V. Die Vorgeschichte des Staatsvertr ages über die Regulie ru ng des
Rheins. 67
Bei den darauffolgenden Verhandlungen (1865) mit der Schweiz sah
man von so einschneidenden Aenderungen ab und einigte sich — unter vo ller
Zustimmung des Planversassers — auf die bloße Absc hneidu ng der „ Hohenem ser
Buc ht" ungefähr nach der heute festgesetzten Linienführung, während Kink am
Meusburgerschen Entwürfe der Hauptsache nach festhielt und ihn in Verbindung mit
der Ausführung des Niederrietdurchstiches brachte. Kink trat ebenso warm für die sen
Vorschlag ein, als er die Ausführung des Fußach er Durchstiches bekämpfte.
Bei einer im Jahre 1867 in Konstanz abgehaltenen großen internationalen
Konferenz pla tzten die Grundsätze nochmals voll auseinander, wobei von
den Abg eordne ten der österreichischen Regierung übri gens nur Kink gegen die Au sführung
des Fußacher-Durchstiches auftrat.
Eine Förderung er fuhr nun das schweizerische Verlangen durch die Ueberschwemmungen
der Jahre 1868 und 1871, bei denen die jenseitige Th albevölker ung schreckl ich heimgesucht
wurde; und da auf feite der österreichischen Regierung schon längst die Absicht, den
Fußacher-Durchstich auszuf ühren, sich gefestigt hatte, kam im Jahre 1871 ein Prä liminar-Vertrag
zu stande, der die Erbauung beider Werke grundsätzlich sicherstellen
sollte. In der Folge (1874) w urden dann nach Verwerf ung der frühern Projekte vom
Jahre 1862 neue Entw ürfe für die beid en Durchstiche ausgearbeitet, die von den
endgültigen Projekten sich haupts ächli ch nur darin unterschieden, daß in die sen die Binnendümme
von den f rüher a ngen ommenen 200 m auf 260 m Entfernung a use inandergerüc kt
wor den sind.
Nun tauchen neuerlich e Schwierigkeiten auf, die diesm al ausschließlich
vom vorarlbergischen Landtage und den Seegemeinden ausgiengen. Diese
w idersetzten sich mit aller Entschiedenheit den Absichten der b eiden Regierungen, lie ßen zur
Begutachtung der Frage einen ausländischen Fachmann (Kulturtechniker Prof. Dr. Dünkelberg)
kommen (1878), der sich gegen die beiden Durchstiche aussprach und das Schwergewich
t auf eine durchgreifende Entwässerung der Thalebene , ve rbunden mit einer Bewässerung
le gte. Man forderte von der österreichischen Regierung einläßliche Untersuchungen
darüb er, ob die befürchtete ra sche Versandung der Hard-Fußacher Seebucht begründet sei
oder n icht, und verlangte endlich, daß, wenn schon thatsächlich der Fußacher Durchstich zur
Ausführung g elange, dies nicht ohne den bei Diepoldsau geschehe. Man glaubte hierzul
ande eben allgeme in, daß der letztere ein zig nur Oesterreich zum Vor teil gereiche, und
daß die Sc hweiz gar keine ernstlichen Absichten zu dessen Verwirklichung hege, in welc her
Meinung mau freilich u. a. durch eine unter dem Pseudonym „Hans Allengut" ers chi enene
schweizerische Broschüre, der man offiziösen Cha rakter bei maß, sehr bestärkt worden ist.
Di esem Mißtrauen entsprang die österreichischerseits gestellte Bedingung der gleichzeitigen
Ausfüh rung beider W erke, die übrigens von allen Technikern als bedenklich
era chtet worden ist, sofern man damit auch die gleichzeitige Eröffnung ins Auge faßte. Gerade
diese Bedingung war es, die zur Verschle ppun g der Angelegenheit auch das Ihrige beitrug .
Die öst err e ichische Regierung ließ hierauf die Angelegenheit der vorarlbergischen
Binnengewässer-Korrektion durch eine internationale Kommission
prüfen (1882). Bezüglich der Aufsandung der Bucht konnte sie aber die Be fürcht ungen
des Landes nicht tei len nnd hielt wei tere Untersuchung en für unnötig.
Die Ueberschwemmungen der Jahre 1888 und 1890, die das öst e rreichis che Rheinthal
schwer betroffen, halfen endlich den letz ten Wider stand beseiti g en, und so gelangte gelangte