Körper war abgehärtet und gewöhnt, eine glänzende Folge der Feldkircher
körperlichen Erziehung. Tiefen Dank der Anstalt und ihren Lehrern! Jetzt,
da jeder Atemzug der letzte sein kann, wird man tief mit Gott verbunden."
Aus der Schwarmlinie der Russen schreibt ein anderer: „Betonen will ich
meine tiefe Dankbarkeit gegen den lieben Gott, daß er mich meine Jugend
in den geheiligten Mauern der Stella Matutina verbringen ließ, wo mir
von den Patres der Grundstock gelegt wurde zu all jenen Eigenschaften
und Tugenden, mit denen man allein diesen Schrecknissen entgegentreten
kann." Auf das Titularfest der Kongregation schreibt ein Offizier am
8. Dezember 1917: „In Schnee und Eis bei einem scharfen Ostwind wan
derte ich am Tage unseres Titularfestes die Stellung entlang. Mit den
Gedanken war ich in der trauten Kongregationskapelle, nahm im Geiste
an der gemeinsamen Kommunion teil und um so inniger flehte ich zu
meiner Herrin, da mich die Pflicht des Soldaten von der stillen Sodalen-
messe wegrief . . . mit dem Schwur, auch fernerhin treu zur Fahne Mariens
zu stehen." Es war der letzte Festgruß des Offiziers.
Mitten in die Kriegsjahre fiel auch der Kaiserbesuch. Am Mor
gen des 5. Juni 1917 traf der jugendliche Kaiser Karl mit seiner Gemahlin
Zita in Feldkirch ein. Vor der Pfarrkirche, wo der hochw. Bischof Sigis
mund Waitz mit Klerus und Behörden die Majestäten begrüßten, gingen
diese zu Fuß durch die Reihen der Kinder, Schüler und des Volkes zur
Stella Matutina. An der Pforte begrüßte P. Rektor Richard, von den Patres
umgeben, das kaiserliche Paar; es folgte die Begrüßung durch die Zöglinge
im Theatersaal und ein Gang durch die Räume des Kollegs. Als der Kaiser
unter anderem auch die Frage stellte, wie es um die alten Zöglinge stehe,
gab P. Rektor Bescheid und fügte bei: „Gott sei Dank dürfen wir sagen,
daß die alten Zöglinge sich treu bewährt haben." Darauf erwiderte der
Kaiser: „Das will ich gerne glauben. Wer ein religiöses Fundament hat
und religiös bleibt, der stellt überall seinen Mann!"
Der Schulbetrieb
Im Schulbetrieb kam der Aufbau des österreichischen Gymnasiums
nach dem staatlichen Lehrplan zur Vollendung. Im Schuljahre 1891/92
waren die Klassen des Untergymnasiums alle mit staatlich geprüften Lehr
kräften besetzt, und der Landesschulinspektor von Innsbruck, Herr Chri
stian Schneller, zu dessen Amtsbereich damals auch die Vorarlberger
Mittelschulen gehörten, unterzog den Unterricht zweimal einer eingehen
den Inspektion. Er tat es ebenso gründlich wie wohlwollend. Auf
seine Berichte hin erfolgte durch hohen Ministerialerlaß vom 27. Februar
1892, Zahl 1610, die Verleihung des Öffentlichkeitsrechtes für das Privat-
Untergymnasium unter Voraussetzung der Erfüllung der gesetzlichen
Bedingungen auf die Dauer von drei Jahren. Jahr um Jahr kam nun der
Inspektor zur Besichtigung auch der nachfolgenden Klassen. Am 24. Januar
1895 wurde das Öffentlichkeitsrecht auf die 7., am 10. Januar 1896 auf die
8. Klasse ausgedehnt mit dem Recht, Maturitätsprüfungen mit den ein
geschriebenen internen Schülern abzuhalten und ihnen staatsgiltige 109