40 Geschichte der Sta dt.
geplünderten aber noch hochragenden Bau ten der Römer. Sie
beweist uns zweitens, daß auch die romanische Bevölkerung neben
der eingedrungenen alemannischen bis in diese Zeite n in Bregenz,
sich erhalten: denn in do ppelter Sprache, in late inicher und barbarischer
(deutsch) muß ten die Glaubenslehrer dem Volke predigen.
Aus all dem folgt die wichtig e ges chichtlic he Tatsache, daß die
Existenz Brigantiums auch durch der Völkerwanderung
Stürme (Hunenzug unter Att ila 451) keine Unterbrechung
erfahren hat, wenn sie auch auf ein sehr bescheidenes-Maß
beschränkt wu rde. —
Erst 300 Jahre später taucht der Name der Stadt von neuem
auf und zwar in sei ner heutigen Auss pr ache, als Beiname des
Gesc hlechte s der Grafe n von Bregenz. Als erster in ihrer Reihe
erscheint Hugo (auch Utho oder Utzo genannt), der von Kon rad I.
(911— 919) mit der Grafschaft Bregenz — einem Teile des alten
Argengaues (das Gebiet von der Schüssen bis zur Bregenzer Ach) —
belehnt wu rde. Welcher Abstammung er war, kön nen wir mit
Siche rheit nicht sagen; wir wiss en nur, daß er mütterlicherseits mit
dem h erzogliche n Hause der Franke n verwandt und durch seine
Gemahl in Dietburga mit den ehrgeizigen aber ung l ücklichen
Kam mer boten Bertold und Erchanger verschw ägert war. — Die
Burg der Bregenzer Grafen erhob sich auf der beherrschenden
Höhe des Gebhardsberges, diese m weit in das Rheintal hinausschauenden
Luginsland, der schon zu Römerzeit en einen Wachtturm
trug. Im Jahre 1150 (?) beziehungsweise 1180 — denn es war um
1150 eine weibliche Seitenlinie zur Herrschaft gelang t — starb dann
das Haus der alten Grafe n von Bregenz aus; ihr Besitz kam nach
einer kurzen hohenstau tischen Zwischenvogtei an das Ges chlecht
der Montforter. Bekanntlich zerfi el diese Familie in drei Hauptlinien:
Montfort-Feld kirch, Montfort-Tettnang und Montfort-Bregenz.
Diese letzteren, die Herren von der roten Fahne (so genannt nach,
ihrem Wappen, einem roten, dreig etei lten Banner in weißem Felde)
besaße n nun Stadt und Herrschaft Bregenz, in der l etzten Zeit
(seit 1379) in eine älter e und jüngere Linie ge teilt. —
Nicht wahrscheinlich ist es, wenn auch bestim mte Zeugnisse
dafür fehlen, daß selb st in den wirren Z eiten des VII., VIII. und
IX. Jahrhunderts Bregenz längere Zeit unbewohnt gew esen und
erst später neu gegründet worde n sei. Nur der Ort der Siedlu ng
hat gewechselt: die fortdauernd unruhigen Zeite n machte n es notwendig
, die alte Römer stät te am Ölrain, die nun erst der gänzlichen
Zerstörung anheimfiel, zu verlas sen, und sich wieder, wie in den
Tagen der Kelte n, auf das beschränktere aber größere Sich erheit
bietende Plateau der Oberstadt zurückzuziehen. Hier erhob sich
dann — und zwar in seine n Hauptteilen wohl frü her schon als die
Burg auf dem Geb hardsber g — der Kern des mittelalterlichen
Bregenz. Klein nur war der Raum, auf dem diese s neue Gemeinw^en
erwachsen konnte; es ist auch jetzt noch durch die einfac h