92Wir
wollen nicht übersehen, daß wir diese Fälle aus dem
äuße ren Walgau (II) beibr ingen konnten. Hatten sich die Deutschen
auch im inneren Walgau (III) und im Planenland (IV)
mitten unter den Rätoromanen angesiedelt und waren sie auch
dort mit ihnen in vielfa chen Verkehr getreten, — zu Blutmischungen
ist es dort im 9. Jahrhundert jedenfalls noch nicht so häufig
gekommen wie im rätischen Grenzlande des deuts chen Rheingaue
s. So ist es uns durch die Gunst der Quell en ve rgönnt, in
jene Zeit zurü ckzusch auen, in der zum erstenmal auf
rätischem B oden, näml ich in der Landschaft
Rankweil zwischen Kummenberg und Schellenberg, die
Deutschen auch im Lebensbunde mit Romanen
an Boden gewinne n.
Das nunmehr gewonnene Bild läßt uns nun nicht mehr wie
bisher den deutschen Einfluß in U nterrät ien zur Karolingerzeit
unterschätzen. — Es kann uns auch nach alledem, was in dieser
Arb eit über die Bedeutung der div isio zwischen Bistum und
Grafschaft Chur gesagt wurd e,1) nicht wundernehmen, daß die
Deutschen bis zum Begi nne des 10. Jahrhunderts in unserem rätischen
Lande schon so viel Gewicht hatten.... Welche Zeit hätte
ihnen denn eine günstigere Gelegenheit geboten, sich einen Platz
unter der Sonne Rätiens zu verschaffen als gerad e zur Zeit der
kräftig einsetzenden deutschen Herrschaft im Lande! — Mit den
Deutsch en des 9. Jahrhunderts hält Karl der Große bei uns siegreichen
Einzu g und mit ihm die deutsche Geschichte . Ihr gehörte
die Zuk unft.
1) Siehe S. 12 ff, 41, 44 f., 49 f.