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Aus welchem Geist die Einstellung der Geschäfts
leitung zur Gefolgschaft gehören war, bezeugt die Überlieferung,
dass die damalige Arbeiterschaft von dem Vater der jetzigen Be
triebsführer, dem Gründer der Firmen Wilhelm Benger Söhne,Bregenz-
Wien, nicht als von ihrem "Chef" zu sprechen pflegte, sondern sie
nannte ihn - natürlich nicht in der Anrede - Vater. "Dr Vatter
kunnt ..........1" haben sie sich in unserer Mundart zugerufen und
nichts könnte das gute Verhältnis, das von jeher zwischen Betriebs
führung und Gefolgschaft bestanden hat, schöner charakterisieren
als dieser Ausspruch, verrät er doch die Herzlichkeit, mit der die
Leute am Inhaber der Firma hingen und es fand seine väterliche
Fürsorge ihr Echo in einer Betriebstreue und Betriebsverbundenheit,
die ihresgleichen suchte. Alte, längst pensionierte Arbeiter und
Arbeiterinnen erinnern sich heute noch mit grosser Wärme jener Zeit
und legen nach jahrelanger Ausscheidung ein Interesse an dem Wohl
und Wehe "ihrer" Firma dar, die nur echter Verwachsenheit entspringen
kann. Und das ist eigentlich die höchste Form betrieblichen Gemein
schaftsempfindens: sich - sei es als Leiter, sei es als Arbeiter -
als Teil des Ganzen zu fühlen, im Mitarbeiter seinen Kampradcm zu
sehen und mit dem Schicksal der Firma verbunden zu sein.
Diese von jeher soziale Haltung der Geschäfts
leitung dokumentierte sich auch darin, dass die Firma als erste in
ihrem Umkreis schon lange vor dem Weltkrieg Urlaube gegeben und
für Angestellte Lebensversicherungen bezahlt hat, ausserdem später
alten oder arbeitsunfähig gewordenen Gefolgschaftsmitglieder Renten
bewilligte. Überhaupt liess sie sich das Wohl der Belegschaft
immer sehr angelegen sein, sorgte von Anbeginn für schöne,lichte,
luftige und gesunde Arbeitsräume, die auch den heutigen Anforderun
gen noch durchaus entsprechen. Was heute, zum Nutzen der Allgemein
heit, vielfach erst angestrebt wird,die Bildung einer richtigen