Sehen Sie
mal richtig schwarz
Nach der langen Funkenansprache
durch den Ernsten Rickenbacher
Funkenkanzler gab dieser am let zt-
jährigen Fun-
ke nsonntag mit
"Funk o hoh,
Buschla odr
Stroh !" das Kom-
mando zum Fun-
ken anbrennen.
Alles war ja be-
stens vorbe reitet.
Man brauche weder Diesel noch
Benzin, wird unter vorgehaltener
Hand ko lp ortiert. Praktisch wurde
also ein vö llig neues Funkenbau-
konzept entwickelt. In ballettmä-
ßiger Harmonie schritten die
Fa ckelträge r auf
den Funken zu,
legten im be-
stens einstudier-
ten Pyromanen-
stil Feuer an den
Funken. Ein
Ra unen ging
durch die Men-
ge. Wund er-
schön brannte
der Funke n.
Und dann zur
Freude aller An-
wesenden das
über raschen d neue am letztjä h-
rigen Funkenbau: es stieg end-
lich auch Rauch auf. Starker,
sc hwarzer, qu almender, stinken-
der, beiße nder Ra uch. Die sowie-
so schon schwarze Nacht verdun -
kelte sich zusehends. Und bald
ward der Fun ken so dunkel wie das
berü hmte schwarze Loch im Uni-
versum - man arbeitete also auf
Anti-Materie-Basis!
Alsbald ward die gute Stimmung
in Trauerstimmung verwandelt.
Man stand betreten in der Gege nd,
die Musik
schwenkte von
den be s chwingten
Märschen auf
Trauermärsche -
deren bekannte -
ster „Ich hatte ei-
nen Kameraden
..." war, schon so
oft gespielt auf diver sen Beerdigun-
gen.
Das neue Funkenbaukonzept sah
n atürlich auch vor, nie in Hek tik zu
verfallen, die Z useher immer im
Glauben zu lassen, das Feuer habe
sich ins In nere zu-
rückg ezo gen und
werde sich nach
di eser Impl osion
zu einer riesigen
Explosion erhe-
ben.
Zwischenze itlich
jedoch wurde be-
kannt , welche
Z wecke die ses
Konzep t tatsäch-
lich verfolgte:
Durch die soforti-
ge Rück nahme
der Flammen und die Vortäuschun g
einer Panne werd en die Zuseher für
zusätzliche Stunden auf den Brand-
platz geb unden und dadu rch der
Umsat z ganz enorm angehoben.
B litzschnell wird ein Wettbü ro ein-
gerichtet. Sofort werden Wet ten
angenommen, ob in diesem Jahr die
Hexe ver brannt oder vergast wer-
de. Eine weitere zusätzliche Ein-
nahmequelle.
Mit der Unterbrechung des
Funkenabbrennens wird den
Funkenkollegen von der Ach die
Mög lich keit eingeräumt, die Qua-
lität ihres Funkens für das nächste
Jahr anzu preisen. Man zeigt also
Gmeinschaftsdenken.
Das um Stunden verzöger te Ab-
br ennen des Funken s hat riesige
energie-ökonomische Effekte (in
Hafoloabs Gemeindestube wird
nach wie vor minus 10 Prozent
Energi e gepredigt!): Die doch im-
mer kälter werd ende Nacht kann
mit der gleichen Energi emen ge so
bis spät in den frühen Morgen be-
heizt werden. Dies wirkt sich für
die gesamte Reg ion zwischen Bild-
stein und Lustenau p raktisch wie
eine Fernwärmeheizanlage aus.
Und die Gemeindeverantwort-
liche n erwägen , dieses Konzep t der
Funkenwärme ab der kommenden
Ballsaison zur Energi egewinn ung
für das neue Vereinshaus zu nützen.
Kein Mens ch hat beme rkt, daß
zwischenzeit lich vom Güterbahn-
hof her der Katast rop henzug der
Rickenbacher Funkenzunft Un-
meng en von Di esel angekarrt hat-
te, um den immer noch stark rau-
c henden Funken mit diesem voll-
komm en einz utränke n. Und ganz
l angsam setzte sich der helle Feu-
ersch ein gegen die fetten Rauc h-
wolken w ieder durch. Es wurde im-
mer heller und heller, und plötzlich
bran nte der Funke n unter freneti-
schen Beifa lls stürm en der immer
noch ausharrenden Funken-
besucher lichterloh. Der Glühwe in
war leergetrunken, die Würste ge-
gessen, die Trauermärsche alle ab-
gespielt. Endlich hatte man Zeit,
sich dem eigentlichen Anlaß zu
widmen.
Mit Herz kann man Berge
versetzen. Aber ohne Kopf
setzt man sie lei cht an die
fa lsche Stel le! Stel le!