92 Die Gesch ichte des Rheins zwis chen dem Bodensee und Ragaz:
Au-Sennwald. Das dritte Binnenwassergebiet erstreckt sich von An bis oberhalb
Sennwald, das n unmehr von einem einzigen, noch nicht ganz vollendeten Hauptgraben
durchzogen wird. Früher gab es hier drei gesonderte E ntsump fung sgebie te:
a) Im untersten sammelten sich die Thal- und Bergwa sser zwischen Eichberg (bei Altstätten),
Berneck und Au und strömte n dem Rheine durch die Aach — in Au Güll enbach
genan nt — zu. Deren Mün dung befand sich ursprünglich u nmittelb ar bei der Ortschaft An, die
demzufolge vom Rück stau des Rhe ins sehr zu leiden hatte. An die Verlegung des Ausl aufes
weiter strom abwä rts konn te man erst denken, nachdem die Ve rläng erung der Wuh rwerke und des
Dammes vollzogen war, woran Hartmann schon im Jahre 1847 ge mahnt hatt e. So rasch gieng
es mit diese m Usersch utzba u aber nicht. Er ward begonnen im Jahre 1855, aber erst 1871
bis zum „Bru ggerh orn" vor g estreckt, so daß endlich im Jahre 1873 die Einleitung der Aach
ins neue Bett erfolgen konnte . Weiter oberhalb hatte die Aach schon anläßlich des Bahnbanes
in der zweiten Hälfte der Fünfziger Jahre eine streckenweise Regul ierung erfahren, indem man sie
unt erhalb Widn au der Bahn entlang gezogen.
Die Korrektion der zwei Seit engräben: des Litenbaches aus Berneck und des Aechelibache
s^ aus Herbrugg fiel in die Jahre 1879 und 1881. Im Jahre 1867 erfuhr auch die
Lage von Diepo ldsau und Schmitter, die früher durch den K appengie ßen2 ihre Entwäs serung
hätte finden sollen, durch die Anlage der in die Aach abströmenden Böschach eine wesent l iche
Besserung.
b) Durch den Dür renbach wird das un tere Teilgebiet von jenem bei Montlingen-Oberriet,
das den Zapfenbach spe ist, getrennt. Auch hier bestrebte man sich, die Verhältnisse
für Montlingen und Oberriet günstiger zu gestalten, indem nach vorangegangener Errichtung des
Wuhres die ehemals ungefähr 1 km unter Montlingen bestande ne Mündung des Zapfenbaches bis
unter die Rheinbrücke von Mäder-Krießern verleg t und in den Jahr en 1878 und 1879 einige
k leinere Grabenreguliernngen in Oberriet und Montlingen in Vollzug gebracht wurden.
c) Obe rhalb Schloß Blatten endlich breitet sich das vom Rheine durch eine n iedre Hügelreihe
getrennte Beck en von Rüti-Lienz aus, dess en Hauptentwässerungsader: der Lienzerbach, früher
obe rhalb des Blattenberges, nach Errichtung der Wuhre jedoch unterhalb der B rücke MeiningenOberriet
dem Rheine zuströmte.
Trotz der Verle gung der Kanalmündungen weiter stromabwärts mach te sich mit
zun ehmend er Hebung des Hochwasserspiegels der Rüc kstau iu das tief gel egene Hinterland
der drei Geb iete immer nachteiliger geltend. Zudem mußte der Dürrenbac h bei RheinHochständen
durch eine Falle abgesperrt werden, wobei aber dann das vom Berg her
kommende Wasser ebenfalls Ueberschwemmungen weiter Flä chen v erursac hte. So sah
man in Au, Widnau, Berneck, Krießer n und Montlingen im Jahre 1890 im ga nzen
1100 Hektare unter Was ser gesetzt, trotzdem daß damals die Schweiz von einem Rheineinbruch
verscho nt bli eb.
Die sen Uebelständen wurde nun durch ein großes Werk, durch den vom Bruggerhorn
bis nahe Salez sich erstreckenden „ rheinthalisc h en Binnenkanal" abgeholfen.
Dasselbe hat auch seine Vorgeschichte.
Schon früh ist das Verlangen nach einer durchgrei fenden Regelung der Binnengewässer
auf g etaucht. Wafserbauinspektor Hartmann b etrach tete (1847)3 aber deren Ausführung
als verfrüht, solange nicht vorh er die Rhe inkorrekt ionsfr age ihrer Lösung zugesührt
sei, und er hatte damals, als noch die ganze Wuhrl ast auf den schwachen Schultern der
armen Rheingemeinden ruhte und es noch keinen ordentli chen Uferschutz gab, wohl nicht
ganz unrecht. Wenn er aber glaubte, daß der beabsichtigte Zweck der völligen Entsumpfung
^Jn Herbrugg Ländernaach genannt. In Römers Karte ers cheint der Name Eich elebac h.
^Mündung ungefähr bei der Schmitterer Brücke.
3 St. gall. Rheinaktenfammlung 1. 23b. S. 98.