Alt- und
Neu-Schellenberg 941
selbst zu Ehren der hl. Anna einen Rosenkranz zu beten. Mitte n in der
Andacht erblickten sie auf einma l in einer Ecke der Kapelle ein Häu fchen
schneeweiße Hobels päne. Darauf lag ebenfall s eine sch neewei ße Hand,
deren Finger gold ene, mit Edelstein en besetzte Ringe zierten. Die Mäd
chen erschraken heftig und ergriffen eilends die Fluchtl Währenddem sie
hin auss prangen, sollen sie ein Getö se durch den Hügel hinunter vernom
men haben und eine Stimme soll dabei gerufen haben. O weh, o weh,
nun ve rgehen wieder hundert Jahre, bis ich mich wieder sehen las sen
darf!
Alt- und Neu-Schellenber g .
Den langge streckten , zirka 700 m über dem Meere gelegenen Höhen
zug des Eschnerberges oder Schell enberges, wie er heute heißt, zierten im
Mittelalter die zwei Burgen Alt- und Neu-Schellenberg. Die mehr west
lich, gegen Ruggell zu gelege ne Burg ist die ältere : Alt-Schellenber g; die
vor dere und obere Burg in geringer Entfe rnung von erst erer: Neu
Schellenberg, entstand etwas spa ter. Beide Schlös ser liegen längst in
Trummern, und zeugen nur noch spärliche Ueberreste von ihrem einstigen
Beständ e. Die erst ere war von geringer Ausdehnung und gew ährte nur
gegen Norden einen guten Ausblick. Ihr Grundbesitz mochte son ach auch
mehr den nördlichen Teil des Eschnerberges umf aßt hab en. Neu-Schellen
berg ragte auf stolzer Höhe, und bot sich von ihren Z innen einst eine
herrliche Rundschau: von dem Calanda und den Grauen Hörnern im
Süden bis über die Gestad e des Bode nsees hinaus im Norden, und vom
Sä ntis und den Toggenburger Schrofen im Weste n bis weit ins Vor
arlberger Land im Osten; zu ihr scheint mehr der südli che Teil der Herr
schaft Schellenberg gehö rt zu haben. Die Erbauungszeit der älteren Veste
wird zwischen 1150 bis 1200 angeg eben; die neue ausgede hnt ere Burg
anlage durf te auf die Zeit von zirka 1200—1250 zurückreichen. Z Vor
jeder der beiden Bur gen breitete sich ehemals ein kleiner See aus, wie
man noch heute erkennen kann. Durch den Burgsee, der zu Alt-Schellen
berg gehörte, führt jetzt die Straß e nach Ruggell und ist an die ser Stelle
der Damm durchbrochen wo rden.
Die baulich bedeutendere Burg war, wie eben gesagt, Neu-Schellen
berg. -) „Stieg man den Hohlweg gegen West en hinauf, so kam man an
das äuß ere Burgtor und durch dies es in den kleinen Zwing er. Durch ein
inne res Tor betrat man die Vorburg. Nun hatte man vor sich den Turm,
den Bergfried, zur Rechte n den Zi ngel (d. i einen ummauerten Raum,
der zur Verteidigung diente). Der Turm nahm fast die Mitte der Burg
ein, wäh rend die Wohnräume gegen Norden lage n. Hin ter dem Turm
und durch diesen geschuht war der innere Hof mit mächtig er Mantel
mauer, die noch ziemlich erhalten ist. Nördlich von diesem inn eren Hof,
. *) Büchel: Geschichtliches über die Durgen unseres Landes, in Jahrb uch d. Histor. Ver
eines f. Liecht enstein 19 (1919), S. 95, wo Büchel auf Grund nachträglich gefundener Urku n-
m^ rine friere in Ib. [= Jahrbuchs 7 (1907), S. 13, ausgesprochene Ansicht von der mut-
!^bl ichen Erbauungszeit der jüngeren Burg nach 1300 korrigiert. Vgl. derselbe: Ib. 9
(1909), S. 30.
2) Siehe Grun driß derselben nebst Lageplan der beiden Bur gen in Ib. 7 (1907). (1907).