21
Fotos: privat / Wilhelm Becher
Text: Marianne Klopfer
Erstes Grabkreuz, geschaffen im Alter von nur 16 Jahren.
Runde unter seiner fachkundige n Anleitung diese besonde-
ren, hochwe rtig en Messer hers tell en.
1975 bis 2000 war der „Meister der Klinge“ beim Innungs-
auss chuss für Schlosser, Schmiede und Landmas chinen-
mechaniker, ab 1987 war er 13 Jahre lang Innungsm eis ter -
Stellvertreter und erhielt das
Goldene Ehrenzeichen. Die
Wir tschaf tskamm er V orarl-
berg verli eh ihm das Silber-
ne Ehrenzeichen, die Ge-
me inde Doren 1990 das
Gemeindeverdienstzeichen.
Eisen muss man schm ieden,
solange es heiß ist.
Nicht nur in seiner Werk-
statt, auch gemeindepoli-
tisch s cheute Wilhelm die
heiße n Eisen nicht. Es waren
Jahre des Umbruchs, des
Aufbruchs, in denen er für
die Gemeinde Doren aktiv
war: 1965 wurde er erstmals
in die Gemeindevertretung
gewähl t und wirkte dort bis
1990, 25 Jahre lang! Von
1970 bis 1980 stellte er sich
als Vizebürgerm ei ster zur
Verfügung.
In diesen J ahren wurden
weg- und zukunfts wei s ende
Projekte in Doren beschlos-
sen oder auf Schiene gebracht:
Er erinnert sich an die Diskussionen um den Standort der
Hauptschule mit den Anrainergemeinden, an den Bau des
Gemeindesaales, die Einrichtung eines Kindergartens,
aber auch an gesellige Zeiten.
Ausgelassene Fas ch i ngsumzüge (Wilhelm hat über 20 Um-
züge auf Filmrollen gebannt in seinem Archiv), elegante
Ball abende im Saal, seine aktive Zeit bei Feuerwehr und
Kirchenchor.
Vie les hat sich verändert in den l etzten 50, 60 Jahren, nicht
nur im Leben im Dorf, auch was das Handwerk angeht.
Wil helm bedauert, dass das künstlerische, s chöpferis che
Handwerk ve rloren geht. „Heute hat alles nur noch recht e
W inkel, ist gerade, ohne Individualität.“ Umso mehr freut
er sich über besondere Aufträge für Restaurierungsarbei-
ten an Schmiedewerken v e rgangener Epochen wie zuletzt
für das De uring Schlössle in der Bregenzer Oberstadt. Stolz
ist er auf viele seiner Werke, besonders seine kunstvoll ge-
schmiedeten Kreuze finden
sich auf vielen Friedhöfen in
V orarlb erg, D eutschl and,
Li echtenstei n und der
S chweiz.
Nach bes onderen Erlebnis-
sen gefragt , muss Wil helm
gar nicht weit zurückden-
ken: für die Ergän zung einer
Inschrift für ein Grabkreuz
aus Lindenberg mus ste we-
gen coronabedingter
Grenzschließungen die
Ü bergabe der Schrifttafel
auf der Kesselbachbrücke
in Langen erfolgen. „Wie in
den 1960er-Jahren der
Agentenaustausch zwi-
schen Ost- und Westberlin“
schmunzelt Wil helm ver-
schmitzt. Ein andermal
mus ste er mit einer Hufzan-
ge einen Ehering vom blut-
rot geschwollenen Finger
„zwicken“.
Und privat?
2012 feierte er mit seiner Ros-
witha Goldene Hochzeit, seine beiden Enkelinnen R icarda
und Ida-Sophie bereiten ihm viel Freude. Ricarda hatte ihn
schon als 10jähriges Mädchen oft und gerne auf seinen
Reisen quer durch Europa begleitet. Apropo s reisen: um
seinem zweiten Hobby , dem Surfen, nachgehen zu kön-
nen, bereiste er die Welt: Male diven, Dominikanische Re-
publik, Gran Canaria, Hurghada in Ägy pten, Kroatie n –
viele traumhafte Urlaube haben Wil helm und Roswitha
verbracht. Reisen ist mo mentan unmöglich. So verbringt er
jeden Tag in der Werkstatt, hilft da und dort mit und hofft,
dass er noch ein paar Jahre so we iterm achen kann.