880 Gravenreuth
An diesem Unglück stage regnete uwb schneite es, und der dic hte. Nebel verhüllte alle
Aussicht, um das Anvücken der Feinde auf dem Mittelgebirge KU erspähen und UN die be
drohten Stellen sogleich V erstärkung en KU entsenden. Wr angel, der im Schloß Hofen in
Lo chau sein Standquartier aufgeschlagen, te ilte seine Mannschaft und sandte einen Teil auf
der Ebene gegendie Mause, gegen die er einen Scheinangriff ausführen ließ; die.Hauptmacht
aber mit 8000 Mann erst ieg fast unbemerkt den Haggen und die Höhen des Fürbergs, wo
sie allerdings tapferen Widerstand seitens der hier po stierten Schützen und Baue rn fanden;
deren Komma ndant^ Hauptmann Balthasar Hel t m a n ท, Anführer der Feldkirch er
Schützenkompagnie., starb hier den Heldentod. Nur durch Verräterei gel ang es den Feinden,
in den Rüc ken der Verteidiger zu kommen und damit die ganze Stellung aus dem Fürbe.r g
zu erobern und von hier aus nach der Stadt hinunter vorKudringen. Sei es nun unter Fühp
rung eines Loc hauers, namens Viggt, oder aber gefangener schw äbi scher Ba uern oder aber
einig er Metzgergesellen aus Kempten — Sage vom Klushund7) —ะ die Schweden umgingen
eine von den Verteidigern für sicher gchaltene Höhe beim sogenannten „Profeten" und
-machten weiteren Wider st- and der letzteren ve rgeblic h. Die Bauern zogen sich !, mutig kämpf end,
von den Höhen gegen dae iStadt zurück. Am längsten hielten die Dornbirner Schut zen stand,
zwischen dem Hag gen und dem Bese nr eist, und zogen zuletzt unter Führung ihres Hauptmanns
Thom as Rhomb erg in die Schanz e hinter dem Klausbach zuruck. Rhomberg starb^hi e-
bei des Heldentodes, und erinnert ein Gedenkstein!, der Mhombergstein" oberhalb der Villa
Grafenreuth im Walde, an diese n tapferen Vaterlandsverteidiger, der schon 1634 zur An
erkennung sei ner 'kriegerischen Leistungen vom Landesfürsten das Recht, einen Löwen im
Wap pen zu füh ren, erhalten hat te.8)
7) Siehe Befchr. „Schloß Bregenz.
8) Muf.-Ber . 42 (190 4) f„Herporragende Persone n von Borarlb. น. Lie chten st."1 (von
Mar kus Diem) , S. 64. — Ueb. d. Familie vgl. Zt schr. ,Heimat" 1927, S. 279.
Die Schweden stürmt en den Zur ückweichende n nach und lan gten fast glei chzeiti g mit
ihnen bei den Schanzen an der Klaus e an; einige Zeit darauf mußte der ganze Klauspaß
nach held-enmütiger Verteidigung pre isgege ben we rden!, nachdem auch Oberst -Lieut e nant
Singer, der wahrend des ganzen Kampfes die Stellung am Kugelbeer siegreich behauptet
hatte, von dem in die neue «Schanze eingedrungenen Feind beschossen wo rden und daher
den -Kampf hatte aufgeben müssen.
Mittags 12 Uhr rückte der Feind siegreich in das eroberte Bregenz ein und plünderte
die -Stadt bis Einbru ch der Dämmerung. Eine unermeßliche Beute fiel dem Feind in die
Hande; ihr Wert wurde auf 4 Millionen Gulden geschätzt; sie wurde aus 500 Wagen fort
und über die Donau geführt. Wegen der anhaltenden stürmischen Witteru ng und der ge
wal tigen Bran dung hatte kein Sch iff auslaufen können. Auch das Schloß Hoh en-Breg enz
wurde am selben Tage dem Feind ohne Schwertstreich übergeben.
Durch die Einnahme der Stadt und des Passe s Bregen z, für die in letz ter Linie die
Uneinigkeit der vorarl ber gisch en Stände ve rantwortli ch gemacht wer den must, hatte sich
Wrangel den Weg nach Tir ol, Italien und der Schwei z eröffnet, was im Laufe des ganz en
langa ndauer nde n Krieges noch keine m gelungen. Jedoch nützte er di esen gewaltigen Vorteil
nicht weiter aus, wie das ganze von An fang an überhaupt mehr den Eharakter eines
Beutezu ges hatte und strategisch ihm keine n Vorteil brin gen ko nnte, da er ja beim Vor
rücken nach Süden sich im Ruc ken bloßgestellt hä tte. Der feindliche Oberfeldherr begnügte sich
mit -allerdings enormen Vr andschatzungen und Entsendung kleinerer Streifpatrouillen IN den
Vorderwald und ins Oberland, sowie mit der Besetz ung der Neuburg, der Stadt und des
Sc hlosses Fel dkirch. Kleinere Tru pps drangen bis zum Kloster St. Peter bei Bludenz und
bis an die Luziensteig an der Grenze Li echtenstein -S chweiz vor, die sü dlichsten Pu nkte
Deutschlands, die die Schweden damals erreicht. Wr angel sel bst wandt e sich nun zur Bela
gerun g Lindaus, die er jedoch nach zwei Monaten, am 6. März, er g ebnislos wi eder auf
geben muß te.
Erch Ende März zogen die ungeb etenen Gäste von Breg enz ab. Zuvor sprengten sie
am 28. März das Schloß auf dem Geb h ardsberg mit fünf Minen in die Luft, da Wrangel
es wegen ang eblich en Wasserm angels als unhaltbar bezeichnete. Tags darauf wurden die
Schan zen an der Klaus und auf dem Pfänder sowie alle anderen Festungswerke ges chleif t,
und dann fuhren die Schweden auf acht Schiffen über den See nach Lan gen argen ab.
Im Herbst desselben Jahres wurde unter der energi sc hen Leitung des kais. Oberst
Feldhauptmanns Kasp ar Schoch an der Wiederherstellung der Breg enzer Befestigungs
werke eifrig ge arb eitet, die Schanzen an der Kla us, auf dem Pfänder, auf dem Hagg en, im
Ricke nbac htob el (W irtat obel) und auf dem sogenannten Mad" wu rden repariert und in
stand g esetzt; glei chzeitig wurd^ en auch zur Sicherung des Seeufers zu Fussach, am Rohr-