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Full text: 100 Jahre Stella Matutina. 1856-1956

VORGESCHICHTE 
Als die ersten Gefährten des hl. Ignatius von Loyola im Spätherbst 
.des Jahres 1536 ihre Reise von Paris nach Italien (Venedig) unternahmen, 
führte sie ihr Weg, wie geschichtlich ziemlich sicher feststeht, durch das 
Rheintal und den Walgau über den Arlbergpaß nach Tirol. Darüber gilbt 
uns auch ein altes Bild Kunde, das P. Schurhammer, der eifrige Erforscher 
der Fahrten eines hl. Franz Xaver, in seinem Buche „Leben des hl. Franz 
Xaver in Bildern" wiedergibt. Das vierte unter den 28 Bildern zeigt uns 
das mittelalterliche Stadtbild von Feldkirch nach der Cosmographia des 
Sebastian Münster und trägt den Titel „Die Wallfahrt (1536) ". Eine Gruppe 
von Pilgern, vier davon im Vordergrund, schauen auf das Stadttor hin. 
Es ist das Heuertor. Links davon erhebt sich der wuchtige runde Katzen­ 
turm, weiter links der schlanke Spitzturm der St.-Nikolaus-Pfarrkirche, 
zwischen beiden blickt der Frauenturm durch und ganz am Rande das 
Türmchen des Rathauses und der Johanneskirche; alles überragt die 
trutzige Schattenburg. Das war die früheste Begegnung der Jesuiten mit 
der Stadt Feldkirch. 
Ein gutes Jahrhundert später, gegen Ende des Dreißigjährigen Krie­ 
ges, bemühte sich ein Kirchenfürst, der Fürstbischof von Chur, zu dessen 
Bereich das Vorarlberger Oberland damals gehörte, um ein Kolleg der­ 
selben Ordensleute für Feldkirch. Aber dem löblichen Stadtrat bangte 
wegen der Kosten: Die Stadt vermöge weder einen Bauplatz zu stellen, 
noch die Kosten zu tragen. Es waren ja auch böse Zeiten: Zu Anfang 1647 
hatte der Schwede Bregenz eingenommen und stand am 18. Jänner vor 
den Toren Feldkirchs. Erst als der westfälische Friede Ruhe ins Land 
gebracht hatte, konnte der Wunsch des Fürstbischofs verwirklicht werden. 
Zunächst erhielt die Stadt eine Missionsstation von zwei Patres (1649), 
aber schon das folgende Jahr brachte die gewünschte Schule mit acht 
Klassen; sie zählte bereits im Jahre 1652 150 Schüler. Bald erwarben die 
Jesuiten auch ein eigenes Heim, das sogenannte Huebhaus, das sich unmit­ 
telbar an die Pfarrkirche anschloß. Das Schulgebäude lag in der Neustadt. 
Nun waren die Stadtväter auch bereit, aus verschiedenen frommen Stiftun­ 
gen eine Beihilfe zu leisten. Das Kolleg blühte auf, man konnte zu den 
acht Klassen noch Philosophie und Moral hinzufügen. Wohl fehlte es auch 
nicht an Heimsuchungen: als im Jahre 1697 eine furchtbare Feuersbrunst 
den größten Teil der Stadt, 150 Häuser, vernichtete, fiel ihr auch das 
Schulgebäude zum Opfer, und der Unterricht mußte zwei Jahre lang im 
großen Siechenhaus zu Levis gehalten werden. Das Jahr 1726 brachte 
eine verheerende Ill-Überschwemmung über die Stadt und das Reichen­
	        
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