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Full text: 100 Jahre Stella Matutina. 1856-1956

aus der Geschichte der Philosophie (sein Standard-Werk über Spinoza) 
und Pädagogik. Die beiden Professoren der Naturgeschichte, P. Richen und 
P. Rompel, haben manche Arbeiten aus dem Gebiet der Botanik, zumal 
der einheimischen, veröffentlicht. 
Erziehungstätigkeit 
Für die Erziehung an der Stella Matutina war es gewiß ein Segen, 
daß zwei Patres über dreißig Jahre lang das Amt des General­ 
präfekten innehatten und damit eine glückliche Stetigkeit gewähr­ 
leisteten. Auf P. Karl Schäffer, der von 1882 an bis zur Übernahme des 
Rektorates 1898 dem Internate vorstand, folgte P. Anton David und 
führte das Amt, mit der kurzen Unterbrechung seines dreijährigen Rekto­ 
rates (1904—1907), bis zum Kriegsende 1919 weiter. Dieser lückenlose 
Zusammenhang brachte eine ruhige, feste Linie in das Leben des Kollegs 
und bewahrte vor übereilten neuen Experimenten, zu denen in jenen 
Jahren die aufstrebende pädagogische Psychologie allzuleicht verführen 
konnte. Denn so verschieden auch die Naturanlage der beiden Männer 
war, des lebhaften, kräftig-gesunden und weltgewandten P. Schäffer und 
des ernsten, von einem chronischen Kopfleiden geplagten Westfalen 
P. David: beide leiteten die Schar der Buben und schulten die jungen 
Präfekten im Geiste des Hauses, wie sie ihn in langer Erfahrung gewonnen 
und schätzen gelernt hatten. P. David hatte von der Pike auf gedient, 
mit der untersten Karriere eines Gangpräfekten anno 1878 begonnen, 
darauf verschiedene Divisionen und zuletzt seit 1884 die Großen des 
I. Pensionates geleitet. Er gehörte zu den „strengen Patres"; zumal im 
Anfang der Begegnung flößte der Mann wohl eher eine gewisse Furcht 
ein und mancher Junge hat unter seiner herben Art sich schwer getan 
und den Weg zum verborgenen Wohlwollen des P. Präfekten lange nicht 
gefunden. Aber die meisten schätzten und liebten ihn, wenn sie ihm näher­ 
treten konnten. Weil er selbst das Beispiel selbstloser, unerbittlicher 
Pflichttreue gab, versöhnte er sie, Präfekten wie Buben, mit den Forderun­ 
gen, die er an sie stellte. Wo aber einer wirklich Trost nötig hatte, mochte 
es Kreuz in der Familie, unverschuldeter Mißerfolg oder innerer Kampf 
sein, so fand er bei P. David Verständnis und Trost. Wie er die Aufgabe 
eines Großinternates wie der Stella ansah, hat er des öftern geäußert: 
„Für die erdrückende Mehrheit der Jugend hier im Hause reicht die Hilfe 
aus, welche die alterprobte Tages- und Hausordnung, die durch die Über­ 
lieferung überkommenen Gebräuche betreffend Kapelle, Schule, Haus und 
Spielplätze vermitteln. Es bleibt ein kleiner Rest, den man keinen Augen­ 
blick aus dem Auge verlieren darf und dem unsere ganze Arbeit, Sorge, 
Liebe und Geduld und vor allem unser Beten und Opfern gewidmet sein 
muß." Er wußte wohl, daß das beste Kolleg ein Vaterhaus niemals ersetzen 
kann; aber auch, daß dort, wo das Kind doch einmal hinaus muß, ein hoch­ 
wertiger Ersatz geboten wird, wo Klugheit, christliche Opferfreudigkeit 
und gottgeweihte Pflichttreue sich in den Dienst der Erziehung stellen. 
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