ZUR KÜNSTLERISCHEN AUSSTATTUNG DES KUPPELSAALS
Gerard
Kaltenhauser
Bregenz
Durch ’die Auflassung des Benediktinerklosters St. Gallus- eindruck nicht zu stören. Trotzdem sah sich der Architekt in
stift in Bregenz und dessen Verkauf im Jahre 1981 an das eine schwierige Lage versetzt, weil unterhalb des bestehen-Land
Vorarlberg war der Weiterbestand der ehemaligen den Kirchenbodens ein Kellerraum geschaffen werden muß-Stiftskirche
als Gotteshaus insoferne gefährdet, als vom te, der Kirchenraum in mehrere Ebenen unterteilt werden
Konvent daraus wesentliche Ausstattungsstücke in das sollte, um möglichst viel Stellfläche zu erhalten, sowie die
neue Kloster mitgenommen wurden. Zudem war die Lan- klimatischen Verhältnisse so zu gestalten waren, daß auch
desbibliothek, für die der Komplex angekauft wurde, zur in der kalten Jahreszeit ein zeitgemäßer Bibliotheksbetrieb
Unterbringung ihrer Buchbestände auch auf diesen Raum möglich würde. Der planende Architekt Dipl.-Ing. Hellfried
angewiesen. Dies bedeutete, daß die Kirche für diese Funk- Delpin hat von allem Anfang an viel Geschick und Einfühtion
entsprechend adaptiert werden mußte. Funktionsände- lungsgabe bewiesen und damit für die Gesamterscheinung
rungen bei Kirchen sind sonst in der Praxis immer mit des profanierten Kirchenraumes die würdigste Lösung ge-Veränderungen
der überlieferten Form, mit Umbauten und funden.
daher mit Teilzerstörung oder Totalverlust von Denkmalqua- Die in den Jahren 1910 (Chorraum), 1914/15 (Kuppelraum)
litäten verbunden. Bei solchen Maßnahmen hängt das gute nach Plänen des bekannten Kirchenplaners Adolf Gaudy
Ergebnis stets vom positiven Zusammenwirken des Ei- aus Rorschach errichtete Kirche ist ein mächtiger Zentralgentümers
oder Nutzers, des planenden Architekten und bau mit Kuppelbekrönung. Der Grundriß zeigt verrundete,
des Denkmalpflegers als Anwalt des stummen Mandanten - wohl ausgewogene Formen mit verspielten Details in der
des Denkmals - ab. Im vorliegenden Fall war von allem An- Aufgliederung. A. Ulmer hat diesem Bau eine ausführliche
fang an die Bereitschaft sowohl seitens der Bibliotheks- Beschreibung gewidmet.‘ Über den Planer weiß er folgenleitung
wie auch seitens des Architekten Zu erkennen, den des zu berichten: “Gaudy, einer der hervorragendsten
geplanten Umbau unter größtmöglicher Einbeziehung der Künstler im Baufach, welche die Schweiz hervorgebracht,
vorhandenen Kunstschätze vorzunehmen. Oberstes Gebot ist geboren 1872 in Rapperswil. Er besuchte das Gymnasiwar,
den architektonischen und künstlerischen Gesamt- um in Darmstadt und das Polytechnikum in Zürich, begab