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KOLUMNE
Das große Brennen – Schnapsbrennen in Doren
Modernes Brenngerät mit automatischer Heizung, Rühr-
werk und Edelstahlröhrenkühler
Nun ist es wieder soweit, der Herbs t steht vor der Tür.
In diesen Tagen sieht man wieder fleiß ige Hände die reifen
Früchte pflücken, um daraus schmackhafte Köstlichkeiten
herzus tellen. Eine besondere Art, die Aromen zu konservieren
ist das Brennen von Edelbränden.
Doch was ist Schnaps - Brennen?
Das Destillieren einer (Frucht)-Maische zur Abtrennung von
Alkohol , bezeichnet man als Brennen und das Produkt häufig
als Brand bzw. umgangssprachlich als Schnaps.
Zur Zeit Maria Theresias wurde das Brennrecht für „rechtschaf-
fende, fleiß ige und ordentliche Bauern“ erteilt . 1939 wurde in
Österreich das Alk oholm onopol eingefü hr t, das unter anderem
die Herstellung von Alk ohol regelt und dabei zwischen Abfin-
dungsbrenner und Verschlussbrenner unters cheid et.
Unter Abfindung versteht man die Alkoholherstellung aus
selbstgewonnenen alkoholbildenden Stoff en wie Steinobs t,
Kernobst, Beeren und Wurzeln. Die Hers tellung muss mit einem
zugelassenen Brenngerät er folgen. Die steuerpflichtige Alkohol-
menge und die mög liche Brenndauer werden durch den Zoll
festg elegt . Die Menge und Art der Maische ist für die Berech-
nung der Alk ohols teuer ausschlaggebend.
Der beispielsweise bei Äpfeln und B irnen zur Anwend ung
kommende Ausbeutesatz von 3% besagt, dass aus 100l
Maische 3l Alk ohol erzeugt werden können und versteuert
werden müssen. Abfindungsbrenner d ürfen kein Obst zuka u-
fen. Das Abfindungsbrennrecht gilt für jeden Fruchtbesitzer
bzw. Pächter. Das bedeutet, dass jede P erson die einen Baum
besitzt oder pachtet, berechtigt ist aus den Früchten Alkohol
herzus tellen. Brän de eines Abfindungsbrenners dü rfen nur an
Endverbraucher und Gastwirte verkauft werden, nicht jed och
an den Ha ndel oder ins Ausland.
In Doren stand um
1950 fast in jedem
Bauernhaus eine
Brennerei.
Die Schnapsbren-
nerei war bis zum
Ende des 20.
Jahrhunderts
allerdings die
letzte Verwendung
von Fallobst und
anderweitig
zweitklassiger
Ware. Zwar waren
die Produkte
„berauschend“,
jedoch die Quali-
tät meist weniger.
Eine alte Brennerei ohne Wasserbad aus dem Jahr 1928
In den 1980er Jahren setzte bei den
Schnapsbrennern ein radikales Umdenken
ein. Die Qualität wurde zunehmend wichti-
ger als die Quantität. Man verwendete
vermehrt hochwertige Ausgangsprodukte,
arbeitete mit einer kontrollierten Gärung
des Obstes, destillierte sorgfältiger und auf
moderneren Destillieranlagen.
Die nächste Generation entdeckte das
Destillieren als Hobby und stellte dabei
sowohl die Art und Weise als auch die
dafür verwendete Technik auf den Kopf.
Zur Herstellung von Bränden gehören das
Einmaischen, das Vergären und das Bren-
nen. Es beginnt beim Obst – nur geeigne-
tes, reifes, gesundes und sauberes Obst
sollte den Weg in die Mühle finden. Es gilt
der Grundsatz: „Je besser das Obst, umso
besser der Brand“.
Einmaischen - so nennt man den Vorgang,
bei dem das Obst zerkleinert und anschlie-
ßend unter Sauerstoffabschluss in einem
mit Gärspund verschlossenen Behälter
gelagert wird. Zusätzlich zur Zerkleinerung
werden der Maische Reinzuchthefe und
wenn erforderlich Säure und Enzyme
Bericht und Fotos: Walter Sinz