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Full text: s'Dorer Blättle (2018-2020)

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REPORTAGE 9 
Bahnhof Bozenau 
Als das Eis enba hnfahren noch „nü“ und revolutionär war 
Das von allen europäischen Staaten 
am frühest en i ndustrialisier te England 
war der Geburtsort der Eisenbahn. 
Der ab 1730 gebräuchliche B egriff 
„railroad“ bezog sich aber nur auf 
den eisenbestückten Schienenweg 
selb st, auf dem anf änglich aus- 
sc h ließlich Güter tra nsportier t wur- 
den. Ende des 18. Jahrhunderts 
entst and die Idee, Dampf als An- 
triebsmittel – zunäc hst für Hebevor- 
richtungen im Bergbau - zu verwen- 
den. 1804 fuhr dann auf einer kurzen 
Bahnstrecke in Südwales die erste 
selbstfahrende Dampflokomotive. 
Von einem serienreifen Pr odukt 
k onnte nicht die Rede sein. Noch 
setzte man auf Pferdeantrieb. Die 
längs te Pferdeeisenbahn der Welt 
befand sich in der Donaumonarchie, 
sie führ te ab dem Jahr 1827 128 
Kilometer weit von Budweis nach Linz 
und beförderte auch schon Personen. 
Erstmals wurde 1825 in England die 
erste Dampflokomotive im P ersonen- 
verk ehr ei ng esetzt. 
Viele der erst en Bahnen waren 
Privatb ahnen, so auch in der Donau- 
monar chie. Sie verbanden ab Mitte 
des 19. Jahrhunderts zunäc hst die 
„Und d`Zuokumpft rumplot   
mit Gwault daher“ 
Zitat: Gebhard Wölfle, Gedicht zum Volksfest anlässlich   
der Eröffnung der Bregenzerwaldbahn im Jahr 1902 
im Jahr 1902 verfassten Gedicht schrieb: „Und 
D´Zuokumpt rumplot mit Gwault daher“, dann 
war diese Zukunf t im Vorarlberger Rheintal 
schon seit Jahrzehnten Realität. Die Entste- 
hungs zeit der BW-Bahn (ebenfalls zunäc hst 
eine Privatb ahn) fügt sich aber in eine zweite , 
österreichweite Welle der Erschließung von 
p eripheren Gebiet en an die Hauptstränge der 
Eisenbahnen ein. Damit kam eine Form von 
Mobilität in den Wald, die es davor nicht 
gegeben hatt e. Eine Mobilität, die für die 
zurückzul e gende Distanz nicht mehr von den 
natürlichen Ressourcen der Wanderenden oder 
der Zugtiere abhängig war, welche Zeit brauch- 
ten, um zu rasten und zu schlafen. Die Bahn 
bewirkte eine Schrumpfung der Dista nzen, 
auch wenn die Bregenzerwaldbahn mit rund 
25 km/h langsam gefahren ist und viele 
Gemeinden gar nicht unmittelbar an der 
Bahnlinie lagen. 
Die Bahn brachte für den Wald nicht nur den 
Anschluss an eine neue Zeit, sie brachte vor 
allem den Anschluss an eine allgemein gültige 
Zeitmessung.	Durch	die	schnelle	Überwindung	 
der Dista nz zwischen Abfahrts- und Zielor t 
waren die Eisenbahngesellschaften bestrebt, 
die Zeitmessung an beide n Orten zu ver ein heit- 
lichen, um einen reibungslosen Bahnbetrieb zu 
gewährleisten. Noch vor den meisten europ äi- 
schen Staaten führ ten die Bahngesellschaften 
die 1884 festgelegte mitteleurop äisc he Zeit in 
ihrem Streckennetz ein. Bis zum 1. W eltkrieg 
blieb die lok ale Zeitmessung davon unberührt. 
So zeigt en zwar die Uhren der BW-Bahn alle 
die gleiche , die mitteleuropäische Zeit an, die 
übrigen öffentlichen und privaten Uhren in den 
Gemeinden richte ten sich aber weiterhin nach 
der Lokalzeit. Um ein Beispiel aus Feldkirch zu 
nennen: zwischen der Feldkircher Bahnhofsuhr 
und der Turmuhr der Johanniterkirche war um 
1910 noch eine Zeitdifferenz von einer Viertel- 
s tunde. 
Foto - Quelle: BWA, II-005 Postkartensammlung: 
Bericht: Mag. Katrin Netter, MA (Archivarin BWA) 
großen, industrialisierten 
Ballungszentren. Im letzten 
Viertel des 19. Jahrhunderts 
wurde n in der Donaumon- 
archie viele Privatbahnen 
verstaatlicht und für Inve s- 
toren unrent able Projekte 
wie etwa der Bau der 1884 
eröffneten Arlber gb ahn 
durch den Staat übernom- 
men. Die 1872 eröffnete 
Eisenbahnstrecke Bludenz- 
Lindau hingegen wurde 
von einer Aktienges el l- 
s chaft erricht et, deren 
Initiator der F eldkirc her 
Handelskammerpräsiden- 
ten Carl Ganahl war .Die 
Zeitgenossen nahmen 
diese Ent wicklungen als 
Signum einer neuen Zeit 
wahr. Die Eisenbahn wurde 
zum Sin nbild einer neuen 
Form der Ökonomie, die 
auf einer noch rascheren 
V ernetzun g der Herkunfts- 
und Absatzmärkte von 
industriell gefertigten 
Produkten basierte. Wenn 
Gebhard Wölfle in seinem seinem
	        
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