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Full text: Die Burgen und Edelsitze Vorarlbergs und Liechtensteins. Band 2

Gwiggen. 589 
Für seine Verdienste erhi elt Schoch von Erzhe rzog Ferdinand 1653 das Zeughaus in 
Lindau, aber statt desselben, da es nachträglich ferner bisherigen Bestimmung erhalten 
bleiben fällte, die Zwangmühle an der Leiblach, auch Herrenmühle genannt, mit dem.Fischer- 
recht im Mühlbachs gleichzeitig brachte der Oberst-Hauptmann auch die Zwangmühle in Lau­ 
terach samt dem Fisc hwass er an sich. 
In einer Zwangmühle mußten die Untertanen eines bestimmten Bezirkes ausnahms­ 
los ber Bestraf ung für den Uebertretungsfall ihre selbs tg epflanzten Kornfruchte mahlen las­ 
sen, was sona ch dem Inhaber der Mühle beträ c htliche Einnahmen si cherte. 
1655, am 24. August, wurde dem Obe rst Sc hoch von Erzhe rzog Ferdinand Karl in 
Tirol auf seine Bitten die ni edere Gericht sba rkeit über Gwigge n („Schloß Guigckhle"), also 
über alle zum Schloß gehörigen Leute, erteilt;8) diese Gerecht sam e wuÄe ihm und seinen Erben 
einen Monat später , 29. September, auf den ga nzen Bezirk der Pfarr e Hohenweiler aus­ 
gedehnt. Diese sogenannte ni edere Ger ichtsbarkeit 0) umfaß te die bürgerliche und strafrechtliche 
Richter ge walt mit Ausnahme der todeswürdigen Verbrechen, wie Raub, Mord, Brandlegung, 
Münzfälschung, Ketzerei etc., ferner war dannt verbu nden der Besitz von Zwing und Vann, 
d. i. der Gewalt zu befehlen und zu verbieten und das gerichtliche Urteil zu vollstrecken. Ebe nso 
gehörten dazu meist auch die sogenannten Ehehaften (Tafernen, Badstube, Schm iede, Mühle, 
Ziegelhütte und Hirtenstab). Diese Gerecht same aber ver lieh der Inhaber an andere Per­ 
sonen um Zins, und die damit Bel ehnten waren dahin gefreit, daß alle Untertanen des 
Grundherrn, s oweit sie in ihrem Bezirke wohnhaft, nur ber ihnen ihren Be darf befriedig en 
durften. 
Im Jahre 1657 wurde der verdiente Kriegsmann zum Vogt der beiden Herr­ 
sch a ft en Bregenz und Hohenegg ernannt. Die Ka mpfe Frankreichs gegen Spanien, 
die erst 1659 ihr Ende fanden, riefen derr alten Soldaten noch ei nmal zur Tätigkeit; 1657 
erhiel t er den Auftrag, eine Kompagnie Fußsoldaten, 100 bis 150 Mann sta rk, mit einem 
Handge ld von 6 fl. auf den Kopf, anzuwerben. Er brachte 121 Mann zusammen, musterte 
und ord nete sie im folgenden Jahr nach Mailand ab. Die Kosten wurden ihm durch An­ 
weis ung von Habergulten in Grünenbach und Gestraz ersetzt — 
Kaspa r Sc hoch war aber nicht nur ein wackerer Haudegen, sondern auch ein braver, 
biederer Charakter, hochachtbar als Mensch und Christ. Einen schönen "ug erzählte sein Leiche n­ 
redne r aus der Zeit, da er noch dem rauhe n Kriegshandwerk nac hging. Da fand er einst in 
einem Hause zwei kl eine Ki nder, die im Krieg von ihren Eltern verlassen worden, halb 
erfroren vor Käl te. Voll Mitl eid machte er ihnen selbst ein Feuer an, setz te sie dazu und be­ 
hüte te sie, bis der ganze Heer eszug vor über war, und sche nkte ihnen noch den letz ten Reichs­ 
ta ler, den er im Beu tel hatte, damit sie sich am nächsten Orte Brot ka ufen könnten. Daß er 
auch seinem katholischen Glauben treu anhing und sich desselben nicht schämte, zeigt die fol­ 
gende Begebenheit: Noch in seinen jun gen Jahr en (1632) geriet er bei Nürnbe/a mit vielen 
ander en In schwedische Gefangenschaft. Die Ge fangenen nahmen alle beim Schwedenkönig 
Di enst und, als sie ihres Glaubens wegen befragt wurden, gaben die andern an, sie 
wären Protestanten. Nur der wackere Reiter Schoch ging beiseits und sagte es dem König 
Gustav unverhohlen ins Gesicht, daß er nicht lu therisch, sondern katholisch sei. Die ses auf­ 
richtig e Geständnis soll ihm eine dreim onat liche, durch Hung er und harte Behandlung ver­ 
schä rfte Gefangenschaft eing etra gen haben. 
Schoch war zweimal verheiratet, zuerst mit einer Margaretha Gilbert aus Stockholm 
(f 1650), die er „zwar gar artli ch, aber doch glück lich" vom Pr otestantism us zum katholisc h en 
Gl auben bekehrte. Die zweite Gemahlin hieß Anna, geb. von Gerardi (Gherardin), Freifrau 
von La pier (t 1662), deren Grabstein in der Ki rche zu Hoh enweiler zu sehen ist. Kaspa r 
sel bst starb am 16. August 1672, wahrscheinlich infolge sein er im Krieg erhaltenen Wund en, 
nachdem ihm Jahre lang zuvor sein arg gequetschter Fuß ungemein große Schmerzen ver­ 
ur sacht hatte. Seinen Sarg hatte er sich schon län gst ver fertig en und in seinem Schlafzimmer 
au fstellen lassen sowie er auch zu Lebzeiten schon seine n Grabstein in der Breg enzer Pfarr­ 
kirche anbrmgen ließ, damit er so all ezeit an sein bevorstehendes Ende erin nert wurde. 
Der gedruckten Leichenpredigt p. Samuels ist auch die folgende Gr abinschr ift beige­ 
druckt, die" in Form und Inhalt an den wirklich auf seinem Ep itaph angebrachten Spr uch 
erinnert. Diese r Grabstein ist noch in der Bregenzer Pfarrkirche rechterseits bei der Kanzel­ 
stiege zu sehen. Seine Ruhestätte befin det sich in der Gruft unmittelbar vor dem benachbar­ 
ten Beichtstuhl. 
?• Pgt. im Gw. A. 
°) Vgl. Baumann, Allgäu, II., S. 111.
	        
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