accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text : 100 Jahre Stella Matutina. 1856-1956

umzugehen und ihm auf tausend neugierige Fragen und Einfälle eine
Antwort zu geben. Als Klempner flickte er alles, verbeulte Kaffeekannen
wie zerblasene Musikinstrumente. Dabei dirigierte er den Gesangschor
der Diener und der Jünglingskongregation von St. Johann und übte einen
außerordentlichen Einfluß auf die Diener aus. Alle drei Männer bewährten
sich auch als eifrige Sodalen der marianischen Kongregation, waren Mitglieder
 der Vinzenzkonferenz, kurz sie hatten den Wert der dienenden
Liebe lebendig erfaßt und in ihrem langen Leben dargestellt. Aber das
sind nur drei unter den vielen anderen, die im St.-Josephs-Haus durch
Jahrzehnte das Ora mit dem Labora übten und die religiöse Einstellung
des Hauses wahrten und pflegten. Darum hat der göttliche Sämann so
manches Samenkorn der Berufung ausgestreut und es ist gut aufgegangen:
denn in den über 80 Jahren (bis 1938) haben 112 Diener aus der Stella
Matutina den Weg ins Noviziat der Gesellschaft Jesu gefunden, neben
25 anderen, die in andere Orden eingetreten sind.

Wirtschaftliche Lage

Die wirtschaftliche Lage des Kollegs konnte in dieser Periode sichtlich
aufleben. Die steigende Zahl der Zöglinge brachte eine größere Rentabilität
 des Betriebes. Die landwirtschaftlichen Erträge im Reichenfeld und auf
Garina erhöhten sich unter der kundigen Leitung von vier Ministern
(P. Amstad, von Schorlemer, Steenaerts und Villiger), von denen drei je
sieben Jahre, P. Schorlemer neun Jahre, ihres Amtes walteten, und die
Zeiten waren bis 1914 im ganzen ruhig. Daher konnte Jahr um Jahr eingespart
 werden, um das Kolleg nicht nur baulich in gutem Zustande zu
halten, sondern auch die Neu- und Umbauten zu bestreiten. Schadenskatastrophen
 wurden leichter als früher überwunden, wie der Brand der
Garinaökonomie im Juli 1905 oder die beiden Illüberschwemmungen von
1910 und 1918. Bei einer Gelegenheit sah sich die Verwaltung bzw. Leitung
des Kollegs genötigt, sich gegen eine allzuschwere Belastung seiner
Wirtschaft zur Wehr zu setzen. Jahre hindurch hatte man dem Kolleg
eine, noch dazu enorm hohe Erwerbsteuer auferlegt. Von einem
kundigen Rechtsanwalt beraten, erkannte die Kollegsverwaltung eine
solche Steuer als unzulässig und ergriff 1912 dagegen Rekurs. Der Oberste
Verwaltungsgerichtshof in Wien erklärte denn auch die Besteuerung des
Kollegs als Erwerbsgenossenschaft für gesetzwidrig und gab dem Kolleg
recht. Dieser Fall genügte, um die Stella Matutina in der freisinnigen und
sozialistischen Presse wochenlang zur Zielscheibe erbittertster und vielfach
 auf Verleumdungen gestützter Angriffe zu machen. „Man könne es
nicht verwinden", hieß es da, „daß die Stella Matutina, in welcher kaiserliche
 und sonstige Prinzen und Söhne adeliger und sonstiger wohlhabender
Familien hohe Pensionen bezahlten, als eine Art Wohltätigkeitsanstalt
Steuerfreiheit genieße." Nun war aber nicht von Steuerfreiheit, sondern
nur von Freiheit von einer der vielen Steuern, die man zahlte, die Rede,
nämlich der im Widerspruch mit der österreichischen Gesetzgebung auferlegten
 Erwerbsteuer. Dieser Steuer unterlagen aber nur solche Betriebe, 106
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.