Skip to main content

Full text: 100 Jahre Stella Matutina. 1856-1956

Mai 1922 die Zahl 400. Dann erfolgte ein jäher Absturz, so daß die Zahl 
im Herbst 1923 bis auf 290 sank, den tiefsten Stand seit 50 Jahren. 
Wie vermochte die Stella Matutina unter solchen Verhältnissen über­ 
haupt durchzuhalten? Nächst dem gütigen Walten der göttlichen Vor­ 
sehung war es eine zweifache Hilfe, der dieses Durchhalten zu verdan­ 
ken ist: 
Eine sehr erhöhte Ausnützung des eigenen Bodens 
und eine großherzige Hilfeleistung von auswärts. P. Johann Villiger, der 
Minister des Hauses, setzte seine volle Kraft dafür ein, die Ernährungs­ 
basis des Kollegs zu erweitern. Der Gemüsebau blieb nicht auf den großen 
Garten beschränkt, sondern neben den Spielplätzen und im früheren Park 
des Reichenfelder Hauses wurden weitere anderthalb Hektar umgegraben 
und als Gartenland angebaut. Mit drei Hektar Kartoffelfeldern wurde die 
Stella wohl der „dickste" Kartoffelbauer ringsum. Man zog die Hilfe der 
Buben heran beim Stecken, Behacken und Ernten. Und sie taten es gerne. 
Weil es ferner unmöglich war, von auswärts Milch zu beziehen, und an­ 
derseits die bisher gepachteten Grundstücke in der Not der Zeit von ihren 
Eigentümern selbst angebaut wurden, wandelte man die Ried- und Streue- 
böden im Tisner „Schlachtfeld" in fruchtbare Äcker um durch Trocken­ 
legung und rationelle Düngung. Wiesen wurden in Äcker umgepflügt, der 
Futterbau nach Größe und Güte erheblich vermehrt, drei Silos (Grünsüß­ 
futteranlagen) in der Ökonomie eingebaut. Auf solche Weise vermehrte 
die Garinawirtschaft ihren Viehstand und konnte sämtliche Milch für den 
Eigenbedarf des Kollegs liefern. Die hundert Schweine in „Garina links" 
bildeten eine große Hilfe für die Küche in der fettarmen Zeit und man 
konnte auch noch den fremden Leuten helfen. Denn nach Garina-Ferkeln 
herrschte eine starke Nachfrage. Auch manche Patres halfen kräftig mit 
und brachten mit Hilfe von Bubengruppen die reiche Obsternte ein. Der 
Schweizer P. Villiger verstand es auch wie selten einer, seinen Landsleuten 
jenseits des Rheines die Notlage des Kollegs anschaulich zu schildern und 
so manches herbeizuschaffen, was im verarmten Österreich überhaupt nicht 
mehr zu haben war.. 
Aber all das hätte nicht genügen können, wenn nicht eine großmütige 
Hilfe guter Menschen dazu gekommen wäre.. Sie kam vor allem 
von Jesuitenpatres aus Nordamerika, jenen aufblühenden Ordensprovin­ 
zen, die einst aus der deutschen „Buffalo-Mission" hervorgegangen waren. 
Jene Patres hatten ihre Studien noch in der deutschen Provinz gemacht 
und kannten die Stella Matutina. Sie warben auch unter ihren amerikani­ 
schen Mitbrüdern oder im Kreise ihrer Kollegien oder Pfarreien für die 
Hilfsaktion. Wertvoll waren die zählreichen Meßstipendien (in Dollars), 
welche auf diese Weise dem Kolleg zukamen. Ein Pater Mc Givney der 
New-Yorker Provinz, der seine theologischen Studien in Innsbruck ge­ 
macht hatte, ließ allein in jenen paar Jahren dem Kolleg über 10.000 
Dollar an Stipendien zukommen. In ähnlicher Weise halfen Schweizer 
Patres in Amerika, wie P. Gisler (Altstellaner), P. Arnold und viele andere. 
Neben Gaben in Geld kamen Lieferungen von gesammelten Lebensmitteln 
und Kleidern. Auch die Schweiz vergaß die benachbarte Stella nicht und 129
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.