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Full text : 100 Jahre Stella Matutina. 1856-1956

Der Erste Weltkrieg

In den vier Jahren 1914—1918 vermochte das Kolleg trotz mancher
Hindernisse, die sich im Verlaufe des Krieges mehrten, wie die erschwerte
Verpflegung, die Einberufung mancher Brüder und Diener zu den Waffen,
den Betrieb in Schule und Internat aufrecht zu erhalten.

Die Zöglingszahl, anfänglich noch 430, sank zu Beginn des zweiten
Kriegsjahres auf 409 herab und hielt sich in den folgenden Jahren etwa
auf der Höhe von 370. Dank dem großen Entgegenkommen der Heeresverwaltung
 wurde das Kollegsgebäude selbst davon verschont, ein Lazarett
aufzunehmen. Nebengebäude stellte es deshalb gerne zur Verfügung. Im
Jahre 1915 bezogen die ehrwürdigen Kreuzschwestern, deren St.-Josephs-Institut
 auf dem Ardetzenberg als Kriegslazarett eingerichtet wurde, mit
ihren Zöglingen die beiden Häuser im Reichenfeld. Im gleichen Fall fanden
die ehrwürdigen Sthulbrüder des Lehrerseminars Aufnahme im Landhaus
Garina (und im Exerzitienhaus). Zwei Patres, Josef Thüssing und Hubert
Kroppenberg, widmeten sich freiwillig der Seelsorge in den verschiedenen
Verwundetenlazaretten der Stadt. Als nach Kriegsausbruch eine Anzahl
von Professoren am Feldkircher Staatsgymnasium zur Waffe eingezogen
wurde und dadurch Lücken entstanden, sprangen mehrere Professoren der
Stella hilfreich ein und übernahmen Schulstunden am Gymnasium, wie
P. München und P. Hermann Koch in Mathematik und Physik, P. Hopfner
in Italienisch, P. Theissen in Naturgeschichte.

Ein beträchtlicher Teil der Schüler der Oberklassen wurde im Laufe
der Kriegsjahre aus den Studien zu den Waffen gerufen; sie konnten teils
vor ihrem Einrücken die Kriegsmatura ablegen oder in Urlaubspausen sich
den Prüfungen unterziehen. Von den aktiven Stellanern sind 20 gefallen;
weit größer war die Zahl der Altstellaner, die im Kriege ihr Leben
opferten. Die Namen aller dieser 196 Helden — so viele sind im Kolleg
bekannt geworden — wurden auf vier Tafeln aus cararischem Marmor
eingegraben. Am hohen Pfingstfeste 1927 fand die feierliche Enthüllung
und Einsegnung dieses Kriegerdenkmales vor der Kapelle statt;
in der nachfolgenden Gedächtnisfeier im Theatersaal sprach der Landeshauptmann
 Dr. Otto Ender, gleichsam im Geiste der Gefallenen, über Staat
und Kirche, über die Toten und unser rechtes Verhältnis zu jenen höchsten
gottgewollten Gewalten.

Die zahlreichen Feldpostbriefe von Altstellanern, von denen die Steliahefte
 1915—1919 eine Auswahl enthalten, geben, gerade weil sie vom
unmittelbaren Empfinden eingegeben und so naturwahr gehalten sind,
unbewußt ein ergreifendes Zeugnis, wie tief diese jungen Helden die
Grundsätze ihrer Jugenderziehung und insbesondere die Andacht zu Maria
in sich aufgenommen hatten. So schreibt einer aus der Schlacht in Flandern:
 „Sollte ich nicht lebend diesem furchtbaren Kampfe entgehen, so bin
ich froh, im Himmel um so früher zu Gottes Ehren und seiner heiligen
Mutter zu sein. Ich weiß, was man mir in Feldkirch gegeben; denn in
schwersten Stunden war ich ruhig. Die geradezu furchtbaren Anstrengungen
 in Wasser, Schnee und Schlamm habe ich wie nichts überstanden, der 108
            
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