drei Altären ausgestattet. Den Kongregationsaltar stiftete der Herzog
von Parma, dessen Sohn Prinz Sixtus im Jahre vorher seine Maturitätsprüfung
an der Stella abgelegt hatte. Die übrige Restauration war eine
Jubiläumsgabe des Altstellaners Grafen Josef von Arco-Zinneberg.
Im Jahre 1912 schenkte Ihre kaiserliche Hoheit Erzherzogin Marie
Valerie für die Kapelle eine Monstranz und für die große Zöglingskapelle
ein kostbares Ziborium zum Danke für den Abschluß des Studiums ihres
ältesten Sohnes Erzherzog Franz Karl.
Veränderungen im Altbau
Dadurch, daß im Neubau alle Klassen, je zwei Schlaf- und Spielsäle
und die großen Gemeinschaftsräume Kapelle und Theatersaal untergebracht
waren, hatte man im Altbau nicht allein viel Platz gewonnen, sondern es
konnten die Räume noch günstiger zusammengelegt werden. Das galt vor
allem für den östlichen bisherigen K1assenf1üge 1. Er wurde ganz
der Ordensgemeinde zugewiesen. Eine Zweiteilung der Klassen ergab
geräumige, durch ein großes Fenster belichtete Wöhnzimmer für die einzelnen
Patres. Sie hatten ja bisher zumeist in engen „Zellen" und über
alle Teile des Hauses verstreut gewohnt. Denn nach einem löblichen
Grundsatz, von dem sich die Stella von Beginn an leiten ließ, genossen
beim Ausbau des Kollegs wie bei der Ausgestaltung seiner Räumlichkeiten
die Zöglinge den Vorrang: die Patres sollten und wollten sich mit
bescheidenen Ansprüchen zufrieden geben. Auch der P. Rektor hatte mit
nichten eine „Abtswohnung", und noch P. Schäffer und P. David bewohnten
als Generalpräfekten ein schmales Zimmer, das eben für Pult und
Betschemel Platz hatte und gerade breit genug war, um nötigenfalls mit
dem Tatzenleder ein wenig ausholen zu können. Von nun ab wohnten die
Patres Professoren dem Lärm der stürmischen Jugend mehr entrückt und
genossen, da fast alle Zimmer gegen die 111 zu lagen, freien Ausblick auf
Wald und Wiesengrün des Reichenfeldes. Diese Vorteile wogen reichlich
den längeren Weg auf, den nun die Professoren in die Schule machen
mußten, ganz abgesehen davon, daß solche das Stilleben eines gelehrten
Ordensmannes unterbrechende Gänge nur günstig auf das leibliche und
seelische Wohlbefinden einwirken konnten. Die Zöglinge stellten auch
bald fest — denn das Auge der Jugend beobachtet scharf —, wie die
abgehärtetsten unter den Vätern über die zugige offene Brücke zur Schule
wanderten, andere den Weg über die geschützte gedeckte Brücke vorzogen,
der eine oder andere empfindlichere selbst die freie Altane mied
und in winterlicher Zeit den Gang durch das Zöglingsrefektor wählte. Im
Dachgeschoß des Ostflügels, dem früheren Schlafsaal des II. Pensionates,
baute man kleine Schlafzimmer für die Brüder ein; ins große Studium des
Erdgeschosses wurde die Hausbibliothek übertragen; sie war im letzten
Jahrzehnt infolge des zahlenmäßig wie wissenschaftlich gehobenen Lehrkörpers
sehr angewachsen und konnte nun übersichtlicher und zugänglicher
angeordnet werden. Der alte „Klassenflügel" war so zum „Patresflügel"
umgetauft und es fand endlich auch eine Vorschrift des Kirchen- 98