5 GEMEINDE
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Weil Geschichte und Geschichten nur l eben-
dig bleiben, solange die Mensche n davon
wissen und sie auch weitergeben, mö chten
wir in dieser Serie Historisches aufbereiten
und die eine oder ander e Anekdote aus dem
(Gemei nde)ar chiv hervorkramen.
Zu Beginn gehen wir weit z urück zur Besiede-
lung von Doren (vermutlich 12. Ja hr hundert).
Ni emand geringerer als Werner Vogt, uner-
müdlicher Heimatforscher , „ wandelnde s
Lexikon“, was sämtliche Vorarlbergensien
betr ifft, und Herausgeber zahlreicher Publika-
tio nen, br achte Licht ins Dunkel der grauen
Vorzeit.
Das Erbe der Grafen und
Herrschaften im Vorderwald …
Zur Zeit der Bregenzer Gr afen (1400 – 1500)
waren im Vorderen Bregenzerwald deren
B e sitzungen in viele Huben (von Haben)
aufgeteilt. Im Bereich von Doren (e hem. „zur
Darren“) gab es Ende 15. Jahrhunderts 2
Huben der Gr afen, denen die Le hensnehme r
zu Jahresende ihre Zinse leisteten. Jene
Huben hi eßen auch „R eichshuben“ . Dann
gab es zwei weitere Huben, die „Gotteshaus-
huben“ . Ursache war hier einer der Grafen,
der zu einem fro mmen Zweck die Zinsleistun-
gen der Hubenne hmer an das Hauskloster
Mehrerau (in Bregenz) übergab.
Besonders an der Wende des 16./17. Jahr-
SPURENsuche
„Ein Volk ohne K enntnis s einer Geschichte, seines Ursprungs
und seiner K ultur ist wie ein Baum ohne Wurzeln.“
(Marcus Mosiah Garvey)
hunderts wurden die Huben durch
Zuna hme der Einwohner (Zinsne h-
mer) in deren Betriebsflächen
immer stärke r ze rstück elt. Sie
stiegen um 1700 auf etwa 20
Familien mit bis zu 500 (!) Grund-
stücken pro Hube.
Um 1750 bis 1800 entstand im
schwäbisch-vorarlbergischen
Hubengebi et, ausgehe nd von
Kempten und auch von der österr.
Kaiserin Maria-Theresia gefördert,
eine neuartige , sogenannte „Ver-
einödungsperiode“. Hube um
Hube wurde n viele Grundstücke
aufgemessen. Boden werte und
Grundstückslage wurden nach
einem bestimmten Punktesystem
taxiert, dann wertausgle ichend auf
die vie len Familien aufgeteilt. Es
wurde auch bedacht, die vielen
kleineren Ba ue rnhäuser abz utra-
gen und dann – nach damaliger
„moder ner A ns chauung“ größere
B aue rnhäuser auf den
arr ondie rten Liegenschaf-
ten zu errichten. Kurz vor
1800 fielen die Franzosen
mit den verbrüderten
Bayern kriegerisch in
Österreich ein und er-
reichten Vorarlberg und
Tirol. Am 25. Dezember
1805 wurde dem Frie-
densvertrag z ugestimmt .
Das vorher zu Vorarlberg
gehörende Gebiet von
der Lei blach bis fast vor
Isny und K empten wurde
den Bayern zugespro-
chen. Nun her rschten
unter bayr ischer Herr-
schaft auch in Doren und
Umgebung bayrische
Anschauung e n, Gesetze,
Glauben, Militärdienst-
pfl icht – und es gab neue
Steuern. Der begonnene
Vereinödungsgedank e
war eingeschlafen. Ab
1806/ 7 wurde auch der
neue (Grundstücks)
Kataster auf bayrische Art
festgelegt. Erst 1814
ve rschwand die bayr ische
Allmacht und Ge walt.
Vorarlberg durf te dafür
viel Land und Leute, von
Linda u bis weit in das
Allgäu abtreten.
(Werner Vogt / Maria nne Klopfer)
… in der nächsten
Ausgab e: die Bedeut ung
verschiedener Flurnamen
von Doren Doren