zehn Hektar, 3 Prozent über 20 Hektar. Nach Barnabas Fink können als Bauern im eigentlichen
Sinne nur jene gelten, die mit ihrer Familie von der Landwirtschaft leben. Für die Erhaltung einer
Familie mit fünf bis sechs Köpfen rechne man bei der Anspruchslosigkeit der bäuerlichen Bevölkerung
mit fünf Kühen und drei Stück Jungvieh. Aber selbst bei solchen Familien suche man einen Nebenverdienst.
In einer Untersuchung über die Besitzverteilung und Bodenfrage der Landwirtschaft in
Vorarlberg kam Staatsrat Dr. Wilhelm Mohr 1935 zu folgendem Ergebnis: Wir sind in eine Zetsplitterung
des Grundbesitzes hineingeraten, deren Teile für die Erhaltung einer Familie nicht mehr
ausreichen. Diese Grundbesitzer sind daher bereits auf einen mehr oder weniger ergiebigen Verdienst
aus industrieller oder gewerblicher Arbeitnehmertätigkeit angewiesen. Besonders auffallend sind die
Kleinbesitzer im Bezirke Dornbirn, so daß dort zu einem guten Teile die Bewirtschaftung des Bodens
als eine zusätzliche Beschäftigung zu dem Verdienste aus einem Hauptberufe gewertet werden kann.
Schon vor 150 Jahren, als die Handweberei in Dornbirn aufkam, konnte der Kleinbauer aus dem
Ertrage seines Besitzes die Familie nicht ernähren, er war auf einen Nebenerwerb angewiesen. Auf
dem natürlichen Lebensraum Dornbirns könnten nac Dr. Gsteu bei der besten Ausnützung der Bodenfläche
in der Landwirtschaft etwa 3500 bis 4000 Menschen leben. Was diese Zahl übersteigt, gründet
sein Dasein auf andere Erwerbsquellen. Nach ihren landwirtschaftlichen Verhältnissen würde der Stadt
Dornbirn eine Volksdichte von 30 bis 40 zukommen. In Wirklichkeit beträgt sie rund 140. Es leben
also mehr als 100 Dornbirner auf dem Geviertkilometer vom Erwerb aus der Industrie und dem Verkehr.
Soziales Wirken
Q.m bat in den letten Sahren Diel Davon gesprochen. Daß mal eine Verbundenheit ZWisöhen dem
Arbeiter und Unternehmer herstellen müsse. Man hat sich auc da und dort redlich Mühe gegeben, den
Klassenkampf abzubauen und ein besseres Einvernehmen zu schaffen. Es mag sein, daß anderswo zur
Erreichung dieses Zieles, zur Beseitigung der alten Gegensätze und zur Erlangung des Wirtschaftsfriedens
neue Wege einzuschlagen sind. In Vorarlberg is dies in den meisten Fällen nicht nötig, hier
haben sich niemals jene starken sozialen Gegensätze entwickelt, die in anderen Industrieländern zur Kluft
zwischen dem proletarischen Arbeitnehmer und dem rücksichtslosen Arbeitgeber geführt haben.
Unter den Ländern mit ausgedehnter Großindustrie nahm Vorarlberg immer eine Sonderstellung ein.
Hier war kein Boden für die Marx’sche Lehre von der Verelendung der Massen, die anderswo so viel
Unheil gestiftet hat. Diese Tatsache is vor allem in der sozialen Einstellung der Vorarlberger Unternehmer
und der überwiegenden Bodenständigkeit der Arbeiterschaft begründet. Die Bemühungen der
Firma zur Schaffung guter Wohnverhältnisse für ihre Angestellten und Arbeiter haben wir schon ge- 40