Die Industriesiedlungen der Firma F. R. Hämmerle
9. seiner „OSermania” berichtet det tömisöhe Gesthithtoschreibet Saritus über die 2Bobnatt Det alten
Germanen: „Daß die germanischen Völker feine Städte bewohnen, is altbekannt. Nicht einmal zusammenhängende
Wohnungen dulden sie, sondern siedeln einzeln und abgesondert, wo einem gerade
eine Quelle, ein Hain, eine Wiese gefällt. Ihre Weiler bestehen nicht nach unserer Sitte aus verbundenen
und zusammenstoßenden Gebäuden, vielmehr umgibt jeder sein Haus mit einem Hofraum, sei es
wegen der Feuersgefahr, sei es aus Unkenntnis einer anderen Bauweise."
Die Bauweise, die Tacitus auf deutschem Boden fand, is bei den Alemannen in gewissem Sinne
heute noch üblich. Sogar in alemannischen Städten wie Dornbirn findet man heute noch keine einzige
Straße oder Gasse mit zusammenhängenden Häuserreihen.
Obwohl Vorarlberg vor allem ein Industrieland ist, hat es die seßhafteste Bevölkerung aller österreichischen
Bundesländer. Eine Überfremdung der Haupt- und Industriestädte wie in allen Ländern östlich des
Arlbergs mit 60 bis 70 v. H. Zugereisten is in Vorarlberg unbekannt. Ebenso kennzeichnend für das
Land ist, daß der Anteil der Vorarlberger an der Wohnbevölkerung in den anderen Bundesländern
niedriger is als der aller Nichtvorarlberger. Der Alemanne in Vorarlberg entschließt sich nicht so leicht,
seine Heimatgemeinde oder gar sein Heimatland zu verlassen, wie der bajuwarische Österreicher. Er will
daheim bleiben und zwar schon deshalb, weil er ein Haus hat. Im Jahre 1869 gab es in Vorarlberg
20.033 Häuser und 23.439 Wohnparteien, im Jahre 1934 zählte man 28.907 Häuser und 35.484
Haushaltungen.
Sombart bezeichnete unlängst die Großindustrie als ein, wenn auch notwendiges, Übel. Sie könne
nicht als deal gelten, weil in ihr die Arbeit des einzelnen nie segenspendend und beglückend werde.
Wesentlich sei, daß der Mensch wieder in der Arbeit seinen Lebensinhalt finde. Das geschehe in der
naturverbundenen Landwirtschaft, aber auch im Handwerk. Es sei vor allem die Entstädterung des
Volkes anzustreben. Alles, was für die Siedlung und im besonderen für die Vermehrung des Bauernstandes
geschehe, sei nicht hoch genug einzuschätzen.
Das, was man in den letzten Jahren mit der Umsiedlung und Verländlichung der Bevölkerung anderswo
anstrebt, is in Vorarlberg bereits vorhanden. Aus den Arbeitern und Arbeiterinnen, die in den
Spinnereien und Webereien im Rhein- und Illtal tätig sind, braucht man nicht erst Siedler zu machen
und sie wieder mit dem Acker zu verbinden, sie haben nie in Zinskasernen oder Elendsvierteln gewohnt,
sondern in hübschen Einfamilienhäusern mitten in einem Garten. Auch die Mehrfamilienhäuser haben
stets für jede Familie ein eigenes Stiegenhaus und einen eigenen Gartenanteil.
Die Industrie hat ihre Hauptsitze vor allem in Großstädten, die Werner Sombart einmal trefflich als
Siedlung gegen die Natur gekennzeichnet hat. Die Industriearbeiter in den großen Städten haben 38