1004 Schloß Hohen-Bregenz
teuren Ue b-e rresten so viel gewährt, als seine I$ton(b' erfassen' könne. Nasc h' griff Gebhard nach
-dem Haupte. Dem Papste gefiel so freie schw äbische Art, er sche nkte ihm huldreich noch an-
bere Teile des hl. Leibes dazm. Aber die Römer , die davon horten, erzürnten und woll ten
das Heiligtum nicht lassen. iSie verfolgten «den Bischof auf sein er Rückreise und' drängten
ihn an den Po, wo sich nicht iMurt noch Br ücke fand. Doch St. Gebhard' Machte das Kreuz
zeichen, es te ilte sich die Flut und trockenen Fußes bracht e er die Reliquien ans jenseitige
Ufer. Glücklich kehrte er Mit seinen Schätzen nach Konstanz, wo er sie in kunstvolle Ge
häuse und sc hone Schreine schließen ließ und an güldenen Kettchen UM den Hochal tar hängte .
Bald so llte auch er in seiner Basilika ruhen. Weit hina us über des Lan des Grenzen
ward er verehrt als Wundermann und S egenspender, als er am 27 August 995 aus diesem
Leben schied. Eine weiße Taube flog auf seinen Sarg; sie blieb und ver weilte ohne Scheu
vor alle n' Augen, selbst als ihn bii Mönche zur Gruft tru gen, und entflog erst, als der
hl. Leichnam beigesetzt war. Wun der verherrlichen Geb hards Anrufung.
(Weröffentl. in Vorarlb. Landeszeit ung 192.1 , Nr. 106.)
Der Gebhards b e r g und sein Kirchlein in litera rischer
V-er h e r r l i chu ng.
Aus der za hlreich vertretenen Literatur über diesen Gegenstand seien die nachst e henden
Pr oben mitgetei l t; erwähnt sei außerdem noch. „Lied und'Gedet zum hl. Gebhard" des Dich
ters Johann Georg Von bank (abgedr uckt in Vrlbg. Volkskalender 1868).
A u f d e m S t. G e b h a r d s b e r g.
Von F. I. Castel li (1822).
(Der Wiener Dich ter Castelli (f 1862) hatte die na chstehe nde ber ühmt gewordene
Dithyrambe im Jahre 1822 zue rst mit Bleistift an die Wand des damaligen Mesnerhaufe s
geschr ieb en. Der hei matländi sche !Forscher I. Bergmann war es dann, der als erster auf.
dies Gedicht aufmerksam mach te und es durch Dru cklegu ng vor dem Untergang rettete.
Castelli selbst sah es später wieder, überarbeitete es und brachte es in gegenwärtige Form.)
Du sterblilch Auge, kannst du sie wohl fassen,
Vor dir gehäuft^ der Schöpfung größte Pracht? .
Allmächtiger, erlaube mir zu prassen'
Im höchsten -G lanze deinr höchsten Ällac ht! —
Jetzt erst hat mich, der j Schoß der Nacht entlassen,
Jetzt erst bin ich zum erstenmal erwacht, —
Und' hätt' ich einen Feind aus dreser Erde,
Jetzt komm' er, daß er mir zum Bruder werde!
Die höchsten Schätze hat Gott hier vereinet,
Des Wasser s Silb er «und der iSonne Gold,
Der Bäume Grün, den! Aet her, der gereinet
Von niedern' Dünsten, hier als Donn er roll t,
Mit Riesenbergen hat er ihn umzäunet, —-
Den Platz, dem er vor allen andern hold.
Du glücklich Volk, das hier in diesen Auen
Die ganze Welt in einem Punkt kann schauen!
Was kannst du, Erde, mir noch künftig zeigen?
Hier ist dein Anfang und dein Ende auch!
Mag ich auf deine höch-sten Gi pfel st eigen.
Einwühlen mich in demen re inen Bau ch.:
Nichts Herrlicher's als dies ist dir mehr ei gen,
Eindrin g ender wohl nirgends mehr dein Hauch.
Wer dies gesehn, kann unbeküm mert sterben,
Mr's Auge h-at er ni chts mehr zu erwerben.
G e b h a r d sber g. .
Hoch aus dem Berge — Raget das Schloß,
Firste und Mauer n, — Uralt Geschoß.
Hoch auf dem Berge — Kreuz und Portal, .
Schneeweißes Kir chlein — Schimmert zu Tal,