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Full text: Die Burgen und Edelsitze Vorarlbergs und Liechtensteins. Band 2

576 Burg zu Wald -Da laas. 
scheint er hier im Juni d. I. mit s einem Dien er auf Almosensammlung in Udine in Ober­ 
italien, bei welc hem Anlaß er vom Patriarchen von Aquil eja ein Empfehlungsschreiben 'für 
sein Unterne hmen erhielt. — 
> Nun aber brach eine düstere Feit an: die Krieg sfurie raste durch das Land und sogar 
der Arlbe rg wurde der Schauplatz kriegerischen Treibens. Der Appen z ell erkrieg ma chte 
an den Grafschafts- und Landesgrenzen auf der Höhe des Arlbe rgs nicht Halt und stürmte n 
die Leute des 1405 gegründ eten „Bundes ob dem See" Ende Miat 1406 über den Arlberg, 
auch dort die gesamte Bauernschaft bis Landeck zu ihrem Anschluß nötigend und bis Imst 
in siegre ichem Vormarsc h vorruckend. Doch hier veranlaßte die plötzliche Nachricht von den 
bedrohl iche n G egenak tionen des Gr afen W ilhelm von' Montfort-Bregenz das Kr iegsvolk des 
Bundes, wieder über den Arlberg zurüc kzujage n, den Gegn er wi eder bis zum Bodensee 
hinabzudrängen und sich spät er zur Belagerung vor Bregenz zu leg en. Der Sieg der zum Ent satz 
der von Graf Wilhelm vert eidigte n Stadt herbeigeeilten schwäbischen Rit tersc haft am 13. Jän­ 
ner 1408 brachte die Auflösung des „Bundes ob dem See" und zugle ich wieder so ziemlich 
den Status quo ante. 
Einige Jahre später stand der Arlberg wiederum im Mit telpunk t des euro päisc hen 
Intere sses . Am 24. O ktober 1414 überstieg, von Italien über Meran und Vintschgau herkom­ 
mend, Papst Johann 23., eigentlich Balthasar Cossa, den Ar lberg paß, um sich zum Konstanzer 
Ko nzil zu verfügen . Es war die Feit der abe ndländisc he n K i r ch e n s p a l t u n g, 
wo drei Pä pste zugleich regierten und man in einem Groß teil der Chr istenh eit nicht wußte, 
welches der wahre und richtig e Papst sei. Durch seinen Legaten ließ der wahre Papst Gre­ 
gor 12. behufs Beileg ung des Schismas seine freiwillige Abdankung erklären, um so die 
Neu wahl eines Nac hfolge rs zu - ermögliche n. Die zwei falsche n Päpste, der ge nannte Johann 23. 
und Benedikt 13. (P eter de Luna), wurden auf dem von Grego r autorisierten Kon zil abge­ 
setzt und als neuer Papst Mar tin V. gewählt, der allseits unbestrittene Anerkennung fand. 
Der Zug Iohannes' 23. über den Arlbe rg und durch unser Land bot sicher ein bis dahin 
nie ges ehenes Schaus piel und mochten auch zur Eröffnrmg und nach Sch luß des K o n st a n z e r 
Konzils ungezählte hohe Her ren und gewalt ige Menschenmassen den Arlberg Überquert 
ha ben. Um 
jene Zeit spielte sich auch die Fluch t Herzog Friedrichs von Oesterreich 
über den Arlbe rg nach Tirol ab?) Dieser, der IN gutem Glauben Johann 23. an hing und ihn 
nach Konstanz geleitet hatte, hielt ihm seine Treue auch, als der Pseud opap st entgegen seiner 
dem Konzil gemachten Zusag e, abzu dan ken, im geheimen aus Konstanz en twich und seine 
Zession widerrief; dies geschah noch vor der Resignati on des wahren Papst es Grego r 12. und 
der Neuwahl des Nach folge rs. Herzog Friedrich unterstützte den Gegenpapst bei seiner Flucht 
und diesen r gel ang es, in das dam als österreickstsche Schaffhausen zu entkom men. Die Folge 
dieser Hand lung war für den Herzog Acht, Bann und Landerverlust, so daß er nur in 
völliger Unterwerfung unter das^Konzil und den Ka iser seine ein zige Ret tung sehen mußte. 
Er stellte sich wieder anfangs Mai in Konsta nz. Aber nach monatelanger Demütigung, da 
ihm schier Uiimögliches zugemutet wurde, entschloß er sich Mr Fluch t aus sein er Ge isechast , 
die ihm denn auch Ende Marz 1416 ge lang. Nur von zwei Die nern begleitet, zog er lan dauf­ 
wä rts. Mitternachts in Bludenz angekommen, ward er hier erkann t und von der Bür ger­ 
schaft aufs freundlichste aufgenommen und anderntags bis über den Arlbe rg geleitet. Auch 
hier, auf tiroler Bod en, sc hloß sich das gesamte Landvolk seine m geächteten Fürsten freudi gen 
Herzens an. Bekanntlich folgte Einige Zeit später die volle Aussöhnu ng des Herzogs mit dem 
Reich und dem neuen- Papst Martin V. Die ihm durch den Mac htspruch des Reiches ent­ 
ris senen Län der und H e rrschaften vor dem Arlbe rg, die nunmehr Graf Friedrich von Toggen - 
burg als Pfandsc haften innehatte, blieben ihm frei lich fast bis Ende seiner Regierungszeit 
entzogen. Diese r Umstand wi rkte denn auch lahmend auf den Ve rkehr über den Ar lberg ein, 
dess en Bedeut ung nach einer zweihundertjährigen Gl a nzperiode vorläufig sc hwand. Dieser 
Rückgang ist auch daraus ersichtlich, daß nach dem Jahre 1414 in' den Brude rs chaftsbüche r n 
nurmehr verei nze lte Eint ragun gen vorkommen und die frühere Pfarrei von St. Christop h 
zu einer Kupla nei heruntersank. — Ein vorübergehendes Wiederaufleben feierte die herunter­ 
gekommene Schöpfung Hei nrichs des Findelkinds sowie die St. Ehristophsbruderschaft erst 
wieder im Jahre 1647, als anläßlich des damali gen Schwedeneinfalles in Vorarlberg eine 
Menge Bewchner sich über den Berg fliichtete. Damals dürf ten auch die Baulichkeiten des 
Hospize s und der Kapelle einer Erneuerung unter zogen wo rden sein. Die Br udersch aft löste 
sich zu Ende des 18. Jahrhunderts^ weil durch die Aenderung der Straßenverhältnisse ent­ 
behrlich geworden, auf; doch blieb die Kaplanei erha lten. 
7) Z ösmair: Herz. Friedrichs Fl ucht von Konstanz nach Tir ol; Innsbr. Gymn . -Progr. 1894.
	        
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