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Full text: D'Hafoloabar Fürbat 1990-1999 (13-22)

Sehen Sie 
mal richtig schwarz 
Nach der langen Funkenansprache 
durch den Ernsten Rickenbacher 
Funkenkanzler gab dieser am let zt- 
jährigen Fun- 
ke nsonntag mit 
"Funk o 	hoh, 
Buschla 	odr 
Stroh !" das Kom- 
mando zum Fun- 
ken anbrennen. 
Alles war ja be- 
stens vorbe reitet. 
Man brauche weder Diesel noch 
Benzin, wird unter vorgehaltener 
Hand ko lp ortiert. Praktisch wurde 
also ein vö llig neues Funkenbau- 
konzept entwickelt. In ballettmä- 
ßiger Harmonie schritten die 
Fa ckelträge r auf 
den Funken zu, 
legten im be- 
stens einstudier- 
ten Pyromanen- 
stil Feuer an den 
Funken. Ein 
Ra unen ging 
durch die Men- 
ge. Wund er- 
schön brannte 
der Funke n. 
Und dann zur 
Freude aller An- 
wesenden das 
über raschen d neue am letztjä h- 
rigen Funkenbau: es stieg end- 
lich auch Rauch auf. Starker, 
sc hwarzer, qu almender, stinken- 
der, beiße nder Ra uch. Die sowie- 
so schon schwarze Nacht verdun - 
kelte sich zusehends. Und bald 
ward der Fun ken so dunkel wie das 
berü hmte schwarze Loch im Uni- 
versum - man arbeitete also auf 
Anti-Materie-Basis! 
Alsbald ward die gute Stimmung 
in Trauerstimmung verwandelt. 
Man stand betreten in der Gege nd, 
die 	Musik 
schwenkte von 
den be s chwingten 
Märschen auf 
Trauermärsche - 
deren bekannte - 
ster „Ich hatte ei- 
nen Kameraden 
..." war, schon so 
oft gespielt auf diver sen Beerdigun- 
gen. 
Das neue Funkenbaukonzept sah 
n atürlich auch vor, nie in Hek tik zu 
verfallen, die Z useher immer im 
Glauben zu lassen, das Feuer habe 
sich ins In nere zu- 
rückg ezo gen und 
werde sich nach 
di eser Impl osion 
zu einer riesigen 
Explosion erhe- 
ben. 
Zwischenze itlich 
jedoch wurde be- 
kannt , welche 
Z wecke die ses 
Konzep t tatsäch- 
lich verfolgte: 
Durch die soforti- 
ge Rück nahme 
der Flammen und die Vortäuschun g 
einer Panne werd en die Zuseher für 
zusätzliche Stunden auf den Brand- 
platz geb unden und dadu rch der 
Umsat z ganz enorm angehoben. 
B litzschnell wird ein Wettbü ro ein- 
gerichtet. Sofort werden Wet ten 
angenommen, ob in diesem Jahr die 
Hexe ver brannt oder vergast wer- 
de. Eine weitere zusätzliche Ein- 
nahmequelle. 
Mit der Unterbrechung des 
Funkenabbrennens wird den 
Funkenkollegen von der Ach die 
Mög lich keit eingeräumt, die Qua- 
lität ihres Funkens für das nächste 
Jahr anzu preisen. Man zeigt also 
Gmeinschaftsdenken. 
Das um Stunden verzöger te Ab- 
br ennen des Funken s hat riesige 
energie-ökonomische Effekte (in 
Hafoloabs Gemeindestube wird 
nach wie vor minus 10 Prozent 
Energi e gepredigt!): Die doch im- 
mer kälter werd ende Nacht kann 
mit der gleichen Energi emen ge so 
bis spät in den frühen Morgen be- 
heizt werden. Dies wirkt sich für 
die gesamte Reg ion zwischen Bild- 
stein und Lustenau p raktisch wie 
eine Fernwärmeheizanlage aus. 
Und die Gemeindeverantwort- 
liche n erwägen , dieses Konzep t der 
Funkenwärme ab der kommenden 
Ballsaison zur Energi egewinn ung 
für das neue Vereinshaus zu nützen. 
Kein Mens ch hat beme rkt, daß 
zwischenzeit lich vom Güterbahn- 
hof her der Katast rop henzug der 
Rickenbacher Funkenzunft Un- 
meng en von Di esel angekarrt hat- 
te, um den immer noch stark rau- 
c henden Funken mit diesem voll- 
komm en einz utränke n. Und ganz 
l angsam setzte sich der helle Feu- 
ersch ein gegen die fetten Rauc h- 
wolken w ieder durch. Es wurde im- 
mer heller und heller, und plötzlich 
bran nte der Funke n unter freneti- 
schen Beifa lls stürm en der immer 
noch ausharrenden Funken- 
besucher lichterloh. Der Glühwe in 
war leergetrunken, die Würste ge- 
gessen, die Trauermärsche alle ab- 
gespielt. Endlich hatte man Zeit, 
sich dem eigentlichen Anlaß zu 
widmen. 
Mit Herz kann man Berge 
versetzen. Aber ohne Kopf 
setzt man sie lei cht an die 
fa lsche Stel le! Stel le!
	        
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