44 Geschichte der Sta dt.
Auch in wirtschaftlicher Beziehung ist nur ein recht l angsamer
Fortschritt zu verzeichne n. Weniger die räumlich beschränkte
Anlag e der mittelalterlichen Siedlung als v ielmehr das Untertänigkeitsverhältnis
zu den Grafe n von Montfort hinderte sie auch
in ihrem wirtschaftlichen Streben. So kam es, daß Bregenz trotz
seiner günsti gen Lage in seiner Fortentw ick lun g gehemmt war.
Allmählich wurde es freilich besser, besonders seit dem
Appenzeller Kriege. Die Tapferkeit der Bürger wurde entsprechend
be lohnt. König Rupprecht (1408) und die Herren von Bregen z,
W ilhelm IV. und Hugo V. von Mo ntfort erteilten weitgehende
Privilegien: Steuernachlässe, Milde rung der L eibeigenschaft und
Ausdehnung der Gerichtsbarkeit. Unter den Hab sburgern verstanden
es die Bürger, diese Freiheiten zu erweitern. Nachde m
sie schon von Ferdinand I. (23. Fe bruar 1529) das Recht erhal ten
hat ten, das Wappen der alten Bregenzer Grafen als Stadtwappen
zu führen, erlangten sie (16 43) von der E rzhe rzogin Klaudia gegen
Zahl ung von 5000 fl. die Blutgerichtsbarkeit und im Jahre 1646
das Recht der frei en Ammannswahl.
Am deutl ichste n spricht für den wirtschaftl ichen Aufschwun g
im Laufe der Jahrhunde rte das immer st ärkere Anwachsen der
unteren Stadt: eine armselige, jeder feindlichen Unbi ll we hrlos
p reisgege bene Ansiedlun g dürftiger Fischerhütten, ist sie heute der
ausschließliche Sitz des geschäftlichen und geselli gen Lebe ns, die
eigentliche Stadt geworden. — Diese U mwandlung ist jedo ch nicht
gar zu alt; sie hängt aufs engste zusammen mit der Hande lstätigkeit
von Bregenz. Schon im Mitt elal ter war der Güterverkehr
kein gerin ger. (Erstes Markt priv ile gium stammt von Lu dwig dem
Bayer 1330; von Rupprecht 1408 und Ferdinand I. 1548 erweitert und
umgestaltet. — Hau ptgeg enstä nde des Umsatzes waren Holz, Wein, Salz
und Korn; der Name „Kornmark t straße u und das dort befindliche
Lage rhaus erinnern noch daran).
Aber erst der Ausbau der Arlbergbahn (1884) gab, indem er die
Stadt dem Weltverkehre angliederte, ihrer E nt wicklung m oderne
Impulse. Jetzt erst war es mö glich, auch die Wasser straße des
Bodensees energisch ausz unutze n. So erhielt der Bregenzer Hafen
( erbaut von 1850—54j*) im Jahre 1884 das erste österreichische Dampfschiff.
(Geg emvärtig 6 Salonda mpfer und 1 Schlepper .) Die Folgen sind
nicht ausgeblieben: Hebu ng des Verkehr s und der Ind ustrie; Zunahme
der Bevölkerung; Vergrö ßerun g und Verschönerung des S t adtbildes
durch eine rege Bautätigkeit; V erstärkung des Fremdenverkehrs. —
So kann Brege nz hoffen, das XX. Jahrhundert werde ihm das
bringen, was bisher Ungunst der Verhältnisse ihm vorenthalten :
seine n Aufschwu ng zu jener wirtschaf t lichen Bedeu tung, die ihm
vermöge der manni gfachen Vorzüge seiner Lage ge bührt.
*) Grunds teinl egung 14. Oktober 1850 durch den Kaiser Franz Josef I.
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