aus der Geschichte der Philosophie (sein Standard-Werk über Spinoza)
und Pädagogik. Die beiden Professoren der Naturgeschichte, P. Richen und
P. Rompel, haben manche Arbeiten aus dem Gebiet der Botanik, zumal
der einheimischen, veröffentlicht.
Erziehungstätigkeit
Für die Erziehung an der Stella Matutina war es gewiß ein Segen,
daß zwei Patres über dreißig Jahre lang das Amt des General
präfekten innehatten und damit eine glückliche Stetigkeit gewähr
leisteten. Auf P. Karl Schäffer, der von 1882 an bis zur Übernahme des
Rektorates 1898 dem Internate vorstand, folgte P. Anton David und
führte das Amt, mit der kurzen Unterbrechung seines dreijährigen Rekto
rates (1904—1907), bis zum Kriegsende 1919 weiter. Dieser lückenlose
Zusammenhang brachte eine ruhige, feste Linie in das Leben des Kollegs
und bewahrte vor übereilten neuen Experimenten, zu denen in jenen
Jahren die aufstrebende pädagogische Psychologie allzuleicht verführen
konnte. Denn so verschieden auch die Naturanlage der beiden Männer
war, des lebhaften, kräftig-gesunden und weltgewandten P. Schäffer und
des ernsten, von einem chronischen Kopfleiden geplagten Westfalen
P. David: beide leiteten die Schar der Buben und schulten die jungen
Präfekten im Geiste des Hauses, wie sie ihn in langer Erfahrung gewonnen
und schätzen gelernt hatten. P. David hatte von der Pike auf gedient,
mit der untersten Karriere eines Gangpräfekten anno 1878 begonnen,
darauf verschiedene Divisionen und zuletzt seit 1884 die Großen des
I. Pensionates geleitet. Er gehörte zu den „strengen Patres"; zumal im
Anfang der Begegnung flößte der Mann wohl eher eine gewisse Furcht
ein und mancher Junge hat unter seiner herben Art sich schwer getan
und den Weg zum verborgenen Wohlwollen des P. Präfekten lange nicht
gefunden. Aber die meisten schätzten und liebten ihn, wenn sie ihm näher
treten konnten. Weil er selbst das Beispiel selbstloser, unerbittlicher
Pflichttreue gab, versöhnte er sie, Präfekten wie Buben, mit den Forderun
gen, die er an sie stellte. Wo aber einer wirklich Trost nötig hatte, mochte
es Kreuz in der Familie, unverschuldeter Mißerfolg oder innerer Kampf
sein, so fand er bei P. David Verständnis und Trost. Wie er die Aufgabe
eines Großinternates wie der Stella ansah, hat er des öftern geäußert:
„Für die erdrückende Mehrheit der Jugend hier im Hause reicht die Hilfe
aus, welche die alterprobte Tages- und Hausordnung, die durch die Über
lieferung überkommenen Gebräuche betreffend Kapelle, Schule, Haus und
Spielplätze vermitteln. Es bleibt ein kleiner Rest, den man keinen Augen
blick aus dem Auge verlieren darf und dem unsere ganze Arbeit, Sorge,
Liebe und Geduld und vor allem unser Beten und Opfern gewidmet sein
muß." Er wußte wohl, daß das beste Kolleg ein Vaterhaus niemals ersetzen
kann; aber auch, daß dort, wo das Kind doch einmal hinaus muß, ein hoch
wertiger Ersatz geboten wird, wo Klugheit, christliche Opferfreudigkeit
und gottgeweihte Pflichttreue sich in den Dienst der Erziehung stellen.
-.‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘! 117