng erer Zeit gefunden hab en,
worauf ein Flurname bei Tosters „am See" hinweist.

Gegenüber, am li nken Rheinufer, soll sich im Buchser Ried ein See befunden hab en, von
dem Reste noch im 16. Jahrhundert vorh anden waren ?

An die Nordseite des Schellenberges schmiegte sich ebenfalls ein klein er See, eingeschlossen
 vom Schuttkegel der Jll und dem Verlandungsrücke n des Rheins.

Das G ebiet zwischen Jll und Frutz war vo rmals ausschließlich Tummelplatz diese r beiden
Gewässer und ist jedenfalls ganz mit Gefchieben erfüllt, insbesondere mit jenen der Jll, die frühe r
ihren Weg über Altenstadt nahm.

Kleine re Seen, nunmehr alles Torfgründe, fand en sich eingebettet zwischen Frutz und Kumerberg
 ,^ dann zwi schen Götzis, Altach und H ohenems und nördlich zwischen Hohenems
und dem Dornbirner Landgraben, wo schon der Schlammkegel der Dornbirner Aach beginnt.
Der Flurname „Seemäh der" deutet heute noch aus jenen Seenbe s tand hin. Da unter dem Bahnh ofe
Hohenems t iefgründig er Moor- und Schlam mbod en sich findet, so muß zwischen beiden Seen früher
ein Zusammenhang bestanden haben, der erst später durch Einschieben des Schuttkegels des Emserbaches
 gestört w orden ist.

Ein ziemlich großer See, der in die Gegend von ßuft enau einige Abwechslun g brächte, erstreckte
sich von der Se elacke bis gegen Brugg, wo die Anla ndun gen des Rheins und der Dornbirner Aach die
Verbindung mit dem Bodensee abschnitten. Ein Rest hievon: „der sehr tiefe Vorsee, der zur Herbstzeit
 viel und gutes F ederwild herbeizieht," bestand noch, wie G ustav Schwa b be richtet, vor 60 Jahren?

Am linke n Ufer ist hau ptsächli ch das große Jfenriet z wischen Montlingen und Wid nau
zu er wähnen, wo noch im Anfang des 16. Jahrhunderts ein fischreicher klei ner See sich befand ?
Hier re icht der Moorboden nahe bis zum heutigen Seespiegel hina b; er ist also mit der Hebu ng
der Rheinfohle allmählig in die Höhe g ewachsen. Es scheint auf den ers ten Blick etwas rät selhaf t,
wodurch dieses Becken vor dem Eindringen des R heins gesicher t war. Aber offenbar bildeten die
Verlandungen des D ürren baches und die dichten Wäld er anf ihnen den schützenden Wall, weil
ger ade dort der Kiesuntergrund, der sich tha lanswärts 1 — 3 m unter der Oberfläche vorfindet,
den Letten und Torfschichten den Platz räu mt.

Boden setzt den Wasserangriffen den kräftigsten Widerstand entgegen; hoch gelegen war er gleichfalls,
während der heutige tiefe Torfboden weiter nordwärts bis in späte Zeit vom W asser bedeck t war.
An d essen Rande mußten sich erst mächtige Ver landu ngen bil den, ehe an eine Besiedelung zu denken war.

^Der 2—2,5 m hohe Bahndamm zwische n Nendeln und Scha an ist seit seine m 29jährigen Bestände
 in jenem Torfboden schon 3 m tief versunken und mußte fortwährend aufgeholt werden.

2 Hungerbühlers Den ksch rift S. 8.
^Jn R ömers Karte (s iehe Absch nitt IV) fin det sich der Name Romarg en.
^Gustav Schwa b, Der Bodensee, II. Teil, S. 330. Schwab nennt den See „ Forstsee. "
° Sangall (Geschichte des Bodensees) zitiert Stumpfs C hronik und bemerkt hiezu, daß noch bei
der Aufteilung oes Jsenriedes Spuren des Sees vorhanden waren. — Diese Aufteilung des 2089 Juchar t
(751 ha) messenden Jsenriedes wurde von den Gemeinden A ltstätt en, Ober riet, Marbach-Rebstein, Balgach,
Bernegg, Widnau-Haslach im Jahre 1771 vorgenommen.
            
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