sandte ihre Gaben, vor allem die Familie Dr. Geser-Rohner in Rebstein.
Sie hatte im Verein mit der Familie Oesch aus Balgach eine große Hilfsaktion
im Rheintal durchgeführt und das Kolleg mit Lebensmitteln und
Kleidern versorgt.
Trotz all dieser Hilfe mußte die Kollegsverwaltung im Jahre 1923 eine
Anleihe aufnehmen, um die finanzielle Lage zu sanieren. Dabei kamen
drei Provinzen des Ordens, die beiden französischen von Lyon und der
Champagne und die spanische von Toledo, in echt brüderlicher Weise mit
den günstigsten Bedingungen dem Kolleg entgegen. Die Anleihe hatte die
Höhe von 350.000 französischen Frs. (= ca. 109.000 Schweizer Fr.). Es
erschien wie eine gütige Fügung der Vorsehung, daß die Stella Matutina
zu Beginn der 30er Jahre bereits in der Lage war, den Gebern ihr Darlehen
zurückzuzahlen in einer Zeit, da die Provinz von Toledo, infolge des spanischen
Bürgerkrieges des Landes verwiesen, das Geld bitter nötig hatte.
Weniger glücklich war in der Nachkriegszeit ein Prozeß um Tilgung
einer alten Schuld mit den Erben Dr. Schädlers (Vaduz). Die Verwaltung
wollte 1925 ein vor 40 Jahren aufgenommenes Darlehen in Schilling
löschen, die Erben — es waren ihrer eine sehr große Zahl — forderten
Rückzahlung in Gold. Das Landesgericht Feldkirch entschied in erster
Instanz zu Gunsten des Kollegs, in der zweiten und dritten Instanz nichts
in der Sache selbst, urteilte aber, das Kolleg habe die nötigen Zinsen nicht
bezahlt. Die Prozeßkosten fielen dem Kolleg zur Last (13.000 Schilling).
Schließlich kam unter vielen Bemühungen mit den Erben ein Vergleich
zustande, der sie befriedigte.
Eine B esitzvergrößerung erfolgte im Jahre 1923, als die Stadt
Feldkirch die neue Schillerstraße im Westen des Reichenfeldes anlegte.
Damit gab das Kolleg einen Teil seiner Wiese, der jenseits der Straße zu
liegen kam, ab (2706 qm) und erwarb dafür den Streifen an der 111 bis zum
neuen Gerichtsgebäude sowie das Gelände hinter dem Dienerhaus und den
abgeholzten Wald unter dem Stadtschrofen (zusammen 46.744 qm) unter
Zuzahlung von 22.500 Schweizer Franken. Der große Vorteil für das Kolleg
bestand darin, daß ihm fortan alles, was jenseits der 111 innerhalb des
Stadtschrofens, der Duxgasse, der Schillerstraße und dem Gerichtsgebäude
liegt, als zusammenhängender Besitz gehörte.
Mit der Besserung der wirtschaftlichen Lage konnte nun manches im
Gebäude verbessert oder neu eingerichtet werden, was während der
Kriegs- und Nachkriegsjahre hatte unterbleiben müssen. Dazu gehörte die
Einrichtung eines eigenen Backofens, der am 1. September 1926 in
Betrieb gesetzt wurde. Der Plan einer eigenen Bäckerei für einen so großen
Betrieb bestand schon lange, aber man hatte ihn bisher nicht ausgeführt,
weil man gebührende. Rücksicht auf die Bäckerei des Herrn Wegeler nahm.
Herr Wegeler hatte schon in den Frühzeiten der Stella ihr manchen guten
Dienst erwiesen. Diese Bindung fiel nach seinem Tode weg, als das Geschäft
in andere Hände übergegangen war. Der neue elektrische Backofen
brachte eine große Ersparung, machte er sich doch schon nach einem Jahre
bezahlt. Zugleich wurde die Tisner Mühle des Kollegs, die von einem 130