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Full text: Vorarlberg. Dritter Band

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des Dankes über den be stande nen Ueber fall der Schwe­ 
den drückt en die Bür ger von Feldkirch durch eine Wall­ 
fahrt nach Maria Einsideln aus; sie wurde von 350 
Personen beiderlei Geschlechtes am 15. Juni 1648 an­ 
getr eten, und in fünf Tagen vollbrac h t. Die Hcimkehren- 
dcn wurden mit Kreuz und Fahn en, Klein und Groß, 
Jung und Alt bei der Letze zu Tisis abgcholt, und ist — 
(wie Prugg er S. 68 sagt) — bet vndenckbahren Jahren 
kein so schöne und erbärmli che Proz ession gesehen worde n. 
— Der Kirchenbcsuch war itt die ser Zeit hinsi chtl ich der 
Predigten sehr anziehend. Man beh andelte auf den Kan­ 
zeln die Unterscheidungslehren des alten und neuen Glau­ 
bens in einer Sprache , die, um verständlich zu seyn, und 
die Zuh örer zu gewinnen, mitunter sich derbe r Ausd rücke 
nicht enthalten konnte. Die Sittenlehren trug man in 
Beispielen und Er zählungen vor, dadu rch erhielten sie Le­ 
ben, und machten Eindruck; die Redensarten waren nach 
dem Geschmacke der Zeit bilderreich, in sinnlichen Dar­ 
stellungen suchte man dem Geistigen Ei ngang zu verschaf­ 
fen, und ganz beso nders das Herz zu ergreifen. So ent­ 
sprangen die sogenann t en Ostermährchcn, und Fasten- oder 
Erempelpredigten, wel che letztere noch jetzt im Geb rauche 
sind. War eilt Seelsorger genöthiget, über einzelne Ver­ 
gehen zu eif ern, um sie nicht in seiner Gemeinde herr­ 
schend werden zu lassen, so ko nnte es nicht wohl ge­ 
schehen, ohne die fehle nden Person en mit irgend einer 
Deutung anzu zeigen; fein heiliges Amt schützte ihn, wenn 
er auch offen von den Sünden und Lastern seiner Pfarr - 
kind cr sprac h. Jeder fand daher in der Kirche nach sei­ 
nem Sinuc Belehrung, und freute sich im Stillen, wenn 
über diesen oder jenen angesehenen Mann eine Rüge von 
der Kanzel erging, denn der Mensch bleibt stets gene igt. gene igt.
	        
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