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Full text: Die Burgen und Edelsitze Vorarlbergs und Liechtensteins. Band 2

610 Obe rloch en. 
runde r Torwölbung. Als Gegenstück zum Nordwestturm bestand einst an 
der Nordostecke des Hofes ebenfall s ein wehrhafter Turm von gleic hem 
Grundriß, des sen Vorhandensein' beim Abbruch der östli chen Mauer part ie 
festgestellt wurde . Eine äußere Wehrmauer, deren Fundamente beim Erd­ 
aushub anläßlich des Neubaues zum Vorschein kamen, zog sich in be­ 
trächtlichem Absta nd von der Westfassade des Komplexes hin, einen breiten 
Zwi nger umschließ end; zweifellos umgab sie einst die ganze Bauan lage, 
wie emzelne noch vorhandene Spuren , z. B. an der Sudost ecke, erweisen. 
An der Ostseile des Hosviereckes schloß sich zunächst an das Wohnhaus ein 
jüngerer Anbau an, ein aus späterer Zeit stam mendes Wirtschaftsgebäude 
mit Küche und Waschküche; diese Räume waren an die dortige Wehrmauer 
angebaut. Der Nords eite entlang zogen sich die Stallungen mit ziegel­ 
ge wölbten Sc hweinekob en. Diese für Wirtschaftszwecke ge troffe nen bau­ 
lich en Adapt ier ungen erfolgten erst nach der Uebernahme des Anwesens 
1832 durch Jose ph Hehl e, der den früh er abseits gestandenen Stadel mit 
Stallung in den Geb äudekomplex einbezog; bei dieser Gelege nh eit ist 
jedenfall s auch der vorhin er wähnte Nordostturm abgetragen wor den. 
Unter dem Wohnhaus, in der Mitte des Traktes, befan d sich ein 
alter, tonnengewölbter Keller, über des sen Türeing ang man die in Sand­ 
stein gemeißelt e Jahr zahl 1562 las; sonach dürfte wohl auch das Haupt­ 
haus in sein em nachm al igen Bestand aus die ser Zeit stammen. An den 
Keller schloß sich westwärts ein gro ßer Weintorggell Die hier noch bis zu­ 
letzt in Verwendung gestandene Torggelanlage mit fast zehn Meter lan­ 
gem eichenen Torggelbaum von 1669 (laut angebrachter Jahrzahl) und 
einer ebenso bez eich neten Spindel von 1712, wurde vom Landesmuseum 
käuflich erworben . — Einen unter und neben der Kellertreppe befindlichen 
düsteren Raum be zeichnete man als ehemaliges Gefängnis oder Burg­ 
verließ. Das Westzimmer mit schöner Aussicht auf den See hatte Fenster­ 
säulen in Spät-Renaiss anc e ; sie trug en über den Kapitälen gleic hfalls in 
Sandstein gehauene flache Wa ppen schilder, die fr üher zweifelsohne be­ 
malt waren, aber die Bemalung im Laufe der Zeit verloren hatten Die 
Sä ulen und Wappen fand en beim Neubau wiederum Verw endung, be­ 
so nders am N ordwes tturm. — Ein rohgezimmerter, vom Alter gebr äunter 
Holzplafond im Haus flur zeugte von dem schon Jahrhunderte langen Be­ 
s tände dieses Hauses, das bis zum Abbr uch trotz der wehrhaften Aus­ 
stattung ein behäbiger Bauernhof nach altem Stil und Be trieb gewesen 
ist. "T" 
Der alte Edelsitz Oberloc hen, heute in neuer Gestalt und zu neuer 
Bedeutu ng wieder erstanden, verkörpe rt ein gut Stück Z eitgeschich te: ange­ 
fan gen von den Montf ortern und Rudolf v. Habsburg bis herab auf ferne 
letz ten Bew ohner, schlichte Landleute und eine sozial wirkende Ordens­ 
gen ossen schast mit ihren Pfleglingen, hat er alle wechselreichen Zeitläufte 
mit guten und schlimmen Tagen überdauert. Mehr als einmal widerhallt e 
diese Stätte vom Kriegslär m ; heute aber waltet darin der Geist christ­ 
licher Charitas, die sich den einstigen Fe udalsitz in eine Stätt e des Frie­ 
dens umgewandelt und ihm eine neue schönere und zeitgemäße re Be­ 
stimmung gegeben hat.
	        
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