IV. VOM AUFBAU DER DEUTSCHEN
AUSLANDSSCHULE BIS ZUR SCHLIESSUNG
DES KOLLEGS 1919-1938
Die Nachkriegszeit
Die beiden Jahrzehnte, die zwischen dem Ende des Ersten Weltkrieges
und der Schließung des Kollegs lagen, waren durch einen kurzen Niedergang
und den darauf folgenden neuen Aufbau gekennzeichnet. Er führte
mit der Anerkennung des deutschen Gymnasiums seitens des Deutschen
Reiches zu einer kurzen Hochblüte, einem Doppelgymnasium mit 500
Zöglingen. In dieser Periode lag die Leitung der Stella Matutina in der
Hand von vier Rektoren: P. Theobald Fritz (1917—24) mußte die harten
Notjahre nach dem Kriege durchhalten, seine beiden Nachfolger P. Franz
von Laßberg (1924—28) und P. Josef Knünz (1928—34) durften den glücklichen
Aufstieg erleben, P. Augustin Rösch (1934—35), der nach einem
Jahre zur Provinzleitung berufen wurde, hatte das Kolleg auf die durch
den Abzug der deutschen Buben verkleinerten neuen Verhältnisse umzustellen;
P. Fritz endlich, zum zweitenmal Rektor (1935—38), wurde das
schwere Kreuz auferlegt, seine liebe Stella nicht retten zu können.
Gleich zu Beginn des neuen Schuljahres nach Ende des Krieges, im
Oktober 1918, suchte eine schwere Grippe das Haus heim und
dauerte in ihren Nachwirkungen bis in den Monat Dezember hinein. Die
Krankheit ergriff mehrere Patres und über 140 Buben; sie forderte zwei
Todesopfer unter den jungen Präfekten, Fr. Anton von Degenfeld und
Fr. Bellwald, und eines unter der Jugend, Helmut Spielberger aus Bludenz.
Die Schule mußte vom 12. bis 21. Oktober geschlossen werden. Zu gleicher
Zeit gingen wilde Gerüchte um über Einmarsch der Italiener nach Vorarlberg
und Plünderungen, so daß manche Eltern besorgt sich bewegen
ließen, ihre Kinder heimzuholen. Überaus schwierig war die Verpflegung
der 400 Buben. Zwar erwarb sich der P. Prokurator Iwan Steenaerts
die größten Verdienste dadurch, daß er immer wieder Wege fand, wenigstens
das Allernotwendigste herbeizuschaffen. Aber schließlich sah man
sich doch genötigt, die Zöglinge über Weihnachten einen vollen Monat
nach Hause zu schicken und den besonders besorgten Eltern aus der
Schweiz anzuraten, ihre Kinder abzumelden. In einer um etwa 60 verminderten
Zahl kehrten die Zöglinge am 9. Januar zurück, und der regelmäßige
Betrieb konnte wieder aufgenommen werden. 127