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Full text : Das karolingische Reichsgut in Unterrätien

44Und

nun ist es h öchst beachtenswert, daß gemäß der Ansicht
Schlüters1) Thüringen betref fend, bei uns der diluviale, auch
alluviale Boden wohl von vornherein waldlos es Land darstellr.
Dann die Linie, die wir als Waldgrenze auf Grund der ro manischen
Rodenamen von Fluren und Ö rtlichkeit en gezogen haben, stimmt
mit dem höchstgelegenen Rande des alten Terrassenbodens auf
die weit esten S trecken hin zusammen!

Auch der übrige geologische Befund bestätigt die Ursprünglichkeit
 der römisch-churischen oberen Siedlungs- und Wirtschaftsgrenze.
 Wir eri nnern uns noch, daß die römische Rodelinie z. B.
von Sennwald auf den Höhen weiter bis zum Grabserberge,
daß sie auch n ördlich Vaduz in viel höherer Lage als sonst sich
hinzieht....... 2) Wir k önnen uns das römisch-churische Waldbild
 vervollständigen, indem wir sagen: das Rheintal ist, sob ald
die Gebirge ansteigen , von Wäldern3) eingesäu mt. Aber in der
Gegend von Dornbi rn und südlich von Altstätten sowie in der
Gegend südlich von F eldkirch, nö rdlich von B uchs, nördlich der
Landquart und end lich im Walgau trete n sie zie mlich zur ück.
Denn hier sind durch das Du rch greifen des Flysch dem Waldwuchs
nicht so günstige Vorbedingungen gebo ten als dem Gras wuchs.

So viel über die obere ursprüngliche und zugleich römischch
 urische Siedlung s- und Wirtschaftsgrenze.

Wie steh ts nun mit der unteren ? Wir sprachen schon meh reremale
 von Flußbettwildnis und versumpften Flußläufen. Die
Fluß öde insbesondere des R heins war jedenfalls von nicht geringer
Ausdehnung. Hören wir, was Ammianus Marce llinus anläßlich
des Zuges des Kaisers Cons tantius II. im Jahre 354 darüber schreibt:
Der Rhein, zu förmlichem Strome gebildet, wühlt sich in
tief e, w e i t a b s t e h e n d e Ufer und fällt in einen run den
und breiten See, den die anwohnenden Räter Brigantia nennen,

1) Die Siedlungen im nord öst lichen Thüringen, ein Beispiel für die Behandlun
 g siedlungsgeographischer Fra gen. S. 159 f.

2) Vgl. S. 41.
3) In unserem vorarlbergisch-schweizerischen Rheingebiete in erster Linie
Nadelholz. Kaiser Tiberius läßt in Rätien, wie uns Plinius, nat. hist. XVI.
190 und 200, mitteilt, 120 Fuß lange Stäm me schlagen. Scala a. a. 0. 30
meint, er wird sich damals eben an unsere gewaltigen Lärche n erinnert haben,
die er für den Schiffsbau vor der Entscheidungsschlacht am 1. Augus t d. J. 15
vor Christus hatte bearbeiten lassen.
            
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