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Full text : 100 Jahre Stella Matutina. 1856-1956

unterliegenden Schlafsäle erhöhen und verbessern und eine Krankenabteilung
 schaffen, die der vermehrten Bubenschar und den gesteigerten
hygienischen Anforderungen der neuen Zeit entspräche. So kam es zu
einem völligen Um- und Hochbau. Das mußte in den ein wenig verlängerten
 Sommerferien geschafft werden. Am 1. Juli 1912 setzte die Arbeit ein.
Sie war der Baufirma Gebrüder Hilti übertragen. Bis auf die Decke des
zweiten Stockwerkes wurde der ganze Mittelbau abgetragen und drei
neue Stockwerke von größerer Höhe als bisher aufgesetzt. Der zweite
Stock, der bisher als Wäschekammer und Krankenabteilung gedient hatte,
wurde mit Hinzunahme des Ganges auf der Illseite in einen Schlafsaal
umgewandelt, der nun von beiden Seiten durch vermehrte und vergrößerte
Fenster Licht und Luft erhielt. Die beiden darüberliegenden Stockwerke
wurden gleichfalls Schlafsäle mit einer Fläche von ca. 40X20 m und 4.70 m
Höhe. Die Decken ruhten auf massiven Tragsäulen und mächtigen
T-Trägern. Diese Schlafsäle konnten bei breiten Zwischengängen 87 Alkoven
 aufnehmen; sie hatten außerdem nach Westen hin noch je drei
Zimmer für solche Schläfer, die durch ihre Gewohnheit des Schnarchens
die übrigen nicht stören sollten. Das ganze fünfte Stockwerk endlich wurde
im Verlaufe des Jahres als Krankenabteilung eingerichtet und
konnte mit Fug und Recht ein kleines Spital, getrennt vom übrigen Betrieb,
 genannt werden. Es hatte vier Säle für die Kranken zu vier, sechs
und acht Betten, so daß Kleine und Große getrennt gehalten werden
konnten; einen großen Kuppelsaal, zwei Säle für Rekonvaleszenten, einen
Speisesaal und eine Apotheke. Mitten hindurch führte ein breiter Gang,
gegen den die Säle mit Glas abgeschlossen waren. Am Westende lagen
Arztzimmer mit Warteraum, am Ostende eine hübsche Krankenkapelle
und drei Zimmer für Schwerkranke. Daneben noch drei kleine Zimmer
für erkrankte Hausdiener, Bad und Toilette.

Die Krankenabteilung war für alle Bewohner des Kollegs da: Ordensgemeinde,
 Zöglinge und Diener. Damit endlich für alle Fälle vorgesorgt
war, wurde im Mansardenteil über der Krankenabteilung noch eine Anzahl
von Zimmern mit allem Zubehör für Infektionskranke eingerichtet.

An dieser Stelle muß auch jener Männer gedacht werden, die im Laufe
der Jahrzehnte als Hausärzte enge mit dem Kolleg verbunden waren.
Es waren ihrer in den ersten 80 Jahren nur drei. Vom ersten Tage des
neueröffneten Kollegs an hat sich Dr. Greußing über 40 Jahre lang nicht
nur durch seine ärztliche Kunst, sondern auch durch seinen Einfluß in der
Stadtgemeinde gerade in den Schwierigkeiten der ersten Jahre als treuer
Freund und tatkräftiger Helfer erwiesen. Obwohl er nach glänzendem
Doktorexamen in Wien gute Aussicht hatte, als Leibarzt des jungen
Kaisers Franz Josef berufen zu werden, zog er sich in seine Heimat Feldkirch
 zurück. Als er sein fünfzigjähriges Doktorjubiläum beging, feierte
ihn die Stella Matutina mit einem Festmahl auf Garina: die Musik der
Buben spielte dazu und die Patres begrüßten den Jubilar in deutschen,
lateinischen und griechischen Gedichten; denn der Doktor war auch ein
ausgezeichneter Kenner und Liebhaber der edlen Sprache des großen
Vaters der Ärzte, des Hippokrates. Als dann Dr. Greußing hochbetagt im 100
            
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